So viele Maserninfektionen wie seit über 30 Jahren nicht mehr: Der US-Bundesstaat Pennsylvania kämpft zurzeit mit Ausbrüchen, auch im benachbarten Bundesstaat New York hat die Gouverneurin Kathy Hochul den Notstand ausgerufen. Die Probleme mit Masern bestehen in den USA schon länger und schwappten unlängst über die Landesgrenze hinaus: Vergangenen November verlor Kanada den WHO-Status «masernfrei» – nach fast 30 Jahren.

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Vorletzte Woche sorgte der unaufgeklärte Todesfall einer Laborangestellten im russischen Irkutsk für Spannungen zwischen Russland und der WHO. Laut internationalen Medien hat sich die 28-jährige Darija Schipilowa vor ihrem Tod mit der Lungenpest infiziert. Russland nennt als Todesursache eine «Lungeninfektion unbekannter Herkunft». Trotzdem deuten die lokalen Vorsichtsmassnahmen darauf hin, dass Russland den Vorfall herunterspielen will: So wurden 200 Kontaktpersonen der Verstorbenen vorsorglich unter medizinische Beobachtung gestellt und isoliert. Das Spital, in dem die Frau verstarb, wurde ebenfalls vorübergehend unter Quarantäne gestellt.

Warum sinkende Impfquoten Masern und Pest zurückbringen

Sowohl die Masern als auch die Lungenpest gehören zu Krankheiten, die im Westen eigentlich als ausgerottet gelten. Warum treten sie nun wieder vermehrt auf? Die einfache Antwort: Weil weniger Menschen geimpft sind. Yvonne Schmiedel, leitende Ärztin am Zentrum für Reisemedizin (ZRM) der Universität Zürich sagt zum Beobachter: «Viele europäische Länder zählen als ‹masernfrei›. Allerdings erfordert dies eine Herdenimmunität von 95 Prozent, also eine zu mindestens 95 Prozent geimpfte Bevölkerung. Beim Nachlassen der Impfaktivitäten verbreitet sich diese sehr ansteckende Infektion erneut.»

«Die aktuelle Situation in den USA zeigt durch ein sehr besorgnis­erregendes Negativ­beispiel, wozu eine verminderte Impf­akzeptanz führt.»

Yvonne Schmiedel, Zentrum für Reisemedizin

Genau das passiert in den USA. US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. ist ein bekannter Impfgegner und rät immer wieder öffentlich von Impfungen ab, die er mit Autismuserkrankungen in Zusammenhang bringt. Schmiedel sagt: «Die aktuelle Situation in den USA zeigt durch ein sehr besorgniserregendes Negativbeispiel, wozu eine verminderte Impfakzeptanz führt.» 

Zum mutmasslichen Pestfall in Russland will sich die Ärztin nicht äussern, es gebe noch zu wenige Informationen. «Auch wir haben aktuell nur Zugang zu den öffentlichen Medienquellen.» Das Risiko einer Pandemie wie bei Covid-19 schätzen Experten aber als gering ein.

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César Metzger, Chef des Fachbereichs Biologie beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz, gab in einem «Blick»-Artikel Entwarnung für die Schweiz: «Die Pest ist gut behandelbar, wenn sie früh erkannt wird.» Die Behandlung erfolgt heute standardmässig mit Antibiotika.

Das Impf-Dilemma: Welche Versorgungslücken entstehen

Auch bei Masern gibt Schmiedel grundsätzlich Entwarnung: «Das Risiko der Ansteckung von Masern ist in den USA, wo entsprechend Masernausbrüche gemeldet sind, nur dann relevant, wenn Personen nicht geimpft sind. In der Schweiz sind gemäss BAG über 95 Prozent der Bevölkerung gegen die Masern geimpft, so dass für diese Personen kein Risiko besteht.» In der Schweiz erhalten Kinder in der Regel zwei Impfungen gegen Masern, die für einen lebenslangen Schutz ausreichen. Diese Impfungen werden gemäss Schmiedel sehr konsequent durchgeführt. 

Anders sieht es bei Krankheiten aus, die eine Auffrischimpfung im Erwachsenenalter erfordern, wie etwa Tetanus oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Schmiedel beobachtet, dass Routineimpfungen bei Erwachsenen nicht mehr so genau im Auge behalten werden wie bei Kindern. Auf eine zunehmende Impfskepsis lasse sich das zwar nicht zurückführen, trotzdem warnt sie gegenüber dem Beobachter davor: «Es ist wichtig, die europäische Bevölkerung weiterhin gut zu impfen. Damit dies gelingt, müssen wir die zunehmende Impfskepsis ernst nehmen und ihr mit einem guten Dialog begegnen.»