Alle lieben Vitamine. Als Brausetablette, Kapseln und als Zusatz in Säften, Frühstücksflocken und Joghurts will jeder und jede Zweite sich etwas Gutes tun. Die Supplemente sollen Krebs, Herzkrankheiten, Gelenkerkrankungen, Sehverlust, Demenz und mehr verhindern. Schon seit Jahren zeigen aber Studien, dass sie meistens nichts nützen, manche sogar schaden.

Eine Studie wurde im April 2019 publiziert. Forscher der Tufts University Boston beobachteten sechs Jahre lang rund 31'000 Menschen in den USA und stellten fest: Wer Supplemente nahm, konnte sein Sterberisiko nicht senken. Im Juni zeigten US-Forscher in einer Metastudie mit 83'000 Probanden, dass die Einnahme von Vitamin D nicht vor Herzinfarkt, Hirnschlag oder frühzeitigem Tod schützt.

Die Forschervereinigung Cochrane kam in einer Metastudie zum Schluss, dass die Einnahme von Omega 3 Fettsäuren Omega 3 schützt doch nicht vor Herzkrankheiten enthaltenden Fischölkapseln das Risiko für Herzinfarkt, Hirnschlag oder frühzeitigen Tod nicht reduziert.

Zu viele Vitamine durch Lebensmittel mit Zusätzen

«Das Problem ist, dass die Supplemente bei Gesunden nichts nützen und Risiken bergen, wenn sie überdosiert werden», sagt Ernährungsspezialist David Fäh von der Berner Fachhochschule. Eine Überdosierung sei schnell passiert. Denn was der Körper benötigt, holt er sich allein durch eine einigermassen gesunde und abwechslungsreiche Ernährung . «Wer Supplemente einnimmt und dazu noch angereicherte Produkte konsumiert, verliert schnell den Überblick.»

Immer mehr Produkte sind mit Vitaminen Functional Food Bedenkliche Vitaminbomben und Mineralien angereichert. Meist fügen die Hersteller pro Portion zwischen 20 und 30 Prozent der empfohlenen Tagesdosis hinzu. Wer aber mehrere Gläser eines Saftes, Smoothies oder Kakaopulvers trinkt, kommt schnell auf die doppelte Tagesmenge. Viele dieser als gesund gepriesenen Produkte enthalten zudem, so kritisiert die Verbraucherorganisation Foodwatch, zu viel Salz, Zucker, Fett. Umfragen zeigen auch, dass viele mehr als nur ein solches Produkt pro Tag verwenden.

Ein halbes Rüebli reicht schon

Beispiel Betacarotin: Am Tag braucht ein gesunder Mensch nicht mal 1 Milligramm, dafür reicht schon ein halbes Rüebli. Kapseln mit Betacarotin enthalten dagegen meist 5 Milligramm oder mehr. Bei Vitamin D liegt die empfohlene Tagesdosis bei 20 Mikrogramm – das produziert der Körper nach 30 Minuten Spaziergang an der Sonne selbst. In Supplementen steckt das Dreifache und mehr. 

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Zwar scheidet der Körper ein Zuviel an wasserlöslichen Nährstoffen Kochen Rettet die Vitamine! wieder aus, aber die fettlöslichen speichert er. Regelmässig zu viel Vitamin A schwächt die Knochen und erhöht das Risiko für Lungenkrebs bei Rauchern, lange Zeit zu hohe Dosen Vitamin D kann Gefässe verstopfen und die Nieren schädigen.

Die US-Forscher aus Boston fanden heraus, dass Leute eher Krebs bekamen, wenn sie täglich mehr als 10 Mikrogramm Vitamin D konsumierten. Viel Vitamin E steigert das Risiko für Prostatakrebs. Das vor allem gegen Osteoporose beworbene Kalzium erhöht in zu hohen Dosen das Risiko für Nierensteine und Herzinfarkt bei älteren Frauen, zu viel Eisen oder Selen Chemotherapie Ingwer und Selen tun gut kann Diabetes begünstigen, das bei Erkältungen beliebte Zink die Knochen schwächen.

