Es gibt sie noch, Leute, die ohne ein modernes Kommunikationsmittel leben. Etwa Matthias Zweifel in Neuhausen am Rheinfall. Der 65-Jährige besass weder Fernseher noch Radio, Computer oder Handy. Deshalb wandte er sich schriftlich an die Serafe, die Erhebungsstelle für die Radio- und Fernsehabgabe, und forderte das Formular an, um sich von den Abgaben zu befreien. Das war im Januar 2019.

Das Formular erhielt er bis heute nicht. Stattdessen schickte ihm die Serafe 288 Tage später, im November, eine Rechnung für das neue Jahr. Darauf reagierte er mit einem eingeschriebenen Brief, in dem er erneut das benötigte Formular verlangte. Weil wieder nichts passierte, forderte er das Formular direkt beim Bundesamt für Kommunikation an, dem Auftraggeber der Serafe. Von dort erhielt er es am 22. Januar.

Behandelt die Serafe keine Gesuche um Befreiung von Radio- und TV-Gebühren Serafe Das sollten Sie zur Gebühr wissen ? «Ein solcher Fall sollte so natürlich nicht vorkommen», räumt die Firma ein. Generell könne man aber davon ausgehen, dass man Befreiungsgesuche problemlos behandle.
 

«Bei fast allen Rückmeldungen wird kritisiert, dass die Serafe telefonisch schlecht erreichbar ist und auf schriftliche Anfragen nicht reagiert.»

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Stiftung für Konsumentenschutz


Die Serafe stand im vergangenen Jahr Serafe Für Kunden kaum erreichbar stark in der Kritik. Der Konsumentenschutz sagt nun, die Beschwerden hätten deutlich abgenommen. «Bei fast allen Rückmeldungen wird aber kritisiert, dass die Serafe telefonisch schlecht erreichbar ist und auf schriftliche Anfragen nicht reagiert.»

Wie bei Matthias Zweifel. Erst als man Lymphdrüsenkrebs bei ihm feststellte, kaufte er sich vor drei Monaten ein Mobiltelefon. «Mein Onkologe riet mir dazu, damit ich besser erreichbar bin. Also kaufte ich mir ein Tastenhandy.»

Dem Rentner geht es nicht ums Geld, wie er sagt. «Aber ich hatte mindestens eine Antwort oder eine Reaktion auf meine Briefe erwartet.»

Mehr zur Radio- und Fernsehgebühr bei Guider

Welche Daten fliessen von den Einwohnerkontrollen zur Serafe? Müssen auch Untermieter eine Abgabe zahlen? Und können Rechnungen künftig auch in Raten und mit welcher Frist bezahlt werden? Abonnenten des Beobachters erhalten weitere Infos dazu im Merkblatt «Radio- und Fernsehgebühr (Serafe)».

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