Allein in Deutschland werden jährlich 2,8 Milliarden Einwegbecher gebraucht und weggeworfen. Für die Pappbecher müssen 43'000 Bäume gefällt werden. Zudem braucht es 1,5 Milliarden Liter Wasser, um die Pappe herzustellen. Das zeigen Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe.

Kennt man das Ausmass des Ressourcen-Verbrauchs und kauft man sich mal einen Kaffee in einem Einwegbecher Einweggeschirr Bio kaum besser als Plastik , beschleicht einen das schlechte Gewissen. Doch sind Mehrwegbecher die ökologischere Alternative? Was bringen sie wirklich?

Bei der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) gibt es keine Untersuchungen dazu. Und bei anderen Schweizer Firmen, die Ökobilanzen erstellen, sind die Berechnungen nicht öffentlich zugänglich.

Einweg versus Mehrweg

Das deutsche Umweltbundesamt veröffentlichte jedoch dieses Jahr eine Ökobilanz-Studie zum Gebrauch von Ein- und Mehrwegbechern. Dabei wurden Einwegbecher (aus kunststoffbeschichtetem Papier sowie solche aus dem Kunststoff Polystyrol) mit zwei Mehrwegsystemen verglichen: privat mitgebrachte Mehrwegbecher – wobei nicht genauer auf ihr Material eingegangen wurde – und solche aus dem Kunststoff Polypropylen, welche von Betrieben (Cafés oder anderen) angeboten werden.

Die Studie kam zum Schluss, dass Mehrweglösungen dann einen positiven Effekt auf die Umwelt haben, wenn man sie über 25 Mal braucht. Neben der Benutzung beeinflusst auch der Abwasch die Umlaufzahl. Wichtig ist dabei der Strom, mit dem die Spülmaschine betrieben wird. Handelt es sich um Ökostrom Solarenergie fürs Eigenheim Strom von der Sonne anzapfen , reichen schon 10 anstatt 25 Umläufe, damit die Mehrwegbecher besser abschneiden als Einwegbecher.

Da der Schweizer Strommix einen grossen Teil an Wasserkraft hat und CO2-ärmer ist als der deutsche, braucht ein Mehrwegbecher weniger Umläufe, um einen positiven Umwelteffekt zu haben.
 

Wer öfters ein Heissgetränk unterwegs trinkt, sollte auf Mehrwegbecher umsteigen.


Dennoch zahlt es sich aus, den eigenen Mehrwegbecher möglichst häufig zu brauchen: Bei über 50 Mal sei die Belastung durch Herstellung und Entsorgung nicht mehr relevant, so die Studie. Wer also öfters Heissgetränke unterwegs trinkt, sollte auf Mehrwegbecher umsteigen.

Ein Beispiel für ein flächendeckendes Mehrwegsystem ist der «FreiburgCup», den die Stadt 2016 ins Leben rief: Es war das erste Mehrwegbecherpfandsystem in einer deutschen Grosstadt. Heute sind über 100 Cafés beteiligt. Problematisch war anfangs jedoch, dass es zu den Mehrwegbechern Einwegdeckel gab. Diese Kombination schnitt im Vergleich des Umweltbundesamts am schlechtesten ab. Seit 2019 ist aber ein Mehrwegdeckel erhältlich – den jeder Benutzer für sich behält und abwäscht, im Gegensatz zu den Bechern.

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Unterschiedliche Materialien

Möchte man einen Mehrwegbecher kaufen, fällt einem die Entscheidung nicht allzu leicht. Die Becher sind in verschiedenen Materialien erhältlich. Für den Kontakt mit Lebensmitteln sind solche aus Glas, Porzellan, Edelstahl und dem Kunststoff Polypropylen geeignet.

Doch auch hier fehlen allgemeine Studien, die die verschiedenen Mehrwegbecher miteinander vergleichen. Das deutsche Umweltbundesamt meint hingegen, dass der Abwasch stärker ins Gewicht falle als das Material des Bechers.

Hier eine Übersicht über die verschiedenen Becherarten:
 

  • Glas
    Eine australische Umwelt-Beratungsfirma führte eine Untersuchung durch, bei dem Papier-Einwegbecher mit Mehrwegbecher aus Polypropylen und Bambus verglichen wurden. Die Untersuchung wurde vom Mehrbewegbecher-Hersteller «KeepCup» in Auftrag gegeben. Die Studie zeigte, dass «KeepCups» aus Glas einen höheren CO2-Fussabdruck und Energieverbrauch haben als solche aus Polypropylen. Um die energieintensive Glasherstellung herauszuholen, braucht es also eine entsprechende Umlaufzahl. Bei Bechern aus Glas bestehe aber das Potenzial, Altglas zu verwenden.
     
  • Polypropylen
    Die Datenlage zu den ökologischen Auswirkungen von Polypropylen ist klein. Wenig auszusetzen hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: «Es spricht nichts gegen Mehrweg-Becher aus Polypropylen.» Aus gesundheitlicher Sicht gibt es keine Bedenken, dass es der Kunststoff Schadstoffe in das Getränk lässt, da es für die Herstellung von Polypropylen keine Weichmacher braucht.
     
  • Edelstahl
    Studien zu Mehrwegbechern aus Edelstahl gibt es keine. Positiv ist, dass das Metall rezyklierbar ist. Weiter kann man annehmen, dass die hohe Energieintensität, die es für die Herstellung braucht, sich nach einer gewissen Nutzungszeit relativiert.
     
