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Obligo AGErst ein «Gratis-Zugang», dann die Rechnung

Die Obligo AG verschickt Rechnungen für Porno-Inhalte, die man angeblich im Internet konsumiert haben soll. Wurden die Kunden getäuscht?

Das genüssliche Lachen vergeht ziemlich schnell, wenn plötzlich eine Rechnung im Briefkasten liegt.
von aktualisiert am 22. Dezember 2017

Ob es wirklich Turnübungen sind, die die grinsende, mit nichts als einer durchsichtigen Strumpfhose bekleidete Dame auf Milfz.tv ausführt, weiss Roman Schwander* nicht. Er hat es nie gesehen. Der Hinweis «Maximum Perversion» hätte ihn ohnehin abgeschreckt. Trotzdem flatterte ihm eine Rechnung der Obligo AG über Fr. 79.90 ins Haus für ein angeblich 2013 abgeschlossenes Abo für pornografische Filme.

Kunden können auf der Website einen «Gratis-Zugang» auf ihr Handy anfordern. Doch der Link führt nicht zu den versprochenen Turnübungen, Filme können nicht geschaut werden. Zum Trost ruft der Anbieter an und fragt nach der Adresse. So gehen diverse Betreiber vor. Oft folgen Rechnungen der Inkassodata AG.

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Wurden die Kunden getäuscht?

Am besten geben Kunden ihre Adresse gar nicht erst bekannt. Die Rechnung muss man aber ohnehin nicht bezahlen. Selbst wenn Schwander auf den Link geklickt hätte, stimmte er nur einem Gratisangebot zu. Das Gleiche gilt für Seiten wie Xflirt.ch, die «Jetzt 3 Tage gratis» verspricht und den monatlichen Preis von Fr. 79.90 weit weg vom Bestellknopf im Kleingedruckten versteckt. So kommt kein kostenpflichtiger Vertrag zustande. Auf Rechnungen und Zahlungsaufforderungen muss man darum nicht reagieren.

Gegen die Personen aus dem Umfeld der Obligo AG hat die Staatsanwaltschaft March während über zweieinhalb Jahren ermittelt. Es gab Hinweise, dass den angerufenen Kunden vorgespielt wurde, sie müssten ihre Adresse einer Krankenkasse oder einem Telefonanbieter angeben. Doch die Staatsanwaltschaft musste die Untersuchung einstellen: Sie konnte keine strafbare Handlung nachweisen. Dagegen ist nun eine Beschwerde beim Kantonsgericht Schwyz hängig. Die Obligo AG nahm bis Redaktionsschluss zur Sache nicht Stellung.

* Name geändert

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Tina Berg, Online-Redaktorin

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