Vitamine im Zweifel lieber weglassen

Kommt hinzu: Supplemente können Medikamente beeinflussen Schmerzmittel Oft das falsche Rezept . So verringern zu viel Eisen und Kalzium die Wirkung von Schilddrüsenmedikamenten, zu viel Vitamin K reduziert die Wirkung mancher Gerinnungshemmer.

Ärzte raten daher: «Besser auf Supplemente verzichten, wenn nicht der Arzt zuvor einen Mangel diagnostiziert hat oder man zu einer Gruppe gehört, die nachgewiesenermassen davon profitiert», so David Fäh. Dazu gehören Schwangere oder Frauen, die es werden wollen, Ältere, da sie manche Nährstoffe nicht mehr so gut aufnehmen und weniger Appetit haben, Personen mit Allergien gegen bestimmte Lebensmittel, oder Veganer und Vegetarier – ihnen fehlt oft das Vitamin B12.

Körper kann Vitamine aus Nahrung besser aufnehmen

Alle anderen sind laut David Fäh ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Dies zeige auch der letzte Ernährungsbericht. Für die empfohlene Menge an Vitamin K reicht eine Portion Broccoli, bei Selen eine einzige Paranuss und bei Vitamin C eine Orange am Tag.

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Der Experte rät, sich mediterran zu ernähren – mit Fisch, Gemüse, Obst, Vollkorn, Olivenöl. «Studien zeigen, dass dies Zivilisationskrankheiten wie Herzinfarkt, Diabetes und Demenz reduziert.» 

Warum die isolierten Nährstoffe keine bis wenig Wirkung haben, erklärt sich die Wissenschaft so: Im Gegensatz zum Supplement enthält natürliche Nahrung Dutzende unterschiedlicher Nährstoffe. Fäh sagt: «Die Zusammensetzung und die Balance dieser Substanzen scheint ein wichtiger Grund zu sein, warum sie in natürlicher Zusammensetzung viel eher vom Körper so aufgenommen werden, wie er es braucht.»

Welche Vitamine und Mineralstoffe bei was helfen

Vitamin A für ein gutes Sehvermögen, Selen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen: In den nachfolgenden Grafiken finden sich Informationen, welche Wirkung Vitamine und Mineralstoffe haben – und welche Risiken bei einer Überdosierung lauern.

 

Vitamine

 

Mineralstoffe und Omega 3

 

Alle Infografiken: Andrea Klaiber und Anne Seeger / Quelle: SGE, New Scientist, Dr. David Fäh

Vitamin B9

Grafische Darstellung, bei was Vitamin B9 hilft.
Quelle: Beobachter

Vitamin C

Grafische Darstellung, bei was Vitamin C hilft.
Quelle: Beobachter

Vitamin E

Grafische Darstellung, bei was Vitamin E hilft.
Quelle: Beobachter

Vitamin B1, B2, B3, B5, B6, B7, B12

Grafische Darstellung, bei was die Vitamine B1, B2, B3, B5, B6, B7, B12 helfen.
Quelle: Beobachter

Vitamin K

Grafische Darstellung, bei was Vitamin K hilft.
Quelle: Beobachter

Vitamin D

Grafische Darstellung, bei was Vitamin D hilft.
Quelle: Beobachter

Vitamin A

Grafische Darstellung, bei was Vitamin A hilft.
Quelle: Beobachter

Zink

Grafische Darstellung, bei was Zink hilft.
Quelle: Beobachter

Eisen

Grafische Darstellung, bei was Eisen hilft.
Quelle: Beobachter

Selen

Grafische Darstellung, bei was Selen hilft.
Quelle: Beobachter

Kalzium

Grafische Darstellung, bei was Kalzium hilft.
Quelle: Beobachter

Magnesium

Grafische Darstellung, bei was Magnesium hilft.
Quelle: Beobachter

Omega 3

Grafische Darstellung, bei was Omega 3 hilft.
Quelle: Beobachter

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Chantal Hebeisen, Redaktorin

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