Die Schweiz liegt mit einer Recyclingquote von 84 Prozent im Jahr 2024 über dem EU-Durchschnitt von 60 Prozent. Die Branche rühmt sich modernster Recyclingverfahren und des dichtesten Sammelstellennetzes der Welt. Ein Bericht der «NZZ» rückt nun einen privaten Feldversuch in den Fokus, der Fragen zum PET-Recycling in der Schweiz aufwirft.

Ein Luzerner Unternehmen stattete im letzten Sommer 120 leere PET-Flaschen mit Airtags von Apple aus und entsorgte sie schweizweit an Sammelstellen. Die Firma verfolgte die Flaschen über Bluetooth, um den tatsächlichen Weg des Plastikmülls digital sichtbar zu machen.

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Verbrannt statt recycelt

Das ernüchternde Ergebnis des Feldversuchs: Mehr als jede vierte Flasche landete auf Müllverbrennungsanlagen, in Zementwerken oder im Ausland. Nur knapp mehr als die Hälfte (55 Prozent) der PET-Flaschen landete in einer Sortier- oder Recyclinganlage. 13 Prozent der mit Airtags versehenen Flaschen befinden sich noch in Lagern.

Gemäss PET-Recycling Schweiz sind eigentlich nur zwei Wege für das Sammelgut vorgesehen: Aus dem Sammelgut sollen entweder neue Flaschen oder Textilien und andere Kunststoffprodukte entstehen. Das nicht repräsentative Experiment zeigt jedoch ein anderes Bild.

Grosse Kritik am Experiment

Der Feldversuch stösst auf Widerstand bei den offiziellen Stellen, die die Aussagekraft der Daten stark anzweifeln. Der Branchenverband spricht von grossen Sicherheitsrisiken, denn Batterien im Presswerk sind gefährlich. Sie können sich auf Hunderte Grad erhitzen und Brände auslösen.

Auch das Bundesamt für Umwelt (Bafu) schreibt dem Versuch keine Bedeutung zu. Angesichts von jährlich über einer Milliarde gesammelter PET-Flaschen in der Schweiz sei eine Stichprobe von nur 120 Einheiten schlicht nicht repräsentativ. 

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Airtags wurden nicht entfernt

PET-Recycling Schweiz weist darauf hin, dass Fremdstoffe im Prozess entfernt und Metallelemente magnetisch ausgesondert würden, die Ergebnisse seien deshalb «ohne Aussagekraft». Dennoch empfing das Unternehmen Signale bis zu den Verbrennungsanlagen. Also auch noch nachdem die Flaschen kontrolliert und gepresst worden waren.

Hinter dem Feldversuch stehen der Unternehmer Sven Erni und seine Firma Impact Acoustic. Das Luzerner Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, aus rezyklierten PET-Flaschen Akustikelemente wie Deckenverkleidungen und Raumtrenner für Grossraumbüros herzustellen. Erni, der sich ebenso als Unternehmer wie als Umweltaktivist versteht, wollte mit der Aktion zeigen, dass das aktuelle System seiner Meinung nach die Versprechen einer echten Kreislaufwirtschaft noch nicht einlösen kann.