Die Schweizer Arbeitgeber- und Gewerbeverbände schlagen Alarm: Die schulischen Grundlagen der Schulabgänger seien im besorgniserregenden «Sinkflug». So das Fazit einer Umfrage unter 2900 Ausbildungsbetrieben, durchgeführt von Economiesuisse. Sechs von zehn Ausbildungsverantwortlichen finden, die Jugendlichen hätten beim Eintritt in die Berufslehre gravierende Defizite beim Schreiben und Rechnen. Jedes fünfte der befragten Unternehmen droht gar, künftig weniger Lehrlinge auszubilden oder das Angebot zu reduzieren. Ein düsteres Szenario für das Schweizer Erfolgsmodell der dualen Berufsbildung.

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Methodische und inhaltliche Schwächen

Allerdings halten Bildungsfachleute und Wissenschaftlerinnen die Studie selbst für mangelhaft. «Es lassen sich einige methodische Mängel feststellen», sagt Axel Franzen von der Uni Bern zum Beobachter. Es handle sich bei der Erhebung nicht um eine Zufallsstichprobe. Das werfe die Frage auf, wie repräsentativ die Ergebnisse sind. Die Studienergebnisse hält Franzen vor dem Hintergrund der Pisa-Befunde aber trotzdem für plausibel.

Im Gegensatz zu Pisa leistet die jetzige Umfrage für die Berner Bildungsforscherin Andrea Erzinger aber keinen konstruktiven Beitrag zur Debatte. «Um Trends wie ‹sinkende Leistungen› empirisch sauber nachzuweisen, müssten Daten mit Leistungstests zu verschiedenen Zeitpunkten erhoben und verglichen werden. Subjektive Wahrnehmungen sind dafür ungeeignet. Rückblickende Einschätzungen sind zudem anfällig für diverse Verzerrungen», so Erzinger.

Rückgang in allen OECD-Ländern

Die Herausgeber der Studie bestreiten die fehlende Repräsentativität nicht. Der Verzerrungseffekt werde aber durch die sehr hohe Fallzahl von 2900 Rückmeldungen reduziert, schreibt Nicola Sollberger von Economiesuisse dem Beobachter. Die Ergebnisse würden sich mit den Trends der Pisa-Studien decken.

«Tatsächlich ist in allen OECD-Ländern ein Rückgang der Grundkompetenzen zu beobachten», sagt Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, zum Beobachter. Wobei die Schweiz in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften über dem Durchschnitt der OECD liege. «In Mathematik und in Naturwissenschaften erzielen die 15-jährigen Jugendlichen in der Schweiz regelmässig sehr gute Resultate», so Rösler.

Es gibt Handlungsbedarf

Anders, als die Studie den Anschein macht, sehen die angefragten Expertinnen und Experten nicht, dass die Schweizer Lehrlinge generell schulisch schwächer werden. So zeige sich im Leistungsniveau bei Schülerinnen und Schülern mit hohem familiärem Bildungshintergrund kein Negativtrend.

«Die Gruppe mit den schlechtesten Resultaten macht mir Sorgen», sagt der Zürcher Erziehungswissenschaftler Yves Karlen zum Beobachter. Rund ein Viertel der 15-Jährigen erreiche im Lesen die von der OECD definierten Mindestkompetenzen nicht, in Mathematik sei es fast ein Fünftel. «Das sind Jugendliche, die am Ende der obligatorischen Schulzeit Schwierigkeiten haben werden, einen anspruchsvollen Text zu verstehen. Hier müssen wir ansetzen», so Karlen.

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