  • Porzellan
    Das Unternehmen «CupCycle», welches Mehrwegbecher und -Systeme für den Kaffee unterwegs entwickelt, rät vom Gebrauch von Porzellan-Bechern für unterwegs ab. Die Umweltauswirkungen der Becher neutralisierten sich erst nach über 1000 Nutzungen, so das Unternehmen. «CupCycle» begründet die hohe Umlaufzahl mit dem hohen Wasserverbrauch bei der Herstellung. Da Porzellan-Becher zerbrechlich sind, sei es fraglich, ob sie eine so hohe Umlaufzahl erleben.
     

Für die Umweltbewertung ausschlaggebend ist auch das Material der Bechermanschette, die verhindert, dass man sich am heissen Getränk verbrennt.

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Die Silikon-Manschette schneidet gleich doppelt schlecht ab: Im Gegensatz zu Polypropylen könne sie nicht recycelt werden und habe einen grösseren CO2-Fussabdruck als diejenige aus Kork, zeigen Studien.

Die trendigen Kaffeebecher

Wird natürliches Material zu Mehrwegbechern verarbeitet, treten neue Probleme auf, wie eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt. Sie testete diesen Sommer zwölf unterschiedliche Bambusbecher. Ihr Ergebnis: «Lassen Sie die Finger weg von Bambusbechern.»

Die Becher würden als biologisch abbaubar angepriesen – seien es aber nicht immer. Häufig würden die Hersteller Kunststoff als Klebstoff verwenden, oft sei es Melaminharz. Dadurch könne man das Produkt – entgegen dem Versprechen vieler Hersteller – nicht mehr recyceln. Einzig «energetisches Recycling» sei noch möglich, das heisst, verbrennen.

Durch die Wärme und Säure von Getränken wie Kaffee können Schadstoffe des Melaminharzes in die Flüssigkeit gelangen – was wiederum der Gesundheit schaden könne.

Weniger Ressourcen brauchen: der Inhalt ist entscheidend

Doch die Diskussion um die Becherwahl zielt am eigentlichen Problem vorbei. Thomas Kägi, Ökobilanzexperte der Umweltberatungs-Firma Carbotech erklärt: «Ob man Einwegbecher oder Mehrwegbecher aus Bambus, Glas oder anderem Material verwendet, beeinflusst den eigenen Fussabdruck nur gering.»

Entscheidender sei, dass man weniger konsumiere. Trinkt man also einen Kaffee weniger pro Tag, ist der Einfluss auf die Umwelt viel grösser – da Kaffee umweltbelastender ist als die Verpackung Ökobilanz von Getränkeverpackungen Dose, Flasche oder doch Karton? .

«Suffizienz» Suffizienz Weniger ist mehr lautet das Stichwort: Das heisst, mit weniger Ressourcen ebenso zufrieden leben – oder sogar glücklicher. Doch das Problem der Genügsamkeit sei, dass sie nicht ins ökonomische System passe, meint Kägi. Bei seiner Arbeit habe er gemerkt, dass es nicht einfach sei, das Thema an die Leute zu bringen.
 

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«Genügsamkeit passt nicht ins ökonomische System.»

Thomas Kägi, Ökobilanzexperte


Studien zufolge hat die Ernährung mit 30 Prozent den grössten Anteil an der Gesamtumweltbelastung unseres Konsums – noch vor den Bereichen Wohnen und Mobilität.

Somit besteht bei der Ernährung das grösste Reduktionspotenzial für einen suffizienten Lebensstil. Eine Studie von Niels Jungbluth, Geschäftsführer der Umweltberatungs-Firma ESU-services zeigt: Isst man vegetarisch und verzichtet auf Alkohol, Schokolade und Kaffee, kann man die Umweltbelastung am stärksten reduzieren.

«Man konzentriert sich gerne auf einfache Lösungen»

Henrik Nordborg, Professor für Physik an der Hochschule für Technik Rapperswil, hält einen Konsumstreik für wichtig, um den ökologischen Fussabdruck zu reduzieren. «Der letzte IPCC-Bericht fordert zur Begrenzung der Erderwärmung auf weniger als + 1.5°C eine Halbierung der CO2-Emission in 10 Jahren Nach neuem Weltklimabericht «Wir müssen alles tun, was wir tun können» . Dieses Ziel kann praktisch nur durch Konsumverzicht erreicht werden, da die Energieversorgung der Gesellschaft nicht so schnell umgebaut werden kann.»

Mit einem Strohhalm aus Papier die Welt retten zu wollen, wäre falsch, sagt Kägi. Dieser Ansicht schliesst sich Nordborg an: «Man darf das Gewissen Umweltbewusst leben «Der Vergleich mit anderen ist sehr wirksam» nicht mit Pseudomassnahmen beruhigen.»

Thomas Kägi verweist auf die kostenpflichtigen Plastiksäckchen Kreislaufwirtschaft So soll der Abfallberg verschwinden in Migros und Coop. Plastiksäcke zu reduzieren sei nicht falsch, jedoch würde es viel mehr bringen, wenn man als Konsument mehr auf den Inhalt des Einkaufs schaue. «Man konzentriert sich gerne auf einfache Lösungen, die nicht weh tun und das Gefühl geben, etwas zu tun.»

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Sarah Käser, Online-Redaktorin

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