Energieeffiziente Gebäude gelten immer noch als teuer. Vor allem Grossinvestoren scheuen die anfänglichen Mehrkosten. Eine Studie der Zürcher Kantonalbank (ZKB) und der Universität Zürich sowie eine Studie des Bundesamts für Energie (BFE) kommen aber zum Schluss, dass sich der Minergie- und sogar der Minergie-P-Standard bei langfristiger Betrachtung meist rechnen. Allein durch die Heizkostenersparnis amortisiert sich der Mehrpreis für ein Gebäude nach Minergie-Standard aber nur dann, wenn die Energiepreise stark ansteigen.

Die Studien berücksichtigen allerdings noch nicht die Einführung der revidierten Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich, Ausgabe 2008, kurz «Muken» genannt. Die Umsetzung der Vorschriften wird den Heizwärmebedarf von herkömmlichen Gebäuden jenem von Minergie-Bauten angleichen. Die Muken limitieren den Energieaufwand für Heizung und Aufbereitung von Warmwasser in einem Wohngebäude auf umgerechnet 4,8 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr. Der Grenzwert von Minergie liegt bei 3,8 Litern, der von Minergie-P bei drei Litern. Da sich mit den neuen Vorschriften die Baukosten für herkömmlich gebaute Gebäude erhöhen, ist Minergie auch rein wirtschaftlich betrachtet konkurrenzfähig.

Dies gilt spätestens ab 2011 für die ganze Schweiz, wenn die revidierten Mustervorschriften in allen Kantonen verbindlich in Kraft gesetzt sind. Der Mehrpreis für ein Minergie-Gebäude kommt dann hauptsächlich noch durch den Einbau der Lüftungsanlage zustande. Zwar deckt deren Energieersparnis die Mehrkosten kaum, trotzdem scheinen sich Minergie-Bauten langfristig zu rechnen. «Unsere Studie zeigt, dass Minergie-Bauten um etwa sieben Prozent höhere Verkaufspreise erzielen als Gebäude, die nach herkömmlichen Vorschriften gebaut wurden», sagt Erika Meins von der Universität Zürich. Sie war massgeblich an der ZKB-Studie «Minergie macht sich bezahlt» beteiligt und betont, dass bei der Rentabilitätsrechnung von Minergie zusätzliche Faktoren mit einbezogen werden müssen.

Eine Lüftungsanlage bringe eben nicht nur mehr Komfort und gesundheitliche Vorteile für Allergiker. Sie ermögliche dank optimalem Schallschutz, auch an weniger günstigen Lagen hochwertigen Wohnraum zu schaffen. «Der Komfortgewinn lässt sich allerdings nicht in Franken und Rappen beziffern», sagt Meins.

Noch schwieriger zu berechnen ist, ob sich der Baustandard Minergie-P wirtschaftlich lohnt. Ein Minergie-P-Gebäude ist zwar nur etwa zehn Prozent teurer als eines, das die minimalen gesetzlichen Vorschriften erfüllt – dies allerdings nur, wenn alle Grundsätze des energiegerechten Planens wie zum Beispiel eine kompakte Gebäudehülle berücksichtigt werden. Denn die Mehrkosten sind stark von der Architektur eines Gebäudes abhängig.

Beitrag zum Klimaschutz

Die Studie «Die Wirkungen von Muken, Minergie und Minergie-P» des Bundesamts für Energie zeigt ein ähnliches Bild wie diejenige der ZKB. Gemäss den Ergebnissen rechnet sich die Investition in die zusätzliche Wärmedämmung erst etwa ab einer Vervierfachung der heutigen Energiepreise – sofern man nur die Heizkostenersparnis berücksichtigt. Die Studienbetreiber sehen in Minergie-P deshalb vor allem den Vorteil einer «Versicherung gegen hohe Energiepreise» und einen Beitrag zum Klimaschutz. Minergie-P-Gebäude seien voll auf die Zukunft ausgerichtet, Hauseigentümer könnten mit relativ fixen Kosten über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes rechnen.

Ein Blick auf den Markt für Eigenheime zeigt: Die meisten Objekte sind Altbauten, und die Geister scheiden sich in der Frage, ob sich bei diesen eine Minergie-Sanierung lohne. Studien dazu gibt es noch keine. Wie hoch die Mehrkosten sind, zeigen aber die Erhebungen von Architekt Werner Setz aus dem aargauischen Dintikon, der auf Minergie-Neubauten und -Sanierungen spezialisiert ist.
Bei Sanierungen rechnet er mit einem Aufpreis von rund 40'000 Franken für ein Einfamilienhaus und mit 30'000 Franken für eine Wohnung. Die bessere Isolation und vor allem der Einbau einer Lüftungsanlage bewirken eine erhebliche Komfortsteigerung – etwa dank dem optimalen Lärmschutz an stark lärmbelasteten Lagen. Wieweit sich aber der Minergie-Standard bei einer Sanierung rein rechnerisch lohnt, muss laut Setz immer für den Einzelfall berechnet werden.

Banken fördern Minergie-Gebäude

Immer mehr Banken gewähren für Minergie-Bauten vergünstigte Hypothekarzinsen, weil die Einhaltung der Standards die Werterhaltung der Gebäude steigert und die Nebenkosten ­kalkulierbarer macht. Die Reduktion beträgt für den Minergie-Standard durchschnittlich etwa 0,5 Prozent, für Minergie-P und Minergie-Eco rund 0,6 Prozent, vereinzelt wird sogar bis ein Prozent Reduktion gewährt. Die Laufzeit der Vergünstigung variiert zwischen zwei und fünf Jahren; häufig wird zudem eine Obergrenze für die vergünstigte Hypothek festgelegt – in der Regel 250'000 Franken für Einfamilienhäuser und Stockwerkeigentum, 500'000 Franken für Mehrfamilienhäuser.

Auch für Minergie-Sanierungen bieten einzelne Banken spezielle Renovationshypotheken und Renovationsbeiträge an. Finanzberater empfehlen, sowohl für Neubau­ten als auch für Sanierungen mehrere ­Offerten einzuholen. ­Hypothekarzinsangebote sind immer individuell auf ein Gebäude und seine Eigentümer ab­gestimmt. Es kann durchaus sein, dass eine Bank ohne spezielle Minergie-Reduktionen im konkreten Fall das beste Angebot machen kann. ­Eine detaillierte Auflistung der Banken, die ­spezielle Konditionen einräumen, findet man auf der Minergie-Website: www.minergie.ch.

Weitere Finanzierungshilfe bieten staat­liche und private Förderprogramme. So unterstützt die Stiftung Klimarappen – sie wird 2010 von einem nationalen Gebäudesanierungs­programm abgelöst – mit ihrem Gebäude­programm die energieeffiziente Sanierung der Gebäudehülle. Die meisten Kantone und einige Gemeinden fördern ebenfalls Sanierungen zur Steigerung der Energieeffizienz. Auskunft über die jeweiligen Förderprogramme geben die kantonalen Energiefachstellen.

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