Die Geschäfte von Rodja Smolny laufen offensichtlich gut. Auf seiner Facebook-Seite posiert er gern im Anzug mit Fliege, schwärmt vom Fahren in einem Spitfire-Oldtimer oder zeigt sich als Pilot hoch über den Wolken. Die Bilder suggerieren: Hier kann sich einer leisten, wovon andere bloss träumen.

Die Geschäfte von Sarah Barone laufen deutlich weniger gut, und das hat mit ihrem Traum zu tun, Menschen zu helfen. Die Sozialpädagogin aus Rorschacherberg SG wollte einen Ratgeber mit dem Titel «Betrachte Dich selbst» veröffentlichen. 50 Seiten, Hardcover, ein Spiegel auf dem Titelblatt. Und seit das Buch erschienen ist, hat sich Sarah Barone gelegentlich mal im Spiegel betrachtet und sich gefragt, ob sie damit nicht doch einen Fehler gemacht hat. Denn dass ihre Geschäfte nicht gut laufen, hat viel mit Rodja Smolny zu tun.

Kaum eine Chance

Normale Buchverlage warten nicht auf Manuskripte. Ihnen werden Dutzende Texte angeboten, und nur die allerwenigsten schaffen es ins Verlagsprogramm. Bei Rodja Smolny in Zug jedoch stiess Jungautorin Barone auf offene Ohren. Der Geschäftsführer der Schweizer Literaturgesellschaft war augenblicklich bereit, ihr Buch zu veröffentlichen. Schon nach wenigen Tagen erhielt Barone einen Verlagsvertrag mit einer versprochenen Erstauflage von 2500 Exemplaren zur Unterschrift.

In der Post steckte allerdings auch eine Finanzierungsvereinbarung. Denn Sarah Barone sollte für die Produktion ihres Buchs sämtliche Kosten und damit das ganze Risiko übernehmen. Sie entschied sich für eine Anzahlung von 1800 Franken und 48 Monatsraten über 280 Franken, total 22'239 Franken und 18 Rappen plus Mehrwertsteuer. Dafür versprach ihr Smolny pro verkauftes Buch 35 Prozent Tantiemen. Im Buchhandel sind normalerweise höchstens zehn Prozent üblich – auf dem Grosshandelspreis. Zudem verhiess Smolny in einem «Marketingplan» alles Mögliche: Präsenz an den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig, Kontakte mit Medienredaktionen und Anfragen an Talkshows, um die Autorin ins Fernsehen zu bringen.

Anwaltlicher Rat

Sarah Barone liess sich von einem Anwalt beraten. Dieser vermochte in dem Vertrag keine Probleme zu erkennen – eine teure Fehleinschätzung. Sie unterschrieb. Dreieinhalb Jahre später ist die Autorin jedoch mehr als nur ernüchtert. Lediglich ein paar Dutzend Exemplare ihres Buchs sind bisher verkauft worden, obschon sie Smolny bisher rund 14'000 Franken abgestottert hat. Dieser hat ihr mittlerweile erklärt, die vertraglich festgehaltene Auflage von 2500 Exemplaren sei bloss «eine Schätzung».

In den Ohren von Brigitte Hofmann klingen Smolnys Versprechen nur allzu vertraut. Auch sie hat für ihr Buch bei der Literaturgesellschaft teuer bezahlt. Der Vertrag für ihren 400-seitigen Roman «Warten auf Nikolaus» lautet auf den exakt gleichen Betrag wie derjenige für Barones 50 Seiten dickes Buch. Dafür erhielt Brigitte Hofmann jedoch nur die billigere Taschenbuchversion. Erst auf ihren Protest hin reduzierte Smolny die geforderte Summe. Für die wenigen Exemplare, die sie seit der Veröffentlichung verkaufen konnte, bezahlte sie bisher rund 6000 Franken. Im letzten Frühling dann stellte sie ihre Zahlungen ein, weil der Verleger ihrer Ansicht nach nichts unternahm, um das Buch unter die Leute zu bringen. Nun droht Smolny, sie für den Restbetrag zu betreiben.

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Viele Firmennamen: BigBooks Publishing AG, lektoren.ch, autorenberater.ch, ...

«Ein seriöser Verlag würde niemals von einer Autorin die Übernahme der Produktionskosten verlangen», sagt Tobias Kiwitt, Anwalt und Vorstandssprecher des deutschen Bundesverbands junger Autoren und Autorinnen: «Verlag kommt von ‹vorlegen›, was heisst, dass der Verleger das finanzielle Risiko trägt.»

Barone und Hofmann sind einem sogenannten Druckkostenzuschussverlag aufgesessen – und mit Smolny einem umstrittenen Vertreter. Er bietet unerfahrenen Autorinnen und Autoren seit Jahren und unter wechselnden Firmennamen seine Dienste an, tritt als Förderer von jungen Talenten auf und verspricht fantastische Auflagen mit viel Medienpräsenz.

Neben der Schweizer Literaturgesellschaft betreibt Smolny an der gleichen Adresse in Zug auch noch die BigBooks Publishing AG und die Self-Publishing Company, dazu die Websites Lektoren.ch und Autorenberater.ch. Ähnlich lautende Angebote von Smolny existieren zudem in Deutschland und Österreich.

