Schenken und Beschenktwerden ist an sich eine erfreuliche Sache. Doch schnell ist die Freude getrübt, wenn der Enkel sich sehnlichst ein anderes Computerspiel gewünscht hätte oder die Eltern den Kinderstuhl nicht zusammenbauen können, weil ein Gewinde kaputt ist. In beiden Fällen will man die Präsente retournieren. Rechtlich gibt es aber einen Unterschied zwischen einer Rückgabe, weil die Sache mangelhaft ist, und einem Umtausch, ohne dass Mängel vorliegen.

Umtausch beruht auf Entgegenkommen

Umtauschen bei Nichtgefallen kann man nur, wenn das Geschäft einwilligt. Denn es gibt kein gesetzliches Recht auf Umtausch. Viele Leute sind der Ansicht, dass man innerhalb einer bestimmten Frist vom Kauf zurücktreten kann, wenn man die Sachen mit Kassenzettel zurückbringt. Doch das ist ein Irrtum. Es gilt der Grundsatz: Kaufverträge sind verbindlich.

Der Irrtum rührt daher, dass viele Geschäfte aus Kulanz einen Umtausch akzeptieren, da für sie die Kundenzufriedenheit im Vordergrund steht. In diesem Fall können die Anbieter jedoch selbst bestimmen, ob sie den Umtausch von ­Bedingungen abhängig machen:

 

  • Manche Anbieter nehmen die Sachen innert einer bestimmten Frist zurück (Migros, Fust: 30 Tage; Ex Libris: grundsätzlich 10 Tage; ­Ikea: 90 Tage). Andere kennen keine Frist (Globus, Manor, Coop, Coop City sowie Coop Bau + Hobby, Interdiscount). Migros schliesst ein Rückgaberecht für bestimmte Produkte ganz aus: Bücher, Mobiltelefone, Note- und Netbooks, PC, Tablets, Spielkonsolen, Navi­gationsgeräte, bespielte CDs, Videos, DVDs, Software sowie Spezialanfertigungen und Sonderbestellungen. Bei Fust klingt es ähnlich.
  • Manche Firmen verlangen, dass man die Sachen in der ungeöffneten Originalverpackung zurückgibt (Fust). Bei anderen darf man die Verpackung öffnen, die Sachen müssen aber im Neuzustand sein (Globus, Interdiscount, Coop, Coop City sowie Coop Bau + Hobby, Migros, Ikea). CDs, DVDs, Software und ­Videospiele muss man aufgrund des Urheber­schutzes in der ungeöffneten Originalverpackung zurückgeben (Interdiscount, Ex Libris, Manor). So können die Anbieter verhindern, dass die Leute eine Kopie davon machen und das Original danach zurückbringen. Smartphones und Tablets müssen originalversiegelt sein (Interdiscount).
  • Manche Anbieter verlangen den Kassenzettel oder Garantieschein (Interdiscount, Migros, Fust), anderen genügt es, wenn zum Beispiel an Kleidern noch das Etikett dran ist oder man genauere Angaben dazu machen kann, wann und in welcher Filiale man die Sachen gekauft hat (Globus, Coop City, Coop Bau + Hobby, Ex Lib­ris, Ikea).
  • Unterschiede gibt es auch beim Gegenwert, den man erhält: Manche Unternehmen offerieren ihren Kunden einen Gutschein und notieren darauf, dass man die gleiche Bluse in einer anderen Grösse oder Farbe nimmt. Bei Fust muss es dieselbe Produktkategorie sein. Manche bieten einen Gutschein für Ware im gleichen Wert an (Interdiscount, Coop, Coop City und Coop Bau + Hobby, Ikea). Auf Bar­geld hoffen darf man unter Umständen bei ­Ex Lib­ris, Manor oder Migros. Gewisse Geschäfte entscheiden situationsabhängig vor Ort, welches die «beste Lösung» ist (Globus).
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Wenn der Schenker ganz sicher sein will, dass ein späterer Umtausch möglich ist, kann er dieses Rückgaberecht beim Kauf zusätzlich vereinbaren. Am besten lässt er sich das schriftlich bestätigen – zum Beispiel auf dem Kassenzettel.

Einschränkungen sind erlaubt

Wenn beim Kinderstuhl ein Gewinde kaputt ist, kann man nicht einfach das Geld zurückverlangen. Bei Mängeln ist zunächst relevant, was die Garantiebestimmungen oder die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Verkäufers dazu sagen. Die Anbieter können darin zum Beispiel nur eine Reparatur gewähren und einen Umtausch oder eine Rückgabe ausschliessen. Auch Materialien oder Teile können ausgeklammert sein, etwa Bildschirme von Notebooks. Manchmal wird für sämtliche Garantieansprüche auf den Hersteller verwiesen.

