Wurde ich Opfer von Twint-Betrug – oder doch nicht?
Unsere Autorin hat plötzlich 33 Franken auf dem Konto und fragt sich: Will mich da jemand betrügen? Ein Selbstversuch: Wie man echte Irrtümer von Betrugsmaschen unterscheidet.

Veröffentlicht am 20. Januar 2026 - 13:22 Uhr

Unsere Journalistin erhielt unerwartet eine Gutschrift und sofortige Rückforderungen per Chat.
Plopp. Auf meinem Handy-Display taucht eine unbekannte Nummer auf: «Je vous en prie est-ce que vous pourriez me retwinter les 33.– que je vous ai envoyé hier par erreur.» Dafür reicht sogar mein Schulfranzösisch: Ich solle eine irrtümliche Twint-Überweisung rücküberweisen. Ich checke kurz die App. Tatsächlich. Ich bin über Nacht 33 Franken reicher geworden. So scheint es zumindest.
Als Journalistin und Rechtsanwältin denkt man vielleicht immer an das Schlimmste. An all die schrägen und mehr oder weniger raffinierten Betrügereien. Ein Klick, und schwupps, sind Tausende von Franken verloren. Die Sache kommt mir seltsam vor. Auch weil alles so dringend tönt: «Je ne vais pas passer le mois sinon et je travaille très dur pour cet argent.» Hart verdientes Geld also.
Emilia lächelt sympathisch
Vom Profilbild der Nummer lächelt mir eine hübsche junge Frau zu, die vor einem Billettautomaten steht. Eine Emilia gemäss Whatsapp. Hm, will mich hier jemand mit gespielter Sympathie einlullen? Ist das Bild echt? Wer lässt sich vor einem Billettautomaten fotografieren? Und: Würde eine Betrügerin nicht mehr fordern als bloss 33 Franken?
Ich rufe meinen Kollegen Otto Hostettler an. Der Experte, wenn es um alles Zwielichtige und Schauerliche geht – Darknet, Scams und Cybercrime. Er weiss: Tatsächlich kommen bei Twint immer wieder versehentliche Zahlungen vor.
«Mir kam das seltsam vor.»
Katharina Siegrist, Beobachter-Redaktorin
Emilia macht einen Zahlendreher geltend, sie hätte das Geld einem Freund schicken wollen, anstelle einer 9 allerdings eine 3 getippt. Mein Arbeitskollege empfiehlt, die Person anzurufen. Eine Schweizer Telefonnummer garantiere noch lange nicht, dass die Person auch wirklich in der Schweiz sei. «Betrüger schaffen es immer wieder, dass ihnen Komplizen in der Schweiz eine SIM-Karte senden. So können sie sich aus dem Ausland beispielsweise als Schweizer Twint-Nutzer ausgeben.» Leider nimmt Emilia nicht ab.

Die Fremde bat mehrmals darum, die 33 Franken zurückzuüberweisen.
«Meistens verlangen die Betrüger überschaubare Summen»
Vorsichtig sollte man werden, wenn man in einen Chat verwickelt werde, so Hostettler. «Beispielsweise dann, wenn verlangt wird, das Erhaltene an eine andere Person weiterzuleiten. Womöglich unter Abzug einer kleinen Provision.» Hier könne man schnell zum sogenannten Money Mule werden und sich sogar wegen Geldwäscherei strafbar machen. Allein der tiefe Betrag spreche per se noch nicht gegen eine Betrugsmasche. «Meistens verlangen die Betrüger anfänglich relativ überschaubare Summen.»
«Emilia kann dir nicht einfach Geld abzügeln.»
Otto Hostettler, Beobachter-Redaktor
Emilia will alles andere als mich in ein Gespräch verwickeln. Sie will vor allem das Geld zurück. «Wenn du die 33 Franken», so der Kollege, «via Twint zurücküberweist, dürfte dir eigentlich nichts passieren. Emilia kann dir nicht einfach Geld abzügeln.»
Das tönt gut. Ich twinte Emilia die 33 Franken zurück. Und die Antwort folgt prompt: «Thanks so much!!»
- Leiten Sie nie Geld an unbekannte Dritte weiter, das Ihnen zuvor angeblich irrtümlich überwiesen wurde.
- Scannen Sie nie einen QR-Code, den Unbekannte Ihnen zusenden.
- Kontaktieren Sie bei fraglichen Transaktionen im Zweifelsfall Ihre Bank.




