Bank oder Versicherung? Experte warnt vor teuren 3a-Fehlern
Falsche Entscheide kosten Sie bis zur Pensionierung Tausende Franken. Der Beobachter-Finanzexperte Martin Müller klärt auf, wie Sie richtig vorsorgen. Diskutieren Sie in den Kommentaren mit.

Welche 3a-Fragen beschäftigen junge Erwachsene besonders? Wir haben sie gesammelt und beantworten sie.
Die Säule 3a soll helfen, die Vorsorgelücke im Alter zu schliessen. Aber vielen unserer jüngeren Leserinnen und Leser ist es zu kompliziert, sich damit auseinanderzusetzen. Deshalb haben wir unsere Community gefragt, welche Fragen zur dritten Säule sie am meisten beschäftigen. Beobachter-Finanzexperte Martin Müller beantwortet sie.
Was müssen junge Erwachsene über die Säule 3a unbedingt wissen?
Dass AHV und Pensionskasse allein kaum ausreichen werden, um im Pensionsalter ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Deshalb ist es wichtig, selbst vorzusorgen, sobald man finanziell dazu in der Lage ist.
Ab welchem Einkommen lohnt sich das Einzahlen in die Säule 3a?
Entscheidend ist nicht die Höhe des Einkommens, sondern ob man langfristig Geld auf die Seite legen kann und will. Steuerlich gesehen lohnt sich jede Einzahlung.
Was sind die grössten Rendite-Killer in der Säule 3a?
Viele unterschätzen, dass sie aufgrund der langen Laufzeit (bis zur Pensionierung) grössere Risiken eingehen könnten. Sie verschenken Rendite, indem sie das 3a-Geld auf einem Bankkonto lassen, statt es in Wertschriften anzulegen. Je länger es noch bis zur Pensionierung dauert, desto höher kann theoretisch der Aktienanteil sein. Aufgrund des Zinseszinseffekts gilt: Je länger der Zeitraum, desto grösser die Wirkung. Der zweite grosse Rendite-Killer sind hohe Gebühren und Verwaltungskosten. Ob man 0,2 oder 2 Prozent Gebühren bezahlt, kann bis zur Pensionierung Tausende von Franken Unterschied ausmachen. Dieses Geld fliesst nicht ins Alterskapital.
Was sind die steuerrechtlichen Vor- und Nachteile der dritten Säule?
Der Vorteil: Jeden einbezahlten Franken – abzüglich Gebühren – kann man vom steuerbaren Einkommen abziehen. Das senkt die Steuerbelastung heute. Je höher das Einkommen und je höher der Steuersatz am Wohnort, desto grösser die Ersparnis.
Der Nachteil: Beim Bezug der 3a-Gelder werden später Steuern fällig. Wie hoch diese sein werden, weiss man heute nicht. Das kann sich bis dahin ändern. Stand heute ist die Steuer beim Bezug jedoch tiefer als die Steuerersparnis beim Einzahlen.
Bank oder Versicherung – was raten Sie für die Säule 3a?
Der Beobachter rät grundsätzlich dazu, Sparen und Versichern zu trennen. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, mit der Kombination beider Dinge spart man kein Geld, und Kombiprodukte sind teuer, intransparent und unflexibel. Bei einer Banklösung fliesst jeder einbezahlte Franken direkt in die Altersvorsorge. Anleger bleiben flexibel und bestimmen die jährliche Einzahlung selbst. Bei einer Versicherung binden sich Kundinnen und Kunden an einen fixen Jahresbetrag. Da diese Verträge bis zur Pensionierung laufen, passen sie oft nicht zu veränderten Lebenssituationen. Anpassungen bedeuten meist finanzielle Einbussen.
Was tun, wenn sich herausstellt, dass man eine 3a-Lebensversicherung nicht mehr braucht?
Generell gilt: Wer eine laufende Lebensversicherung nicht mehr braucht, beendet diese am besten. Auch wenn das kurzfristig Geld kostet, ergibt das Weiterzahlen von Prämien keinen Sinn. Wer sich gegen Invalidität oder einen Todesfall absichern will, tut dies idealerweise ausserhalb der Säule 3a.
Kann man eine 3a-Lösung wechseln oder übertragen?
3a-Bankkonten lassen sich einfach und unkompliziert zu einem anderen Anbieter übertragen. 3a-Versicherungen hingegen nicht. Hier ist man an den Vertrag gebunden.
Wie nutze ich die Säule 3a für den Hauskauf, und was hat es mit der indirekten Amortisation auf sich?
Der Bezug von 3a-Geldern vor dem 60. Altersjahr ist unter gewissen Bedingungen erlaubt. Unter anderem für den Kauf von selbst genutztem Wohneigentum oder zur Rückzahlung einer Hypothek. Das ist empfehlenswert, wenn man sonst nicht das nötige Eigenkapital aufbringen kann. Beim Bezug wird jedoch die gleiche Steuer fällig wie später beim Bezug im Alter. In der Regel muss die Hypothek amortisiert, also schrittweise abbezahlt werden. Oft schlägt die Bank vor, dies indirekt zu tun: Man überweist das Geld nicht direkt an die Bank, sondern zahlt in die Säule 3a ein und verpfändet dieses Guthaben. So profitiert man weiterhin von der 3a-Steuerersparnis.
Was passiert mit der Säule 3a bei längerer Arbeitslosigkeit oder bei einem Wegzug aus der Schweiz?
Solange man beim RAV gemeldet ist und Taggelder bezieht, darf man weiterhin in die Säule 3a einzahlen, sofern man es sich leisten kann. Ist man ausgesteuert oder aus einem anderen Grund nicht mehr erwerbstätig, sind Einzahlungen nicht mehr erlaubt. Das bereits einbezahlte Geld bleibt bis zum 60. Geburtstag blockiert. Ausser man macht sich selbständig, wandert aus oder bezieht eine IV-Rente.
Bei einem definitiven Wegzug ins Ausland kann man die 3a-Gelder beziehen (man muss es jedoch nicht). Erfolgt die Auszahlung nach der Abmeldung ins Ausland, fällt darauf eine Quellensteuer an.
Wie gehen Sie bei Ihrer privaten Vorsorge vor? Setzen Sie auf eine Banklösung oder eine Versicherung? Investieren Sie in Wertschriften, oder lassen Sie das Geld auf dem Konto? Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Fragen in der Kommentarspalte.