All diese Einschränkungen sind zulässig, sofern der Käufer beim Kauf darauf aufmerksam gemacht wurde – etwa durch einen schriftlichen Hinweis im Laden oder bei einem Onlinekauf durch Akzeptieren der AGB. In beiden Fällen sind diese verbindlich. Nicht relevant wären sie, wenn der Anbieter die Bestimmungen erst im Nachhinein zücken würde. Wenn man die Garantiebestimmungen selbst nicht hat, muss man beim Schenker nachhaken und fragen, wie er darauf aufmerksam gemacht wurde.

Wurde zum Thema Garantie nichts kommuniziert, gilt das Gesetz. In diesem Fall kann man bei einem erheblichen Mangel den Kaufvertrag rückgängig machen und den Kaufpreis zurückverlangen. Dies ist der Fall, wenn die Sache überhaupt nicht brauchbar ist, wenn sich zum Beispiel das iPhone nicht starten lässt. Bei einem minder erheblichen Mangel kann man eine Preisreduktion oder einen Ersatz verlangen. Das ist etwa der Fall, wenn die Oberfläche eines Tablets Kratzer hat. Kann der Anbieter rasch einen einwandfreien Ersatz für das mangelhafte Produkt liefern, muss man dies akzeptieren; das Geld kann man nicht zurückfordern.

Wichtig ist, dass man sofort nach Entdecken des Mangels eine Mängelrüge macht. Denn sonst verliert man seine Rechte. Am besten beschreibt man in einem Brief oder in einer E-Mail klar und detailliert, was mangelhaft ist, und verlangt eine Stellungnahme innert einer Frist von etwa ein bis zwei Wochen. Seit Anfang 2013 gilt eine zweijährige Garantiefrist.

Die Umtauschaktionen nach Weihnachten sind seit einigen Jahren rückläufig. «Wenn umgetauscht wird, dann zum Beispiel doppelt erhaltene Spielwaren oder Kleidungsstücke in ­einer falschen Grösse», sagt Elle Steinbrecher, Mediensprecherin von Manor, und fügt an: «Eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen ist der Anstieg des Verkaufs von Geschenk­karten und anderen Guthabenkarten, etwa für iTunes, Spotify und Google Play.» Eine weitere Erklärung könnte sein, dass die Leute die Waren auf Onlineplattformen weiterverkaufen.

Gutscheine und ihre Tücken

Um der Frage nach einem Umtausch aus dem Weg zu gehen, verschenken viele Leute Gutscheine. Doch auch hier gibt es Stolpersteine. Einer der häufigsten Gründe für Reklama­tionen ist das Ablaufdatum: Man bekommt einen Gutschein, freut sich, legt ihn in die ­Schublade – und vergisst ihn. Wenn man ihn dann zufällig in die Hände bekommt, ist die Frist zur Einlösung längst verstrichen. Und dann?

Rechtlich ist umstritten, wann Gutscheine ablaufen – Gerichtsentscheide zum Thema gibt es keine. Konsumentenfreundliche Fachleute argumentieren mit den Verjährungsbestimmungen im Obligationenrecht. Demnach müssten etwa Gutscheine für Restaurantessen, Massagen oder Waren aller Art fünf Jahre lang eingelöst werden können, solche für Eintritte, Reisen, Kino oder Konzerte zehn Jahre.

Allerdings sind viele Geschäfte kulant und akzeptieren abgelaufene Gutscheine trotzdem – unter Umständen gegen eine kleine Bearbeitungsgebühr. Wenn der Aussteller einem nicht entgegenkommen will, sollte man ihn auf die Bestimmungen im Obligationenrecht hinweisen.

Grössere Geschäfte, etwa Migros, Coop oder Manor, stellen als Gutscheine Plastik­kärtchen im Kreditkartenformat aus, die immer wieder aufgeladen werden können und deren ­Gültigkeit sich dadurch stets ver­längert.

Wenn ein Gutschein verloren geht, hat man Pech gehabt. Auch ein Recht auf Barauszahlung eines Gutscheins besteht nicht. Wenn ein Betrag aufgedruckt ist, den man mit dem Einkauf nicht erreicht, sind die Geschäfte nicht verpflichtet, die Differenz in bar zu erstatten. Manche tun dies trotzdem. Mit den Plastikkärtchen fällt auch dieses ­Problem weg, da neue Bezüge problemlos vom Restguthaben abgezogen werden können.

Am besten fährt man, wenn man Gutscheine so schnell wie möglich einlöst. So minimiert man auch das Risiko, den Gutschein nicht mehr einlösen zu können, weil zum Beispiel der Aussteller Konkurs anmeldet.

Wer Gutscheine verschenkt, achtet am besten schon beim Kauf darauf, dass möglichst kein Ablaufdatum aufgedruckt ist. Auch weitere Einschränkungen – etwa «einlösbar nur beim Kauf regulärer Ware» oder «nicht kumulierbar» – sollten wenn möglich vermieden ­werden.