«Werner F. hat die ihm übertragenen Aufgaben mit grossem Interesse angepackt und war stets bestrebt, seine Arbeiten zu unserer Zufriedenheit zu erledigen. Er war ein geselliger Mitarbeiter, der sich regelmässig durch Anregungen und Verbesserungsvorschläge hervortat...» Tief befriedigt nimmt Werner F., 43, Sachbearbeiter in einem Speditionsbetrieb, sein Arbeitszeugnis entgegen. Nun kann er also Schwarz auf Weiss belegen, wie sehr er sich an seiner letzten Stelle engagiert hat.

Werner F. ahnt nicht, dass er soeben eine Qualifikation entgegengenommen hat, die vernichtender kaum sein könnte. Im Klartext bedeutet sein Zeugnis nämlich, dass er ein Schwätzer und Besserwisser war, dessen Leistungen stark zu wünschen übrigliessen. Zwar bemühte er sich und zeigte Interesse – doch mehr kann ihm aber beim besten Willen nicht bescheinigt werden.

Werner F. ist frei erfunden. Ebenso sein miserables Zeugnis. Tatsache ist jedoch, dass Arbeitszeugnisse ihre eigene Sprache haben und oft etwas anderes aussagen, als der unbefangene Leser auf den ersten Blick vermutet.

Auch wenn immer mehr Arbeitgeber dazu übergehen, uncodierte Zeugnisse zu verfassen, lohnt es sich also, Zeugnisse kritisch unter die Lupe zu nehmen. Dabei ist auf folgende Kriterien zu achten:

1. Wann gibt es ein Zeugnis?

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben das Recht, jederzeit vom Arbeitgeber ein Zeugnis zu verlangen. Jederzeit heisst, dass ein Zeugnis nicht nur am Ende, sondern auch während eines Arbeitsverhältnisses («Zwischenzeugnis») oder danach noch verlangt werden kann. Die Verjährungsfrist beträgt zehn Jahre. Einen triftigen Grund für einen Zeugniswunsch braucht es nicht.

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2. Was wird verschwiegen?

Ein Zeugnis muss vollständig sein. Gibt es umfassend Auskunft über die Aufgaben des Angestellten sowie über Versetzungen und Beförderungen samt Datum? Äussert es sich zu den Leistungen und zum Verhalten? Wird die Beziehung zu Arbeitskollegen, Vorgesetzten und Untergebenen (und gegebenenfalls Kunden) bewertet? Erwähnt es alle Eigenschaften und Fähigkeiten, die für einen Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin wesentlich sind?

3. Stimmt die Bewertung?

Zeugnisse müssen wahrheitsgetreu und objektiv sein. Ungenauigkeiten und Falschangaben sind zu berichtigen. Auch Vermutungen, Verdächtigungen und Interpretationen gehören nicht ins Zeugnis. Kurz: Die Leistung muss nach branchenüblichen und fairen Massstäben beurteilt werden.

Zudem sollen die abgegebenen Beurteilungen für den betreffenden Angestellten wesentlich und charakteristisch sein. Der Richter muss sie notfalls überprüfen können. Einzelepisoden und längst vergangene gesundheitliche Probleme gehören nicht ins Zeugnis Arbeitszeugnis Darf mein Chef die Krankheit erwähnen? .

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4. Ist klar, was gemeint ist?

Ein Zeugnis muss aussagekräftig und frei von versteckten, zweideutigen Mitteilungen sein. Dazu gehört eine klare, verständliche Sprache sowie der Verzicht auf Formulierungen, die nichts über die tatsächlich erbrachte Leistung und das Verhalten der Arbeitnehmerin aussagen.

5. Wie stehts mit Kritik und Tadel?

Arbeitszeugnisse sollten immer wohlwollend sein und das berufliche Fortkommen der Arbeitnehmer nicht unnötig erschweren. Es besteht aber nicht grundsätzlich ein Anspruch auf ein «gutes» Zeugnis und negative Äusserungen sind zulässig, sofern sie wahr sind. Konsultieren Sie bei Unsicherheit die Beobachter-Rechtsexperten im «Arbeitszeugnis-Check».

6. Nur eine Arbeitsbestätigung?

Auf Wunsch des Arbeitnehmers kann sich das Zeugnis auf Angaben über Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses – ohne jede Leistungsbeurteilung – beschränken. Eine solche Arbeitsbestätigung macht jedoch einen schlechten Eindruck und ist höchstens bei sehr kurzen Arbeitsverhältnissen zu empfehlen.

7. Wie kann ich mich wehren?

Ein Zeugnis sollte immer gesamthaft beurteilt werden. Es ist gefährlich, einzelne Formulierungen aus dem Zusammenhang zu reissen und nach einer versteckten Bedeutung zu suchen. Ausserdem ist zu bedenken, dass nicht nur gewiefte Personalchefs Zeugnisse schreiben, sondern auch Personen, die darin nicht viel Erfahrung haben und vielleicht ohne böse Absicht eine ungeschickte Formulierung wählen. Wer mit seinem Arbeitszeugnis nicht zufrieden Arbeitsleistung Mieses Zeugnis akzeptieren? ist, sollte daher in jedem Fall das Gespräch mit dem Verfasser suchen.

Welche Anrechte Sie bei einem miesen Zeugnis haben und wie Sie dieses korrigieren können, lesen Sie auch im Beobachter-Artikel «Arbeitszeugnis: Der Schlüssel zu Ihrem Joberfolg» Arbeitszeugnis Der Schlüssel zu Ihrem Joberfolg .

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Was bedeuten die Floskeln wirklich?

Lassen Sie sich nicht von geschönten Aussagen aufs Glatteis führen. In Arbeitszeugnissen geben Chefs oft verschlüsselte Informationen weiter. Drei von vielen Beispielen:

  • «Mit seinen Leistungen waren wir zufrieden.» = genügende Leistung
     
  • «Sie hat sich stets bemüht.» = ihre Leistung war mangelhaft
     
  • «...zu unserer vollen Zufriedenheit» oder «...die Leistungen waren gut» = Das Geschäft verliert einen guten Mitarbeiter.
     
  • ...

Weitere Floskeln, auf die Sie achten können, lesen im «Arbeitszeugnis-Check» bei Guider.

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3 Tipps: Arbeitszeugnis

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Sie sind nicht zufrieden mit Ihrem Arbeitszeugnis? Wir haben Ihnen 3 Tipps, wie Sie sich wehren können.

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