Ciril Kammermann ist hocherfreut: Endlich gibt es freies Internet auf seiner täglichen Pendlerstrecke von Solothurn nach Aarau. Dafür wechselt er sogar seine Prepaid-Simkarte von Swisscom zu Salt. Denn beim Testlauf für die App «Freesurf», die das Surfen im Zug erst möglich macht, sind nur Salt und Sunrise an Bord. Swisscom hatte vorerst kein Interesse gezeigt. Der Test ist auf ein Jahr befristet und soll gemäss SBB-Website Aufschluss über «Akzeptanz und Resonanz bei den Reisenden» liefern.

Die Resonanz wird sich voraussichtlich im Rahmen halten – selbst bei denen, die als Salt- oder Sunrise-Kunden das Angebot testen könnten. Denn ein Viertel der Sunrise-Kunden hat eine Prepaid-Karte, bei Salt sind es sogar ein Drittel. Für sie ist «Freesurf» keineswegs gratis, wie Kammermann feststellen musste.

Jeden Tag 2 Franken fürs Einloggen

Seine Anfangseuphorie war verflogen, als er merkte, dass für das Einloggen in die App bereits eine Internetverbindung benötigt wird. Für diese fallen als Prepaid-Kunde bei Salt Salt Über 300 Franken für die «kostenlose» Hotline täglich 2 Franken Grundgebühr an, bei Sunrise gar 2.50. Das «Gratisinternet» der SBB kostet für einen Pendler wie Kammermann mindestens 40 Franken monatlich – ähnlich viel wie die günstigsten Flatrate-Abos.

Die SBB ist sich des Problems mit den Prepaidkarten bewusst: «Wo gratis draufsteht, muss auch gratis drin sein. Darum arbeiten wir eng mit den Providern Salt und Sunrise zusammen, um eine Lösung zu finden.» Prepaid-Kunden, denen Kosten entstanden sind, verweisen sie in der Zwischenzeit an Sunrise und Salt. Auch Kammermann hat sein Geld inzwischen zurückerhalten. Zufrieden ist er trotzdem erst, wenn das Surfen im Zug tatsächlich gratis ist.

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Matthias Pflume, Textchef Digital

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