Kein Lektorat

Für Rodja Smolny ist ein bei der Literaturgesellschaft publiziertes Buch in jedem Fall ein Geschäft, völlig unabhängig davon, ob es sich verkauft oder nicht. Indem kein Lektorat inbegriffen ist, hält sich sein Aufwand in Grenzen. Stattdessen bietet er ein «Korrektorat plus» an, das aber nur eine Rechtschreib Rechtschreibung «Mehr Gelassenheit wäre angebracht» - und Grammatikprüfung umfasst. Die Autoren wünschten im Normalfall keine Änderungen an ihren Texten, so Smolnys Begründung.

Auch die Druckkosten sind überschaubar: Gedruckt wird nur auf Nachfrage und im kostengünstigen Digitaldruckverfahren. Für 3000 bis 4000 Franken, so die Schätzung eines Fachmanns, lässt sich ein Buch wie dasjenige von Sarah Barone produzieren. Die Druckkosten pro Stück dürften bei maximal vier bis fünf Franken liegen.

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Die Spuren des Verlegers Rodja Smolny lassen sich über zwölf Jahre zurückverfolgen. Ebenso lange beklagen sich Autorinnen und Autoren über ihn. Die Website Literaturcafe.de berichtete eine Zeitlang regelmässig über seine Aktivitäten. In den vergangenen Monaten seien diverse Anfragen aus der Schweiz eingegangen, sagt Literaturcafe-Betreiber Wolfgang Tischer. Auch der Verband Autorinnen und Autoren der Schweiz (AdS) warnt vor Smolnys Geschäften: Im letzten Juni verlieh er ihm den Schmähpreis Plume de Plomb (Bleifeder).

Elke Heidenreichs Namen benutzt

So weltmännisch, wie er auf seinem Facebook-Profil Facebook So deaktivieren oder löschen Sie Ihr Konto auftritt, versucht Smolny auch seinen Verlag zu verkaufen, indem er ihn mit berühmten Namen schmückt. Elke Heidenreich etwa wehrte sich gegen einen Band mit ihren Texten, den Smolny ohne ihr Wissen herausbrachte. Die Autorin und Literaturkritikerin, die als Mitherausgeberin aufgeführt wurde, drohte so lange mit rechtlichen Schritten, bis Smolny das Buch zurückzog.

Sarah Barone hat letzten Frühling die Zahlungen eingestellt, weil sie vermutete, sie werde über den Tisch gezogen. Eine gütliche Einigung, um den Vertrag aufzulösen, scheiterte Mitte September. Smolny weigerte sich, ihr eine Kostenzusammenstellung zu präsentieren, und wies ihr letztlich die Tür.

Keine Bewilligung

Auf Smolny könnte nun jedoch Ärger zukommen. Bei der Finanzierungsvereinbarung, die er den Autorinnen und Autoren vorlegt, handelt es sich um einen Kreditvertrag. Für einen solchen braucht der Kreditgeber eine Bewilligung des Kantons.

Die Zuger Volkswirtschaftsdirektion erklärt jedoch, dass weder Smolny persönlich noch seine Firmen eine solche Bewilligung besitzen. Zudem hätte Smolny vor der Vergabe des Kredits Barones finanzielle Verhältnisse umfassend abklären Bonitätsauskunft Warum bin ich nicht kreditwürdig? müssen – was nie geschah. Auch Autorin Brigitte Hofmann – die von ihrem Buch bisher 15 Exemplare loswurde – erhielt eine Finanzierungsvereinbarung, ohne dass Smolny bei ihr das Risiko einer Überschuldung abgeklärt hatte. Da die Frau aber eine IV-Rente bezieht, hätte er ihr niemals einen solchen Vertrag unterjubeln dürfen.

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Minimer Marktanteil

Er sei Deutscher und kenne diese Gepflogenheiten nicht, rechtfertigt sich Rodja Smolny im Gespräch. Die Schuld, dass sich die Bücher nicht verkaufen, schiebt er den beiden Autorinnen zu. Sie würden halt nicht genug Werbung machen. Andere Bücher würden sehr gut laufen. Er verkaufe jährlich in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich «Zehntausende Bücher». Die meisten Autoren seien hochzufrieden. Gut laufe zum Beispiel das Werk mit dem Titel «Hat die Demokratie Immer mehr Protestwahlen Wie ist die Demokratie noch zu retten? noch eine Zukunft?», für das alt Bundesrat Kaspar Villiger das Vorwort schrieb.

Eine Anfrage bei einem Branchendienst, der für die Zusammenstellung von Bestsellerlisten den Buchmarkt überwacht, ergibt ein etwas anderes Bild: Das Buch ging seit dem Erscheinen nur ein paar Dutzend Mal über den Ladentisch. In den Schweizer Buchhandlungen ist die Literaturgesellschaft denn auch quasi inexistent: Ihr Marktanteil bewegt sich gemäss Branchendienst bei 0,01 Prozent.

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