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Meet-my-life.netWenn man im Internet der böse Onkel ist

Auf Meet-my-life.net kann jeder seine Familiengeschichte veröffentlichen. Und dabei auch heftig mit Verwandten abrechnen.

Die Betreiber von Meet-my-life.net zeigten sich überrascht, als sie mit dem Fall von Rolf Keller* konfrontiert wurden.
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aktualisiert am 30. August 2018

Rolf Keller* entdeckte im Internet zufällig die Geschichte seiner Familie – samt Namen und intimen Details. Zudem hiess es da auf Meet-my-life.net, er sei aggressiv, habe eine provokative Art und habe sich immer wieder unanständig verhalten. Auf der nicht kommerziellen Website kann jedermann seine Lebensgeschichte erzählen und bebildern. Und alle können sie gratis und ohne Registrierung lesen. Das kommt nicht immer gut an.

In den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) heisst es zwar: «Hat Meet-my-life.net Kenntnis von Verletzung von zwingendem schweizerischem Recht oder von Verstössen gegen die ethischen Standards von Meet-my-life.net, kann sie die Entfernung solcher Texte verlangen oder die entsprechenden Texte löschen.»

«Keine Rufschädigung»

Doch als Rolf Keller einen Lösungsvorschlag verlangte, verwiesen ihn die Website-Betreiber an den Autor. Vertraglich sei festgehalten, dass Meet-my-life.net jegliche Haftung für die Verletzung von Persönlichkeitsrechten Recht am eigenen Bild Keine Einwilligung, kein Foto! ablehne. Die Betreiber behaupten, Rufschädigung Ehrverletzung Wir sehen uns vor Gericht! leiste man nicht Vorschub. Es sei aber jedermann erlaubt, die Wahrheit zu schreiben.

Doch so einfach ist es nicht. Wer eine Site als Plattform zur Verfügung stellt, auf der jedermann Texte veröffentlichen kann, trägt als sogenannter Host Provider eine Mitverantwortung für persönlichkeitsverletzende Äusserungen. Solche Beiträge müssen entfernt oder geändert werden, sobald der Betreiber Kenntnis davon erhält.

Hinzu kommt: Gemäss EU-Datenschutzverordnung DSGVO Das bringt Ihnen das neue EU-Datenschutzgesetz dürfen die Betreiber einer Site personenbezogene Daten wie Namen und Adressen nur mit Einwilligung der Betroffenen veröffentlichen. Sie gilt genauso für Schweizer Websites, sobald sie ihre Dienstleistung auch EU-Bürgern anbieten oder deren Daten verarbeiten oder verbreiten.

Staunen beim Betreiber

Erich Bohli, Gründer von Meet-my-life.net, zeigt sich überrascht. Noch nie sei er mit einem solchen Fall konfrontiert worden. Er rät, dass sich Betroffene zuerst an den Autor wenden. Wenn der sich weigere, Änderungen vorzunehmen, könne man an Meet-my-life.net gelangen.

Rechtlich geht es auch einfacher: Wer in seinen Persönlichkeits- oder Datenschutzrechten verletzt wird, kann die Löschung Persönliche Daten So löschen Sie Ihre Spuren bei Google oder Anonymisierung jederzeit direkt beim Betreiber der Website verlangen. Das will Rolf Keller jetzt auch tun. Denn auf eine Auseinandersetzung mit dem Verfasser des Texts hat er keine Lust.

 

*Name geändert

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Jasmine Helbling, Online-Redaktorin

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