Liebe Leserin, lieber Leser

Ich traute den Belegen auf meinem Tisch kaum, die mir ein Informant zur Verfügung gestellt hatte: Einige Ärzte kauften medizinisches Verbrauchsmaterial zu völlig überhöhten Preisen bei Scheinfirmen ein – betrieben ausgerechnet von ihren eigenen Ehefrauen. Die Rechnungen reichten sie direkt an die Krankenkassen weiter und kassierten die Differenz ein. 

Ich konnte es nicht glauben. Dabei kannte ich das ganze Ausmass noch gar nicht. Erst nachdem der Beobachter darüber berichtet hatte, überprüften mehrere Krankenversicherer die Praktiken. Das Ergebnis: Die Ärzte hatten rund 2,6 Millionen Franken zu viel verrechnet. Mehrere Verfahren wurden eingeleitet. 

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Seit dieser Recherche schaue ich auf steigende Krankenkassenprämien mit anderen Augen. Mir wurde klar: Die stetig steigenden Gesundheitskosten fallen nicht einfach vom Himmel. Sie sind allzu oft das direkte Resultat von Intransparenz und falschen Anreizen im System. Wenn mir Betroffene solche Tricksereien schildern, sehe ich es als meine journalistische Pflicht an, sie öffentlich zu machen. 

Das Gesundheitswesen soll für alle bezahlbar bleiben. Darum setzen wir uns auch politisch für mehr Transparenz ein. Im April haben wir unsere Prämien-Petition mit fast 50’000 Unterschriften dem Parlament übergeben. Damit wehren wir uns aktiv gegen Geheimverhandlungen zwischen den Leistungserbringern und den Krankenkassen und fordern mehr Mitspracherecht für die Prämienzahlenden.

Recherchen wie meine kosten Zeit. Oft Wochen oder Monate. Aber sie lohnen sich. Denn nur wenn Missstände sichtbar werden, kann sich etwas verändern. Dass wir das schaffen, verdanken wir auch unseren Abonnentinnen und Abonnenten.

Gian Signorell, Recherchejournalist