Wie findet man den Beruf, der wirklich zu den eigenen Fähigkeiten passt? Die Bildungsökonomen Daniel Goller, Enzo Brox und Stefan Wolter von der Universität Bern liefern erstmals klare Antworten. Für ihre Studie verknüpften sie die Multicheck-Tests von über 25’000 Jugendlichen direkt mit den Bildungsverläufen und Arbeitsmarktdaten des Bundes.

Der Multicheck ist ein standardisierter, computerbasierter Eignungstest, der von vielen Ausbildungsbetrieben bei der Lehrstellensuche verlangt wird.

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Das Ergebnis der Studie deckt eine Schwachstelle auf: Viele Jugendliche kennen ihre eigenen Kompetenzen nicht. Diese mangelnde Selbsterkenntnis führt zu falschen Berufswünschen und teuren Fehlentscheidungen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Wenn Jugendliche sich über- oder unterschätzen, führt das oft zur falschen Lehrstellenwahl. 
  • Jugendliche, die sich selbst schlecht einschätzen können, brechen ihre Lehre viel häufiger ab – besonders oft schon im ersten Lehrjahr.

Aufruf: Haben Sie eine Lehre abgebrochen?

  • In der Schule funktioniert das Feedback durch Noten gut. Bei handwerklich-technischen oder logischen Fähigkeiten trügt das Bauchgefühl Jugendliche jedoch oft, da verlässliche Rückmeldungen im Alltag fehlen.
  • Die Mehrheit der Jugendlichen hält trotz Hinweisen auf eine schlechte Eignung stur an ihren Plänen fest. Nur wenige passen ihre Wünsche von sich aus an.

So gelingt die Kurswende 

Die Studie zeigt auch Wege aus der Mismatch-Falle:

  • Das unmissverständliche, schwarz-auf-weisse Ergebnis einer externen Eignungsanalyse rüttelt Jugendliche auf. Dann korrigieren sie meist ihre Pläne, überdenken ihre unpassenden Wünsche und wechseln eher das Berufsfeld.
  • Wenn Jugendliche ihre Berufswahl aufgrund des Multichecks ändern, finden sie danach den Job, der am allerbesten zu ihren tatsächlichen Fähigkeiten passt.
  • Da Schulnoten kaum vergleichbar sind, schützt der Einsatz von standardisierten Eignungsdaten wie dem Multicheck Lehrbetriebe vor teuren Fehlbesetzungen. Das sichert die Produktivität und verhindert frühzeitige Vertragsauflösungen.

Kritik an der Testgläubigkeit

Kritiker warnen vor einer Überbewertung der Tests.

Sozialarbeiterin Daniela Bleiker vom Beobachter-Beratungszentrum gibt zu bedenken: «Eignungstests sind fast schon zum Dogma geworden. Doch sie sind nur eine Momentaufnahme und bilden weder Motivation noch soziale Kompetenz ab.» Zudem wälze das System die Verantwortung auf die Jugendlichen und deren Eltern ab, welche die Tests meist selbst bezahlen müssen. 

Schulen sollten Jugendlichen früher helfen, sich selbst realistisch einzuschätzen. Diese Förderung der Selbsterkenntnis durch wiederholtes Feedback muss zwingend beginnen, bevor sich Jugendliche auf einen Beruf festlegen. Erst das schafft das Fundament für eine erfolgreiche Ausbildung.

Hinweis: Dieser Artikel wurde erstmals am 3. Juli 2026 veröffentlicht.

Ihre Meinung ist gefragt!

Wie haben Sie oder Ihre Kinder den richtigen Beruf gefunden? Setzen Sie auf standardisierte Tests wie den Multicheck, oder soll man doch eher auf das berühmte Bauchgefühl hören? Diskutieren Sie mit uns in den Kommentaren!
 

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