Es sollte der perfekte Sommer werden. Fabian Kübler (Name geändert) aus Bonstetten ZH wollte mit Familie und Freunden in die Toskana. Auf dem Ferienwohnungsportal Wimdu wurde er fündig. Eine Villa mit acht Schlafzimmern, fünf Badezimmern und einem Pool bot Platz für alle. Preis für zehn Nächte: 3873 Euro.

Kübler schrieb die Vermie­terin Graziella via Wimdu an. Diese bat, sie über ihre persönliche Mailadresse zu kontak­tieren. Postwendend sandte sie einen Vertrag und die Zahlungsinstruktionen. «Sie antwortete zuverlässig, der Vertrag sah professionell aus», erinnert sich der 43-Jährige.

Um die Buchung zu sichern, sollte Kübler das Geld an eine englische Bank überweisen. «Man kann auf Portalen wie Airbnb und Wimdu nur mit Kreditkarte zahlen. Da ich keine habe, kam mir die Bank­methode entgegen.» Zwei Tage nach der Zahlung fragte Kübler nach, ob Graziella das Geld erhalten habe. Schweigen. Nach drei Wochen Funkstille war klar, dass etwas faul sein musste. Im Internet fand er die Telefonnummer der echten Villenvermieterin. Diese hatte noch nie von ihm gehört – und nie Geld erhalten.

Der Kundendienst ist machtlos

Verzweifelt wandte sich Kübler an den Wimdu-Kundendienst. Doch der konnte nicht helfen. «Herr Kübler hat sich entschieden, unsere Plattform und damit auch das sichere Zahlungssystem zu umgehen, und hat damit sehr fahrlässig gehandelt», erklärt Mediensprecher Lennart Schirmer.

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Man warne auf der Website mehrfach davor, Zahlungen ausserhalb von Wimdu abzuwickeln. Denn bei einer ordentlichen Buchung wird das Geld zuerst an Vermittlerin Wimdu überwiesen. Erst 24 Stunden nach Ankunft im Feriendomizil und nur, wenn der Mieter nichts beanstandet, leitet Wimdu das Geld an den Vermieter weiter.

Kübler ist nicht das einzige Opfer. Michael Keller (Name geändert) aus Zürich wollte die Frühlingsferien mit Freunden in Spanien verbringen. Beim Vermittlungsportal Fewo-direkt.de fand er eine ­Villa auf La Palma, zwei Wochen für 1490 Euro. Kurz nach der Buchungsanfrage meldete sich ein gewisser Jose der Firma Proxima International. «Er wirkte sehr freundlich, bot sogar einen Abholservice vom Flughafen und bei Bedarf einen Kindersitz an», erinnert sich Keller. Er überwies das Geld. Jose meldete sich nie wieder.

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«Ich wundere mich teilweise schon, mit welchem Vertrauen Leute Geld in fremde Länder überweisen und hoffen, dass alles gut kommt.»

Franco Muff, Ombudsmann der Schweizer Reisebranche

Zwar bietet auch Fewo-direkt eine sichere Zahlung mit Betrugsversicherung bis 10'000 Euro an. Anders als bei Wimdu kann man sich aber auch für Direktzahlung von Bank zu Bank entscheiden. Das geht allerdings zulasten der Sicherheit. Die Fewo-direkt-Sprecherin Janina Roso beschwichtigt: «Solche Fälle sind auf unseren Seiten extrem selten. 99,9 Prozent unserer Urlauber haben ein positives Buchungserlebnis ohne Störungen.»

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Das von Keller gewählte Haus werde bereits seit 2002 angeboten, mit etlichen positiven Bewertungen. Was also ist passiert? «Es könnte sein, dass sich jemand in den privaten Mailaccount der Vermieterin gehackt hat», mutmasst Roso. Eine Sicherheitslücke bei Fewo-direkt sei unwahrscheinlich. «Bei der Anmeldung wird neben Benutzername und Passwort ein Code per SMS an die hinterlegte Telefonnummer fällig.»

Ein erstaunliches Vertrauen

Betroffene könnten Anzeige gegen unbekannt erstatten. Die Chancen, dass sie ihr Geld je wiedersehen, seien aber relativ gering, sagt Franco Muff, Ombudsmann der Schweizer Reisebranche. Die Betrugsmasche kennt er. «Es ist eine Pflicht der Anbieter solcher Seiten, mit geeigneten Systemen und verständlichen Zahlungsanleitungen sicherzustellen, dass die Kunden nicht einem Betrüger auf den Leim gehen.»

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Dennoch: «Ich wundere mich teilweise schon, mit welchem Vertrauen Leute Geld in fremde Länder überweisen und hoffen, dass alles gut kommt.» Muff rät, die Zahlungssysteme der Vermittlungsplattformen zu nutzen. Und wer bei einem Schweizer Anbieter buche, könne bei Problemen auf Hilfe der Ombudsstelle zählen.

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