Stelleninserate

Jobanforderungen der Superlative

Thinkstock Kollektion

In vielen Stellenannoncen werden beinahe Übermenschen gesucht. Gegen die Angst, diesem Profil nicht zu genügen, hilft nur eines: sich trotzdem bewerben.

von Trudy Dacorogna-Merkiaktualisiert am June 06, 2017

Gesucht wird eine «teamfähige, initiative und dynamische Person» mit «ausgezeichneten Englisch- und Französischkenntnissen». Vorausgesetzt werden ausserdem ein Hochschulabschluss, ein «gutes Gespür für betriebswirtschaftliche Zusammenhänge» sowie ein «solides Urteilsvermögen und Entscheidungsverhalten». Kurz: Der oder die künftige «Trainee» für die Handelsfirma, die ein Inserat in einer grösseren Tageszeitung geschaltet hat, muss eine Art Übermensch sein. Hingegen sind die Aufgaben, die die gesuchte Person erwarten, in vier Stichworten zusammengefasst.

Derart hohe Anforderungsprofile beeindrucken – und verunsichern die Stellensuchenden oft stark. Englische Ausdrücke («Senior Secretary», «Engineer Transport Network») tun das Übrige, um die Hürde vor dem Wunschjob höher erscheinen zu lassen.

Ziel eines professionellen Inserattextes ist, eine emotionale Bindung mit der «richtigen» Person herzustellen. Diese soll sich als Individuum angesprochen fühlen und bei einem Vorstellungsgespräch erläutern, warum sie die richtige Person für die Stelle ist. Für viele Stellensuchende bleibt dies aber Wunschdenken, weil die Anforderungsprofile in den Annoncen oft gewichtiger tönen, als sie wirklich sind.

Das hat verschiedene Gründe. Oftmals müssen freie Stellen sehr schnell besetzt werden. Entsprechend eilig hat es die Firma, ein Inserat zu schalten. Dort muss dann auf wenig Raum viel gesagt werden. Wer im Schreiben von Inserattexten wenig Übung hat, greift in einer solchen Situation schnell einmal auf gut klingende, aber abgegriffene Formulierungen («dynamisch», «fundierte Ausbildung») zurück.

Etwas anders liegt der Fall bei den Personalberatungsfirmen, die für andere Unternehmen Personal suchen. Um dem Auftraggeber zu schmeicheln, verwenden sie oft Superlative, die wenig mit der Realität zu tun haben («Eine verantwortungsvolle Schlüsselposition mit grosser Selbständigkeit erwartet Sie»).

Deshalb sollten Sie sich auch dann bewerben, wenn die Stelle nicht ganz Ihrem bisherigen Werdegang entspricht, sich die Firma aber in Ihrem Tätigkeitsgebiet oder in Ihrer Branche bewegt.

Nur in den seltensten Fällen muss ausserdem perfekt sein, was als «perfekt» verlangt wird. Vielleicht reichen für den Job auch «gute» statt «perfekte» Englisch- oder Französischkenntnisse. Wer zweifelt, kann sich telefonisch bei der in den meisten Inseraten angegebenen Kontaktperson erkundigen – oder sich selbstbewusst bewerben, auch wenn die Sprachkenntnisse nur beinahe perfekt sind.

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Altersangabe nicht beachten

In fast allen Stellenanzeigen steht ein Idealalter, das meist zwischen 25 und 45 liegt. Der Jugendkult wurde vor allem in den neunziger Jahren fast zum Exzess getrieben. In letzter Zeit sind indes die Eigenschaften älterer Menschen wieder geschätzt. Einen mehr oder weniger verständlichen Anspruch auf junge Leute meinen Firmen zu haben, die sich mit ihren Produkten etwa im Detailhandel an eine sehr junge Zielgruppe richten. Auch wenn jemand in Pension geht, will oder muss die Firma meist Blutauffrischung betreiben.

Alle anderen Fälle sind nicht nachvollziehbar. Trauen Sie sich also viel zu und denken Sie daran, dass es diesen «Übermenschen» im zarten Alter gar nicht gibt. Ignorieren Sie deshalb Altersvorgaben in Stelleninseraten und schicken Sie Ihre Bewerbung trotzdem ab. Auf einen vorgängigen Anruf bei der Firma können Sie in diesem Fall getrost verzichten.

So stehen Ihre Chancen gut

  • Bewerben Sie sich auch dann, wenn Sie denken, dass Ihre Voraussetzungen nicht ganz reichen.

  • Erfragen Sie ungewohnte Jobbezeichnungen, hierarchische Einordnungen oder andere Unklarheiten telefonisch, um Ihre Eignung abschätzen zu können.

  • Ignorieren Sie Altersvorgaben.

  • Lassen Sie sich nicht von klangvollen Adjektiven einschüchtern. Die Beurteilung der Fähigkeiten eines Bewerbers ist subjektiv und Interpretationssache.
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