Letterdata fordert Geld für angebliche Schulden
Beim Beobachter-Beratungszentrum melden sich derzeit Dutzende, weil die Inkassofirma Letterdata Geld für eine angebliche Rechnungen einfordert. Eine von ihnen ist eine 83-jährige St. Gallerin – sie hat richtig reagiert.

Veröffentlicht am 18. August 2026 - 16:50 Uhr

Die Hongkonger Firma Margot Brands Limited will Geld. Expertinnen warnen.
Als Regina Stäuble den Brief der Inkassofirma Letterdata öffnet, wird ihr angst und bange: «Meine erste Reaktion auf das professionell wirkende Schreiben war pure Panik», sagt die 83-jährige St. Gallerin, die in Wirklichkeit anders heisst.
820 Franken soll sie innerhalb von zehn Tagen zahlen – für ein angebliches Online-Abo bei der Firma Margot Brands Limited. Stäuble kennt diese Firma nicht. «Trotzdem war ich total verunsichert. Was, wenn ich versehentlich irgendwo den falschen Knopf gedrückt habe?» Ihre Söhne raten ihr, nicht zu zahlen. Im Falle einer Betreibung könne sie immer noch Rechtsvorschlag erheben und den Zahlungsbefehl bestreiten. Stäuble befolgt den Rat.
Damit handelt sie richtig, wie die Experten beim Beobachter-Beratungszentrum bestätigen. «Wenn man sich überhaupt nicht erinnert, ob man online etwas bestellt hat, dann hat man meistens auch nichts bestellt», sagt Beobachter-Rechtsexpertin Stefanie Barra. «Denn online kommt nur dann ein Vertrag zustande, wenn klar ist, was und zu welchem Preis man kauft – und dafür auf einen speziellen Button klickt.» So schreibt es die sogenannte Button-Lösung vor.
Wer unsicher ist, sollte nachfragen und die Forderung bestreiten – am besten per Mail. «Man kann sich auch auf der Warnliste des Beobachters oder zusätzlich beim Bundesamt für Cybersicherheit informieren. Dieses warnt auf seiner Homepage vor den aktuellen Betrugsmaschen», so Barra.
Keine Links öffnen – und nichts zahlen
Und tatsächlich: Zur Firma Margot Brands Limited aus Hongkong existiert ein Eintrag – im Zusammenhang mit den angeblich angebotenen Onlinediensten namens SwissNovaChat und SwissNovaCare. Das Bundesamt rät, keine Links zu öffnen und nichts zu zahlen. Auch für Rechtsexpertin Barra ist somit klar: «Zahlen Sie keine Forderungen von Margot Brands Limited!»
Letterdata, das auch das Inkasso für die umstrittenen Obligo-Forderungen übernimmt, über die der Beobachter schon mehrfach berichtete, schickt Regina Stäuble noch zwei Mahnungen und eine «Letzte Mahnung». «Es ist üblich, dass Mahnungen verschickt werden. Nicht selten wird der Betrag schrittweise immer höher, um Druck auszuüben», so Barra.
«Als Inkassofirma sind wir nicht verpflichtet, jeden einzelnen Vertragsschluss auf seine Richtigkeit zu überprüfen», sagt Letterdata-Geschäftsführer René Weber zum Beobachter. Man lasse sich vom Kunden aber den Ablauf des Vertragsschlusses erklären. «Im vorliegenden Fall konnte uns der Kunde mehr als glaubhaft aufzeigen, dass Konsumentinnen x-mal ihre Zustimmung geben mussten, damit der Vertrag zustande kommt.» Auf die Behauptungen im Artikel könne man nicht eingehen, man sei aber bereit, konkrete Fälle zu überprüfen.
Regina Stäuble hat bis heute nichts bezahlt – bislang ohne Folgen: «Ich bin froh über jeden Betrugsfall, der mit diesem Artikel verhindert werden kann.»
Haben Sie ebenfalls eine Zahlungsaufforderung von Letterdata erhalten? Melden Sie sich bei uns und schicken Sie uns Ihre Unterlagen an redaktion@beobachter.ch.
- Bundesamt für Cybersicherheit: Meldung vom 1. Juli 2026




