Ich habe alles erreicht im Leben. Meine beruflichen Ziele konnte ich früh realisieren, meine Lebenspartnerin ist auch meine beste Freundin und Geschäftspartnerin. Ich habe eine Mietwohnung in der Zürcher Innenstadt und besitze noch alle Zähne. Kurz, es läuft bei mir.

Doch Wohlstand macht träge. Wenn man sich für nichts mehr anstrengen muss, bleibt auch die Leidenschaft auf der Strecke. Deshalb haben wir uns für den ultimativen Kick entschieden – Ferien mit Kind. Eine Extremsportart, aufregender als Schwertschlucken und gefährlicher als Riverrafting.

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Das Abenteuer beginnt eine Woche vor der Abreise. Wenn die Panik langsam in den Alltag sickert, man verzweifelt drei Arbeitswochen in eine stopft und sein Umfeld darauf vorbereitet, dass man bald nicht mehr erreichbar ist. Übernächtigt verfasse ich meine Abwesenheitsnotiz, und es fühlt sich an wie ein Testament.

Am Flughafenzoll lasse ich nicht nur alle Flüssigkeiten zurück, sondern auch mein Selbstwertgefühl. «Was ist der Grund Ihrer Reise? Arbeit oder Vergnügen?» Ich antworte: «Ferien mit Kind.» Die Zollbeamtin nickt bedächtig und winkt mich weiter.

Wir lassen die Routine hinter uns und starten eine Reise ins Ungewisse. Wird uns die Tochter schlafen lassen – oder bleibt sie, gebeutelt vom Jetlag, die ganze Nacht wach? Lernt sie die lokale Cuisine zu schätzen oder macht sie einen spontanen Hungerstreik? Sicher ist nur, dass jemand von uns Magenprobleme bekommen wird. Aber wen von uns trifft die gastroenterologische Tombola zuerst? Nervenkitzel pur.

Schnell lernen wir exotische Gesundheitssysteme kennen. Wenn ein Besuch in der Notaufnahme so viel kostet wie ein Kleinwagen, ist der Husten der Tochter gleich weniger schlimm. Vielleicht hat die Kleine ja auch gar kein Fieber, sondern leidet nur an der Hitzewelle. Statt zum Kinderarzt fahren wir zum Glacestand.

Nachts, wenn die Tochter dann endlich schläft, schreibe ich sehnsüchtige Nachrichten an die Freunde zu Hause im Büro. Sie erzählen mir vom Regen und von Teamsitzungen, und ich träume von der Heimat.

Nach drei Wochen ist der Spuk vorbei. Wir haben erfolgreich Erinnerungen gemacht und Beweismaterial produziert. Wir sind als Familie an den Rand des Wahnsinns gereist und haben dort Pommes frites gegessen. Die Tochter hatte Spass, und wir haben überlebt. Was will man mehr?

Wer sich noch unsicher ist und «Ferien mit Kind» zuerst testen will, kann das zu Hause machen. Einfach eine Reisedoku am Fernseher einschalten und alle fünf Sekunden laut «SCHNUDDER!» schreien. Schon macht sich Ferienstimmung breit.

Meine Bewertung für Ferien mit Kind: ★★☆☆☆

Zur Person
Patrick «Karpi» Karpiczenko