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Sexuelle ÜbergriffeTripadvisor zensierte Hotel-Warnungen

Tripadvisor hat jahrelang Berichte von Touristinnen zensiert, die in Hotels in Mexiko sexuell belästigt wurden. Wie gehen Schweizer Reiseanbieter damit um?

Der Schein trügt: Bei einzelnen Hotels in Mexiko erscheint auf Tripadvisor neuerdings eine Warnung.
von aktualisiert am 23. November 2017

Bei Tripadvisor sorgte die Netiquette jahrelang dafür, dass sexuelle Übergriffe in Hotels nicht publik wurden. Etwa die Geschichte der Amerikanerin Kristie Love: 2010 macht sie Ferien an der Playa del Carmen in Mexiko. Eines Abends vergewaltigt ein Angestellter des Hotel-Sicherheitsdienstes die 28-Jährige. An der Réception weigert man sich, die Polizei zu benachrichtigen. Zurück in Dallas, will Love andere Touristinnen vor dem Resort warnen, doch Tripadvisor löscht ihren Eintrag im Forum. Grund: Loves Wortwahl entspreche nicht der familienfreundlichen Firmenpolitik. Die Zeitung «Milwaukee Journal Sentinel», die den Fall publik machte, berichtet von mindestens zwei weiteren Frauen, die nach 2010 in besagtem Hotel vergewaltigt worden seien.

Neuer Warnstempel

Die aktuelle Debatte über sexuelle Übergriffe zwang Tripadvisor zum Umdenken. Die Profile problematischer Hotels sind nun mit einem Stempel versehen. Rot eingerahmt steht: «Tripadvisor wurde auf aktuelle Medienberichte oder Ereignisse aufmerksam gemacht, die dieses Unternehmen betreffen und die möglicherweise nicht in den Bewertungen widergespiegelt werden.» Man habe erkannt, dass die frühere Auslegung der Richtlinie zu eng war, heisst es in einer Mitteilung. «Wir sind geschockt darüber, was dem Opfer widerfahren ist, und sind der Meinung, andere Reisende sollten von diesem Vorfall wissen.» Der Forumseintrag von Kristie Love ist seither wieder online, chronologisch eingebettet zwischen anderen sieben Jahre alten Reiseberichten. Laut Tripadvisor wurden bisher die drei mexikanischen Hotels Grand Velas Riviera Maya, Iberostar Paraíso Maya und Iberostar Paraíso Lindo mit dem neuen Hinweis versehen. «Wir gehen damit nicht leichtfertig um», sagt Sprecherin Susanne Nguyen dem Beobachter. Ob vor einer Destination gewarnt werde, entscheide ein internes Gremium.

Hinweis von Tripadvisor
So weist Tripadvisor auf beanstandete Hotels hin.

«Wir wollen informieren, nicht bestrafen»

Auf das Ranking hat der Stempel keinen Einfluss. Anders als Manipulation mit gekauften Lobeshymnen führt sexuelle Belästigung durch Angestellte nicht zum Absturz eines Hotels im Algorithmus. Tripadvisor: «Wir wollen informieren, nicht bestrafen.» Die drei Hotels in Mexiko sind auch bei Schweizer Reisenden beliebt. Viele Anbieter führen sie auf ihren Onlineplattformen. So etwa Knecht Reisen, deren Sprecherin sagt: «Unsere Verkaufsmitarbeiter sind angehalten, Interessenten auf die angesprochene Problematik hinzuweisen.» Kuoni hat die Unterkünfte aus dem Katalog gestrichen. Auch Hotelplan reagiert: Seine Systeme lassen seit ein paar Tagen keine entsprechenden Buchungen mehr zu. «Wir empfehlen momentan unseren Kunden, ihre Ferien nicht dort zu verbringen», sagt Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir.

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1 Kommentar

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hansullli
Meine Frage. Wurden die Fälle von der Polizei nun untersucht, wurden Schuldige gefunden und verurteilt? Oder ist das einfach nur ein Racheakt von enttäuschten Gästen? Wenn sie schon über so etwas berichten, bitte vollständig. Sonst bekommt man den Eindruck hier soll nur ein Bewertungsportal schlecht gemacht werden. Es reicht eben nicht einfach nur Beschuldigungen zu erheben.
petera
Guten Tag Hansulli, meines Wissens gab es bislang keine Ermittlungen im Fall Kristie Love. Sie sagt, sie habe ein paar Wochen nach dem Vorfall in Mexiko eine Anzeige gemacht, die Hotelverantwortlichen hätten jedoch nicht mit den Behörden kooperieren wollen. Die ganze Recherche des Sentinels finden Sie hier: https://www.jsonline.com/topic/41b67c47-15c8-43ee-97f8-600306dc19bc/
hansullli
Danke petera. Wenn man diese Berichte sieht, muss man sagen, dass sieht nach einem Feldzug gegen Mexikanische Urlaubsressorts ohne irgend welchen Beweise aus. Dort berichten angebliche Opfer von "Blackouts" die sie in verschiedenen Ressorts hatten und Alkohol der wohl "verdorben" war und angeblichen Vergewaltigungen, Überfällen und Diebstahl. US-Bürger sind dafür bekannt keinen Alkohol zu vertragen. Das würde die "Blackouts" erklären. Von keinem Fall wird ein Urteil oder über eine Untersuchung berichtet. Nicht von den US-Behörden (das ginge ja auch) noch von den Mexikanischen Behörden. Es wird so getan als wollten die Mexikanischen Behörden nicht untersuchen. Das heisst sie werfen nicht nur den Ressorts kriminelle Absichten vor oder die Deckung von kriminellen Taten, sondern auch der Mexikanischen Polizei, Justiz und den anderen Behörden. Was wohl ein noch grösserer Skandal wäre. Aber keiner von den US-Bürgern hat in den USA einen Prozess begonnen noch durchgeführt. Von Urteilen konnte ich nichts finden. Denn natürlich kann man dazu auch in den USA einen Prozess führen, wenn man Beweise und Zeugen hat. Aber auch davon ist nichts zu lesen. Die Beiträge stammen auch fast alle aus der gleichen Zeitschrift. Nur eine andere hat diese Beiträge auch übernommen, Breitbart News, das rechtslastigste Blatt in den USA überhaupt. Lesen Sie mal die ethischen Regeln dieser Zeitung (http://static.jsonline.com/ethical-conduct/). Die wurden aber sicher nicht eingehalten.
petera
Auch die New York Times hat berichtet: https://www.nytimes.com/2017/11/02/travel/trip-advisor-rape-mexico.html