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MSC-SiegelMigros kritisiert Hai-Quälerei

Das MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei ist unter Beschuss. Nun verurteilt auch die Migros gewisse Praktiken.

Das Geschäft mit Haifischflossen: Ein Mako wird getötet.
Von Veröffentlicht am 23. Mai 2019

Das Geschäft mit MSC-Fisch boomt. Jedes Jahr werden mehr als zehn Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte von zertifizierten Fischereien gefangen. Das sind 15 Prozent der weltweiten Fangmenge. Doch das blaue Label steht in der Kritik: weil immer wieder Delfine qualvoll in Fangnetzen verenden oder auch MSC-Fischereien den Meeresboden mit gewaltigen Schleppnetzen umpflügen.

Jetzt tauchen weitere Vorwürfe auf. Weltweit 58 Umweltorganisationen, Händler und Fischereien kritisieren, dass auf einigen MSC-zertifizierten Schiffen nach wie vor Haien bei lebendigem Leib die Flossen abgeschnitten werden. Sie fordern vom MSC endlich wirkungsvolle Massnahmen gegen das illegale Shark-Finning.

«Nicht akzeptabel»

Iris Ziegler von der Schutzorganisation Sharkproject sagt: «Es ist nicht akzeptabel, dass diese bestialische Praxis schon seit mehreren Jahren vom MSC toleriert Umwelt Es stinkt nach Bschiss und der gleichzeitig gefangene Thunfisch als ‹Beitrag zur Schonung der marinen Ökosysteme› deklariert wird.»

Neben Greenpeace und dem südafrikanischen Fischereiministerium hat auch die Migros den offenen Brief unterzeichnet. Die Migros, die selber MSC-Fisch verkauft, habe in direkten Gesprächen mit dem MSC immer wieder das Thema Finning angesprochen. «Es ist für uns deshalb ein logischer Schritt, dass wir auch den Brief unterzeichnet haben», sagt eine Sprecherin.

Coop, Lidl und Aldi haben den Protestbrief nicht unterschrieben. Man nehme die Kritik am MSC aber ernst und sei laufend in Kontakt mit der Organisation. Der direkte Austausch mit dem MSC sei zielführender, heisst es bei Coop. Aldi Suisse stehe weiterhin hinter dem MSC-Standard, solange man nachvollziehen könne, dass der MSC «die berechtigte Kritik» ernst nehme und an Verbesserungen arbeite.

Kann man MSC-Fisch immer noch mit gutem Gewissen verspeisen? «Natürlich ist es besser, zertifizierten Fisch Importfisch Legal, aber nicht unbedingt nachhaltig zu kaufen. Aber für die Bestände in den Meeren wäre es eigentlich besser, keinen Fisch mehr zu essen», sagt Kerstin Glaus vom Verein OceanCare. Wer nicht darauf verzichten will, solle höchstens einmal im Monat Meerfisch essen. «Alternativ sollte man die einheimische, lokale Fischerei unterstützen, die per se immer nachhaltig ist.»

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Veröffentlicht am 24. Mai 2019

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4 Kommentare

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casi

Verantwortungsbewusst einkaufen - gilt für jede/n KonsumentenIn! Sich selber informieren über Produkte, Herkunft, Produktions-Verfahren....

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casi

Tierquählereien durch die Menschheit, gibt es beschämenderweise immer noch/weiterhin und weltweit! Die MIGROS-Zuständigen täten allerdings gut daran, vor der "eigenen Tür zu kehren" betreffend "Tier-Wohl"! Tierische Produkte-Einkauf aus ausschliesslich "nachhaltig öko-logischer" Produktion (effektiv art-tier-gerechte: Züchtung - Haltung - Ernährung - Schlachtung)! Dem ist aber lediglich teilweise so - skrupellose Profitgier um fast jeden Preis = MIGROS-COOP- und CO Politik!

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Billo

fair-fish gehört zu den Organisationen, welche die Praktiken bei MSC-zertifizierten Fischereien seit Jahren kritisieren. Es ist ein gutes Zeichen, wenn nun auch Fischhändler wie die Migros sich der Kritik anschliessen. Wo «Nachhaltigkeit» draufsteht, dürfen im Hintergrund keine krummen Touren geduldet werden.

Dem Schlusssatz im Artikel ist allerdings mit grösster Vorsicht zu begegnen:
««Alternativ sollte man die einheimische, lokale Fischerei unterstützen, die per se immer nachhaltig ist.»
Aus zwei Gründen:
1. ist die Nachhaltigkeit der Fischerei auf Schweizer Seen durchaus mit Fragezeichen zu versehen; Kritiker sprechen von diesen Seen auch als grossen Freiluft-Fischzuchten – denn es wir mehr gefischt, als natürlich nachwächst; deshalb werden in kantonalen Anstalten Jungfische künstlich gezüchtet und in die Seen eingespeist. Denn alpennahe Seen sind natürlich eher nährstoffarm, Berufsfischer fordern daher, die dank Kläranlagen wieder sauereren Seen künstlich zu düngen – extrem nachhaltig, momoll!
2. kann es nur eine sehr beschränkte Fischernte aus Schweizer Seen geben. Wenn also jede/r Schweizer/in dem Rat folgen würde, nur Schweizer Fisch zu essen, wäre das eta eine Fischmahlzeit per Person – im Jahr! Nimmt man Schweizer Zuchtfische dazu, wären's gut zwei Fischportionen pro Person und Jahr – allerdings werden diese Zuchtfische mit Fischmehl gefüttert, das vin Fischen stammt, die extra hierfür aus den Meeren gefischt werden. Auch wahnsinnig nachhaltig, gäll?
Sind halt so Dinge, die man wissen muss – fair-fish informiert seit viele Jahren darüber, an der Info fehlt's also nicht.

KerstinG.

Zielführende und konstruktive Dialoge sind eine Kernkompetenz von OceanCare. Somit ergreifen wir gerne die Gelegenheit, unsere Aussage zu konkretisieren.
Ja, es gibt direkte und indirekte Verschmutzungen und Umweltbelastungen der Gewässer, wie die angesprochene Versauerung oder die Eutrophierung. Im Artikel vom Beobachter ging es um den MSC und um nachhaltigen Fischfang – nicht um Umweltbelastungen, Versauerung und auch nicht um die Fischzucht. Klar stehen diese Themen in einem engen Zusammenhang, und verdienten ihre eigene ausführliche Darstellung, waren aber nicht Kernpunkt des Artikels im Beobachter.
In der Schweiz werden zur Schonung der Bestände und zum Schutz vor Überfischung für jede Fischart spezielle Schonzeiten festgesetzt. Zusätzlich müssen die gefangenen Tiere eine Mindestgrösse aufweisen. Darauf bezog sich unsere Aussage.
Wir freuen uns, diesen angeregten Austausch in einem persönlichen Gespräch weiterzuführen.

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