Kommentar zur Berufsmatura
Schluss mit dem Prüfungsstress!
Auch die letzten Kantone streichen die Aufnahmeprüfung für die Berufsmatura nach der Lehre. Gut so. Die Reform stärkt das duale Bildungssystem.

Veröffentlicht am 7. Juli 2026 - 11:23 Uhr

Das gehört ab jetzt der Vergangenheit an: eine Schülerin an der Aufnahmeprüfung der Berufsmaturitätsschule
Quelle: Getty ImagesDie Schweizer Berufsmatura nach der Lehre (BM 2) erfindet sich neu. Wer in der Ausbildung in der Berufsschule gute Leistungen bringt, ist dabei – ohne starre Eintrittsprüfung. Der Zugang zur Berufsmaturität nach der Lehre ist nun schweizweit prüfungsfrei: Auch die letzten Kantone schaffen die Hürde ab.
In den Medien sorgt das für Kritik. Die Skepsis ist gross. Anja Nützi, Vorstandsmitglied des Verbands Berufsbildung Schweiz, warnt in der «NZZ am Sonntag»: «Neu drängen auch Leute mit sehr schwachen Deutsch- und Englischkenntnissen an die Berufsmatura.» Und: «Vielen fehlt eine gute Vorbereitung, weil keine Prüfung mehr nötig ist.»
Der Verzicht auf die Prüfung ist ein bildungspolitischer Meilenstein.
Echt jetzt? An den Berufsschulen wird nicht gut genug gelehrt? Der Verzicht auf die Prüfung ist ein bildungspolitischer Meilenstein. Ganz sicher.
Wer nach Lehrabschluss noch die Berufsmatura machen möchte, soll unbedingt unterstützt werden. Keine Aufnahmeprüfung ist ein wichtiger Schlüssel dafür. Bildung ist das Fundament des Erfolgs – so abgedroschen das auch klingt.
Schluss mit der sozialen Selektion
Die alte Aufnahmeprüfung war vor allem eines: sozial ungerecht. Sie benachteiligte Jugendliche aus bildungsfernen Familien. Wer kein Geld für teure Nachhilfe hatte, blieb häufig auf der Strecke. Die Reform korrigiert diesen Fehler.
Jetzt zählt die Leistung über die gesamte Lehrzeit, nicht die Tagesform am Prüfungstag. Wer gute Vornoten hat, meist ist mindestens ein 5er-Notenschnitt gefordert, darf nach bestandener Lehrabschlussprüfung an die Berufsmaturitätsschule.
Das ist gelebte Chancengerechtigkeit. Vielleicht sinkt dadurch das Niveau in manchen Klassen – ich bezweifle das. So oder so darf die Antwort darauf nicht sein, die Türen einfach wieder zuzuschlagen. Wir müssen fördern statt aussortieren.
Das Bildungssystem reagiert bereits. Früher flogen Wackelkandidaten nach dem ersten Semester raus. Neu bekommen sie eine zweite Chance, um Defizite aufzuholen. Das ist der einzig richtige Weg. Statt Geld und Zeit für Prüfungen zu verpulvern, müssen die Kantone die Ressourcen in gezielte Vorbereitungskurse stecken.
Ein Turbo für die Lehre
Die Reform baut die barrierefreie Brücke von der Werkstatt in den Hörsaal. Das wertet die gesamte Berufslehre auf. Jugendliche sehen eine klare Perspektive bis an die Hochschule – ohne Eintrittshürde.
Die Berufspraktiker machen vor, wie Zukunft geht!
In Zeiten des Fachkräftemangels kann es sich die Schweiz schlicht nicht mehr leisten, motivierte Praktiker aus formalen Gründen zu blockieren. Die Öffnung der BM 2 ist ein mutiger, zukunftsweisender Schritt.
Vielleicht überlegen sich das auch mal diejenigen Kantone, die immer noch Aufnahmeprüfungen für das Gymnasium kennen. Die Berufspraktiker machen vor, wie Zukunft geht!
Ist der prüfungsfreie Zugang ein überfälliger Schritt zu mehr Chancengerechtigkeit? Oder riskieren wir damit, das Niveau der Berufsmaturität zu verwässern? Schreiben Sie uns Ihre Meinung oder teilen Sie Ihre eigenen Erfahrungen aus Lehre und Weiterbildung in den Kommentaren!
- Bildungsticker: Prüfungsfrei an die BM 2
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- «NZZ am Sonntag»: Schwach in Deutsch und trotzdem eine Berufsmatura? Die Abschaffung der Aufnahmeprüfung sorgt für Kritik




