Sich mal ausklinken, aus der Routine ausbrechen, sich inspirieren lassen: Viele wünschen sich das. Was aber, wenn man weder selbständig noch berühmt ist, sondern ein durchschnittliches Angestellten­leben fristet? Ist eine Auszeit überhaupt eine gute Idee? «Auf jeden Fall», meint Christina Künzle, Executive und Business Coach bei der Zürcher Beratungsfirma Choice. «Denn die heutige Arbeitswelt setzt Arbeitnehmende unter enormen Druck, insbesondere die höheren Kader: Sie arbeiten zu viel und zu viel vom Gleichen.»

«Wir können uns neu erfinden»

«Es geht um Selbstmanagement», erklärt Künzle. Unter diesem Stichwort seien regelmässige Auszeiten wichtig, um die Batterien aufzuladen – körperlich, aber auch emotional und mental. Und um auszuloten: Was will und was brauche ich im Leben? «Auch einfach mal nichts zu tun ist wichtig für die eigene Reflexion», betont Künzle.

«Das Erfreuliche an einem Sabbatical ist, dass wir uns darin neu erfinden können», erklärt Matti Straub-Fischer, Chef des Berner Beratungsunternehmens Changels und selber Sabbatical-erfahren. Eine Auszeit biete die Chance, die eigenen Lebens­muster zu erkennen und zu überprüfen, ob diese noch «stützend und hilfreich» seien.

Eine Auszeit dient der individuellen Entfaltung, aber auch dem Stressabbau; manche bewahrt sie vor dem Burn-out.

Doch es gibt auch einen Haken: Ein Sabbatical ist meistens unbezahlt, zumindest in der Schweiz. Fortschrittliche Grossfirmen bieten zwar Kadermitarbeitenden die Möglichkeit, in Abhängigkeit der Dienstzeit eine mehrmonatige Auszeit zu nehmen – aber auf ­eigene Rechnung. Nur Staatsangestellten werden in der Regel Auszeiten geschenkt, wenn sie ein bestimmtes Dienstalter erreicht haben.

Und wie läuft das Ganze finanziell?

Wie also planen? «Es gibt keine fixen Rezepte, aber mit der nötigen Überzeugung lässt sich ein Sabbatical gut organisieren – vorausgesetzt, man räumt für die Vorbereitung genügend Zeit ein», sagt Matti Straub-Fischer. Zum Thema Geld rät der Coach: Wohnung untervermieten, GA hinterlegen, AHV und Steuern möglichst reduzieren (dazu frühzeitig mit Ämtern Kontakt aufnehmen), Pensionskassenbeiträge, Krankentaggeld und Versicherungen aufs Minimum beschränken. «Es lohnt sich, Finanzielles mit einem Treuhänder zu besprechen», sagt Straub-Fischer, der seine eigene Auszeit teils mit Erspartem finanziert hat.

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Doch all diese Planspiele nützen nichts, wenn der Arbeitgeber nicht mitspielt. Wie bewegt man ihn dazu, ein Sabbatical zu unterstützen? «Einfach mal freundlich fragen», rät Matti Straub-Fischer. Viele Arbeitgeber seien sich bewusst, wie wichtig längere Ferien und Auszeiten seien. Offen und ehrlich die Dinge anzusprechen sei hilfreich. Manche Firmen liessen sich sogar bewegen, einen – wenn auch reduzierten – Lohn zu bezahlen, um gute Leute nicht zu verlieren. Bevor man das Thema zum ersten Mal anspricht, sollte man sich deshalb auch überlegen, was man nachher wieder in die Firma zurückbringen möchte, rät Straub-Fischer.

Wer länger als drei Monate von der Firma wegbleiben will, hat es allerdings nicht leicht: «Wer ein einjähriges Sabbatical einschaltet oder einen ebenso langen Mutterschaftsurlaub bezieht, ist in der Regel aus dem alten Job raus», sagt Christina Künzle. Es sei auch wenig sinnvoll, nach einer so langen Pause wieder an die alte Stelle zurückzukehren. «Man hat sich in dieser Zeit ja entwickelt und sich von manchen Gewohnheiten gelöst. Da passen die alten Muster oft nicht mehr.»

Sabbatical planen: Woran zu denken ist

  • Vorbereitung: Planen Sie die Auszeit etwa ein Jahr im Voraus. Klären Sie insbesondere frühzeitig ab, ob Ihr Arbeitgeber spezielle Sabbatical-Modelle anbietet.
  • Pensionskasse: Ob Sie während der Auszeit bei der Pensionskasse weiter versichert bleiben können oder gar müssen, ergibt sich grundsätzlich aus dem PK-Reglement. Wenden Sie sich an die dafür zuständige Stelle in der Firma.
  • Unfallversicherung: Bei der Unfallversicherung bleiben Sie noch während 30 Kalendertagen weiterversichert. Darüber hinaus können Sie den Versicherungsschutz mit einer sogenannten Abredeversicherung um maximal weitere 180 Tage verlängern.
  • Krankheit: Wenn Ihr Arbeitgeber eine Kranken­taggeldversicherung abgeschlossen hat, sollten Sie direkt mit dieser Versicherung klären, ob und wie Sie während des Sabbaticals versichert sind.
  • Sozialabgaben: Wer in der Schweiz wohnt, muss trotz Auszeit unter Umständen Beiträge für AHV und IV entrichten. Detaillierte Informationen liefert die zuständige Ausgleichskasse.
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Quelle: Beobachter Edition