Wenn der Schuldensanierer alles noch verschärft
Ein Aargauer Paar landet in der Schuldenfalle. Und als es Hilfe sucht, wird es abgezockt. Der Beobachter zeigt, wer bei Schulden wirklich hilft.

Veröffentlicht am 16. März 2026 - 15:55 Uhr

Wer Schulden hat, kann sich an eine kantonale Schuldenberatungsstelle wenden.
Der Traum von der eigenen Familie fängt hoffnungsvoll an. Ein Zimmer, das bald mit Lachen gefüllt sein sollte. Ein Kinderbett, eine Wickelkommode. Doch für ein Paar aus dem Kanton Aargau bleibt dieses Zimmer leer. Stattdessen wächst ein Berg aus Rechnungen.
Mehrere kostspielige Fruchtbarkeitsbehandlungen im In- und Ausland haben ein tiefes Loch in ihre Haushaltskasse gerissen. Über 50’000 Franken haben die Versuche verschlungen. Am Ende steht das Paar vor dem Nichts: keine Schwangerschaft – und ein Konto tief im Minus.
Das falsche Versprechen vom schnellen Ausweg
Beim Scrollen auf Social Media entdeckt der Mann ein verlockendes Angebot: der schnelle Ausweg aus der «Schuldenhölle». Ein Klick, ein Versprechen – alles soll gut werden. Was das Paar damals nicht ahnt: Sie sind nicht an Retter geraten, sondern an einen kommerziellen Schuldensanierer. Statt echter Hilfe bekommen sie vor allem eines: weitere Rechnungen.
Denn die Firma verlangt erst einmal Vorschüsse. Sie handelt dann zwar Abzahlungsverträge mit den Gläubigern aus, doch diese sind für sie so unattraktiv, dass sie abwinken. Als das Paar daraufhin sein Geld zurückwill, verlangt die Sanierungsfirma noch mehr Geld. Insgesamt fast 4000 Franken. Das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» hat über den Fall berichtet.
Die schwarzen Schafe im Schulden-Business
Wer kein Geld hat, wird oft zur Zielscheibe von Firmen, die an der Not mitverdienen wollen – und landet noch tiefer im Schuldenloch. Doch wer weiss, wo Vorsicht geboten ist, kann sich schützen.
Der Beobachter zeigt, wie Sie faule Deals entlarven:
- Das Blaue vom Himmel: Versprechen wie «Sofort sorgenfrei» oder «Schuldenfrei in 24 Monaten» sind unseriös. Eine Sanierung ist nicht immer möglich. Und wenn, dann braucht es Zeit.
- Vertrag vor Analyse: Wer zur Unterschrift drängt, bevor er die gesamte finanzielle Situation analysiert und ein detailliertes Budget erstellt, ist nicht vertrauenswürdig.
- Erst einmal zahlen: Unseriöse Anbieter stellen oft eine Rechnung, bevor sie eine Leistung erbringen. Seriöse Hilfe kostet am Anfang nichts oder nur sehr wenig.
- Versteckte Gebühren: Kosten für Telefonate, Porti oder Aktenführung riechen verdächtig nach Abzocke.
- Doppelrolle: Vorsicht, wenn die Sanierungsfirma gleichzeitig Inkasso-Dienstleistungen für Gläubiger anbietet.
Wo es wirklich Hilfe gibt
Hilfe findet man nicht über bunte Werbebanner auf Social Media, sondern bei den offiziellen kantonalen Schuldenberatungsstellen. Diese Profis arbeiten rechtlich fundiert, diskret und meist kostenlos oder sehr günstig. Sie erarbeiten ein realistisches Budget, das die Existenz sichert und gleichzeitig die Rückzahlung plant. Eine Liste seriöser Stellen finden Sie bei der Schuldenberatung Schweiz.
Das Paar aus dem Kanton Aargau wäre bei der Schuldenberatung Aargau–Solothurn wohl besser beraten gewesen. Trotzdem geht die Geschichte für sie gut aus: Die Sanierungsfirma behauptet zwar zunächst, sie habe die vertraglich vereinbarte Leistung erfüllt. Am Schluss lenkt sie aber trotzdem ein und verspricht, einen Grossteil des Geldes zurückzuzahlen – aus Kulanz.
Haben Sie Fragen zu Verträgen, Schulden oder Konsumrechten? Die Expertinnen und Experten des Beobachter-Beratungszentrums helfen Ihnen, rechtlich sicher zu handeln.
- Schuldenberatung Schweiz: Hilfe bei Schulden in Ihrer Region
- SRF: «Finanzsanierer» verschlimmern die finanziellen Nöte eines Paares




