Wenn die Orion-Kapsel mit den vier Nasa-Astronauten an Bord wieder in die Erdatmosphäre eintaucht, ist sie 38’000 km/h schnell. Das ist 30-mal so schnell wie der Schall. 20 Minuten zuvor hat sich die Kapsel von ihrem Antriebs- und Versorgungsmodul (ESM) getrennt. Das ESM hat in den vergangenen zehn Tagen die Orion-Kapsel mit Strom versorgt und damit das Überleben der Crew gesichert – auch dank Schweizer Technologie. 

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Solarflügel mit Heizung aus der Schweiz

Die tragenden Strukturen des ESM hat das Schweizer Unternehmen Beyond Gravity mit Sitz in Zürich gefertigt, früher auch bekannt als Ruag Space. «Diese grossen Aluminiumteile zu fräsen, ist technisch extrem anspruchsvoll, um die vorgegebenen Toleranzen einzuhalten, weil die Teile sehr dünnwandig sind», sagt Sprecher Christian Thalmayr.

Ebenfalls von Beyond Gravity stammen die Ausrichtemechanismen der Solarflügel. Sie versorgen das Raumfahrzeug mit Strom und müssen während der gesamten Mission optimal zur Sonne gestellt werden. Um auch in der extremen Kälte des Weltraums zu funktionieren, sind diese überlebenswichtigen Bauteile mit speziellen Heizungen ausgestattet. 

Zusammenarbeit durch Geo-Return-Prinzip

Die Zusammenarbeit von Beyond Gravity und der Nasa beziehungsweise der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) kam durch das sogenannte Geo-Return-Prinzip zustande. Das bedeutet konkret: Wenn die Schweiz finanzielle Mittel in die Esa einzahlt, erhält sie im Gegenzug Projekte und Aufträge in einer ähnlichen Grössenordnung für heimische Unternehmen oder Forschungseinrichtungen. 

Thalmayr stellt jedoch klar, dass dieses Prinzip allein noch keine Garantie für einen Auftrag sei, sondern dass ein Unternehmen «vor allem wettbewerbsfähig sein» müsse. «Wir dürfen die technologisch hochkomplexen Komponenten für das Nasa-Mondprogramm liefern, weil wir auf eine über zwei Jahrzehnte lange Erfahrung als führender europäischer Anbieter in diesem Spezialbereich zurückblicken können», so Thalmayr. Sein Fazit zur Artemis-II-Mission ist durchweg positiv, die Systeme hätten perfekt funktioniert. 

Auch die Berner Uni ist dabei

Dass amerikanische Raumfahrtingenieure auf Schweizer Präzision vertrauen, zeigt sich auch am Physikalischen Institut der Universität Bern. Dort werden hochsensible Sensoren für kommende robotische Mondlandungen entwickelt. Die Instrumente dienen dazu, Minerale und die darin enthaltenen Spurenelemente exakt zu messen sowie das Alter von Gesteinen zu datieren. In Labortests wurden die Sensoren bereits erfolgreich eingesetzt, um sehr alte Gesteinsproben auf Spuren von Fossilien aus der Entstehungszeit des Lebens zu untersuchen. 

Beratung mit Chatbot

Institutsdirektor Peter Wurz beschreibt den Kontakt mit der Nasa als sehr eng. «Wir tauschen uns in wöchentlichen Videokonferenzen aus und besuchen regelmässig die Nasa-Zentren in den USA.» Die Hardware werde in Bern gebaut, getestet und dann in die USA an die Firma geliefert, die die Landesonde für den Mond baue. «Wenn das Instrument eingebaut wird, sind wir vor Ort. Und natürlich auch, wenn die Sonde zum Mond fliegt, landet und unser Instrument die Messungen auf der Mondoberfläche durchführt.»

Bundesrat hat Artemis Accords unterzeichnet

Um die Partnerschaft mit der Nasa bei Mondmissionen auch langfristig sicherzustellen, hat der Bundesrat im April 2024 die sogenannten Artemis Accords unterzeichnet. Wie Martin Fischer vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) festhält, will die Schweiz damit für ihre Forschung und Industrie die «bestmöglichen Rahmenbedingungen» für die Teilnahme an künftigen Missionen der Nasa schaffen. Wenn Orion heute wie geplant vor der Küste von San Diego wassert, feiert Amerika nicht allein – es ist auch ein Beleg für die Verlässlichkeit der Schweizer Raumfahrtakteure.

Quellen
  • Mailkorrespondenz mit Beyond Gravity, Universität Bern, Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation