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«Einkaufsgemeinschaft» LyonessEx-Jünger wehren sich

Die «Einkaufsgemeinschaft» Lyoness kommt nicht zur Ruhe: 54 Ex-Mitglieder fordern ihre gesamten investierten Gelder zurück.

Mit Mandela schmückt man sich gern: Lyoness-Chef Hubert Freidl (links) bei der Lancierung eines Hilfsprojekts
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Nach aussen ist das Bild perfekt: Lyoness nennt sich «Einkaufsgemeinschaft», bietet bei Firmen ermässigte Preise, verspricht verschiedene Boni und Rabatte – und ist karitativ tätig. So präsentierten sich Lyoness-Verantwortliche um Firmengründer Hubert Freidl bei einem Spendenprojekt stolz mit Nobelpreisträger Nelson Mandela.

Doch hinter Lyoness verbirgt sich ein schwer durchschaubares Geschäftsmodell. Mitglieder können sich mit erzielten Rabatten auf Einkäufen «Einheiten» gutschreiben lassen, um weitere Prämien zu erreichen. Weil das zu lange dauert, wird den Mitgliedern in Seminaren empfohlen, solche «Einheiten» mit «Gutscheinanzahlungen» zu kaufen und dank neu geworbenen Mitgliedern und deren zugekauften «Einheiten» in der Hierarchie aufzusteigen und so noch höhere Prämien zu erreichen.

Eine ganze Reihe bisheriger Mitglieder glaubt nicht mehr an das Modell. Etwa Christian Koller*. Er hatte Lyoness innert eines Jahres 38’000 Franken überwiesen. Heute reibt er sich die Augen: «Ich darf gar nicht daran denken, wie naiv ich war.» Wie viele ist er überzeugt, vom System profitiere vor allem der enge Kreis um den österreichischen Firmenchef Hubert Freidl. Inzwischen fordern 54 Ex-Mitglieder investierte Gelder zurück – total über 420’000 Franken. Obwohl Lyoness die Rückzahlung schriftlich zusicherte, zahlte sie nur 75 Prozent der gesamthaft investierten Gelder aus. Jetzt fordert Koller seinen noch offenen Teil auf gerichtlichem Weg ein.

Ein neues Zweiklassensystem

Ungemütlich wird die Situation für Lyoness auch wegen der verschärften Gesetzgebung in der Schweiz. Seit April können Firmen mit schneeballähnlichen Geschäftsmodellen wirkungsvoller belangt werden. Flugs hat nun Lyoness die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) geändert. Auffällig: Verschwunden ist genau jener Artikel, der Mitgliedern bisher Ausstieg und Rückerstattung investierter Gelder ermöglichte. Lyoness Schweiz betont gegenüber dem Beobachter, Kulanzregelungen seien weiterhin möglich: «Wir können Ihnen versichern, dass wir für jedes Mitglied eine Lösung finden.»

Neu gibt es gar zwei Sorten Geschäftsbedingungen: Mitglieder kommen erst in den Genuss aller Lyoness-Vorteile, wenn sie die «erweiterten» Nutzungsbedingungen akzeptieren. Erst hier wird auch das eigentliche Geschäftsmodell erklärt: Wer neue Mitglieder rekrutiert, steigt auf und kassiert mehr. Wer das höchste «Karrierelevel» 8 erreicht, dem winkt ein monatlicher Bonus von 75’000 Franken – zumindest in der Theorie.
Neuen Ärger kommt nun noch von einer anderen Seite: Die Revisionsfirma von Lyoness Europe und Lyoness International legte ihr Mandat nieder, wie die Handelszeitung schreibt.

*Name geändert

Veröffentlicht am 23. Oktober 2012

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17 Kommentare

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Manuel Özgür
Mittlerweile gab es schon 3 Fernsehberichte in Österreich zu Lyoness: Lyoness - Die Geldmaschine ORF 2 - Report - 13.11.2012 http://vimeo.com/56040743 "Einkaufsgemeinschaft" Lyoness ORF 2 - Report - 27.11.2012 http://vimeo.com/54486900 Der Mann hinter Lyoness ORF 2 - Report - 24.04.2013 http://vimeo.com/66379500

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plattform-lyoness.at
Vor österreichischen Gerichten sind gegen Lyoness zumindest 20 Klagen eingebracht siehe http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20130409_OTS0004/vorgehen-gegen-lyoness-richtigstellung-zur-ots-meldung-der-lyoness-europe-ag-vom-542013 Informationen, Daten, Fakten und Hilfestellung gibt es auch unter plattform-lyoness.at

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N.P. aus Herisau
...ich bekomme weder lästige Werbung von Lyoness noch wurde ich abgezockt! Als Member logge ich mich ein, mache meine Einstellungen ob Werbung und Mails erwünscht sind und das wars. Ich finde es herrlich, Kaufe online bei Müller und Zalando ein und bekomme Geld zurück, war bis jetzt immer so. Das System von Lyoness finde ich super aber es gibt zum Teil gierige Werber die mit falschen Tatsachen werben und sagen man könne reich werden damit...diese, finde ich, sollten bestraft werden und nicht Lyoness. Wie ist es denn mit den Versicherungen-Wenn ein "dubioser unabhängiger" Versicherungsheini jemandem eine 3-Säule andreht dann ist ja auch nicht die Versicherung schuld oder schlecht sondern der, der das ganze missbraucht hat um sich zu bereichern! ODER?!?!

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N.P. aus Herisau
An die Gegner von Lyoness: Ich weiss gar nicht was das Problem ist?!?! Ich bin seit 1-Jahr dabei und profitiere immer wieder davon. Ob ich in Kroatien im Urlaub war oder in Österreich auf Besuch, immer wieder konnte ich davon Profitieren. Habe immer mein Geld zurückbekommen, bestellte Gutscheine immer erhalten und eingelöst. Mir wurde zwar auch angeboten Partner zu werden und ich hätte die Möglichkeit geld zu verdienen aber das war nichts für mich und so bekam ich KOSTENLOS die Karte und profitiere heute noch kostenlos dafon...sorry, ich verdiene noch was dazu da ich jedes mal (nicht viel aber immerhin was) was kleines zurückbekomme. Das traurige an der ganzen Sache sind die Leute die glauben Sie können Businessmitglied werden und dabei reich werden...

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