Der atlantische Blauflossen-Thunfisch, auch «Roter Thun» genannt, ist der König unter den Thunfischen. Er wird über vier Meter lang und 600 Kilogramm schwer, sein Fleisch gilt als Delikatesse. Er ist besonders in der Sushiküche beliebt. Entsprechend ist er bedroht. Ein Exemplar kann an Auktionen bis zu mehreren Millionen Franken einbringen. Ein Anreiz, der die illegale Fischerei ankurbelt und in der Folge zu Überfischung führt. Die Bestände des Blauflossen-Thunfischs sind stark geschrumpft. 

Eine erste japanische Blauflossen-Thunfisch-Fischerei will sich nun durch den Marine Stewardship Council (MSC) Umwelt Es stinkt nach Bschiss zertifizieren lassen, ein Label für nachhaltige Fischerei. Damit könnte sie ihren Edelthunfisch unter dem Label weltweit verkaufen – auch in die Schweiz. Aktuell wird nur nicht zertifizierter Blauflossen-Thunfisch in die Schweiz importiert. Er gelangt vor allem in die Spitzengastronomie. Letztes Jahr waren es laut Zollverwaltung Betrug am Zoll Die Grenze zieht Gauner aller Art an rund 6474 Kilogramm – frisch und gefroren. Ein Label wäre ein gutes Marketingargument gegenüber Kunden. 

«Gefährliches Signal für den Markt»

Der WWF hat gegen die Zertifizierung Einspruch erhoben. «Es ist schockierend, dass der MSC eine Zertifizierung für diese Fischerei überhaupt in Betracht zieht», kritisiert Catherine Vogler vom WWF. «Sollte sie das Label erhalten, wäre das ein gefährliches Signal für den Markt. Das könnte die langfristige Erholung der Bestände gefährden und sie wieder an den Rand des Zusammenbruchs bringen.» Das sei keine nachhaltige Befischung, die ein Umweltlabel verdiene. 

Konsumentinnen und Konsumenten werde mit einer Zertifizierung vorgegaukelt, sie konsumierten Edelfisch aus nachhaltigem Fang Importfisch Legal, aber nicht unbedingt nachhaltig . Das sei derzeit gar nicht möglich. Die Bestände des Blauflossen-Thunfischs erholten sich zwar langsam dank stark gekürzter Fangmengen und besserer Kontrollen. Sie haben aber noch kein stabiles Niveau erreicht, eine nachhaltige Befischung ist noch nicht möglich. Zudem sei die genaue Grösse des Bestands unklar und der Einfluss der illegalen Fischerei auf die Art weitgehend unbekannt. Ein Label ergebe erst Sinn, wenn die Bestände robust seien und man genauere Angaben zur illegalen Überfischung habe, sagt Catherine Vogler vom WWF. 

«Mit oder ohne Label»

MSC sagt, die Fischerei werde nur zur Zertifizierung freigegeben, wenn sie die Nachhaltigkeitskriterien des MSC erfülle. Dazu gehöre, dass der befischte Bestand eine stabile Grösse habe und die Fischereiaktivität seine Erholung nicht gefährde. 

Dennoch wendet die MSC-Sprecherin ein: «Die Fischerei auf ostatlantischen Blauflossen-Thunfisch ist Realität und findet statt – egal, ob mit oder ohne den MSC.» Der Unterschied sei: «Mit dem MSC haben wir eine Möglichkeit, die Befischung des ostatlantischen Blauflossen-Thuns in eine nachhaltige Richtung zu lenken und den Bestand zu schützen.» Denn innerhalb des MSC-Programms beschränkten Fischereien ihre Fangmengen und seien regelmässigen Kontrollen und Auflagen unterworfen. 

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Der WWF gibt sich damit nicht zufrieden. Sämtliche Bedenken gegen die Zertifizierung seien vom Zertifizierer zurückgewiesen worden. Um den Zertifizierungsprozess zu stoppen, habe er deshalb formell Einspruch eingelegt. Dieser wird nun von einem unabhängigen Schiedsrichter überprüft.

Anhaltende Kritik an MSC-Label

Das Label MSC steht seit Jahren in der Kritik. Die gemeinnützige Organisation wurde 1997 von Unilever und WWF gegründet. Seit 1999 ist sie unabhängig. Kritiker monieren, die Standards seien nicht ausreichend und das Label werde auch an Betriebe vergeben, die nicht nachhaltig arbeiteten. Beim Thunfischfang etwa würden immer noch zu viele Delfine und Haie mitgefangen. Dabei werde auch das illegale Shark-Finning MSC-Siegel Migros kritisiert Hai-Quälerei betrieben, bei dem lebenden Haien ihre Flosse abgeschnitten wird. 58 Umweltorganisationen, Händler und Fischereien setzten sich 2019 dagegen ein – auch die Migros.

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Matthias Pflume, Textchef Digital

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