Diversität sei bei der BKW Power Grid mehr als ein Schlagwort, schreibt das staatsnahe Energieunternehmen auf Social Media. Für Sandra W. ein Hohn. Die BKW-Tochter kündigte der ehemaligen Managerin, die eigentlich anders heisst, trotz nachweislich sehr guter Leistungen 2024 überraschend. Und nicht nur ihr. Der Stellenabbau traf auch vier weitere Frauen. Vier der fünf waren wie Sandra W. über 50 Jahre alt.

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«Es bleibt der Eindruck zurück, dass die BKW gezielt ältere, gut bezahlte Frauen loswerden wollte.»

Ehemalige BKW-Managerin

Was die ehemalige BKW-Managerin am meisten stört: Trotz der offiziellen Begründung «Stellenwegfall» sei ihre Funktion von einer jüngeren, kostengünstigeren Junior-Mitarbeiterin weitergeführt worden. Auch andere angeblich weggefallene Stellen seien wieder besetzt worden. Zusätzlich seien zwei Frauen ihrer Führungspositionen enthoben worden, und die Leitung ihrer Teams habe ein Mann ohne vorherige Führungsverantwortung übernommen, sagt Sandra W. «Es bleibt der Eindruck zurück, dass die BKW gezielt ältere, gut bezahlte Frauen loswerden wollte.»

Erfolglose Schlichtung

Eine der betroffenen Frauen, die ebenfalls anonym bleiben möchte, um ihre Suche nach einer neuen Stelle nicht zu beeinträchtigen, bestätigt die Darstellung ihrer damaligen Arbeitskollegin. Sie sei danach lange auf Arbeitssuche gewesen und habe nur noch einen Job zu einem niedrigeren Lohn gefunden.

Sandra W. wirft der BKW einen Verstoss gegen das Gleichstellungsgesetz vor. Am Schlichtungstermin letzten Oktober erschien keine Vertretung des Berner Energiekonzerns – die Kündigungsfrist sei bereits abgelaufen gewesen, heisst es auf Anfrage. «Eine rechtzeitige Anfechtung wäre Voraussetzung gewesen, um eine gerichtliche Überprüfung herbeizuführen.»

Chatbot Rechtsberatung

Sandra W. erhielt zwar eine Klagebewilligung, verzichtete aber darauf, weiter juristisch gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber vorzugehen – auch wegen des grossen finanziellen Risikos. Bei einer Niederlage müsste sie neben den Gerichtskosten auch die Anwaltskosten der Gegenseite bezahlen. Ihr Fazit: «Wer während der Kündigungsfrist noch auf eine Weiterbeschäftigung hofft und nicht sofort eskaliert, bringt sich faktisch selbst um seine Rechte.»

BKW weist Diskriminierungsvorwurf zurück

Die BKW schreibt auf Anfrage, die Kündigungen seien damals aufgrund einer Reorganisation ausgesprochen worden. Das betroffene Team habe zu rund drei Vierteln aus Frauen bestanden. Darum seien auch mehr Frauen als Männer betroffen gewesen.

Tatsächlich habe man nach den Entlassungen eine neue Person mit einem «ähnlich lautenden Funktionstitel» angestellt, räumt die BKW ein. Diese habe über andere fachliche Kompetenzen verfügt und ein Aufgabengebiet übernommen, das sich «klar» von jenem von Sandra W. unterscheide und zudem lediglich ein Teilzeitpensum umfasse.

Den Vorwurf der Diskriminierung älterer Frauen weist das Energieunternehmen zurück und betont, weder Geschlecht noch Alter hätten bei der Reorganisation eine Rolle gespielt. Entscheidend seien die Qualifikationen für den künftigen Auftrag gewesen. Zudem hätten von den insgesamt neun weggefallenen Stellen zwei Frauen über 50 und ein Mann unter 50 in «geeignete, gleichwertige Funktionen» innerhalb der BKW wechseln können.

Nicht der erste Fall

Es ist nicht erste Fall, bei dem der BKW Diskriminierung vorgeworfen wird. 2024 berichtete der «Kassensturz» über eine ehemalige Kommunikationsleiterin, die trotz gleicher Position und Erfahrung rund 20’000 Franken weniger pro Jahr verdiente als ihr männlicher Kollege. Nach einer internen Beschwerde erhielt sie zwar den gleichen Lohn, musste aber vor Gericht, um auch rückwirkend die Differenz zu erhalten.

Bevor es zu einem Urteil kam, einigte sie sich mit der BKW auf eine Nachzahlung von 25’000 Franken, obwohl sie deutlich mehr gefordert hatte. Ein unschönes Ende, sagte sie damals. Doch sie lenkte ein, da der Rechtsstreit «schon genug nervenaufreibend und teuer» gewesen sei. Auch auf sie müssen die Frauenpower-Slogans der BKW auf Social Media befremdlich wirken.

Was haben Sie selbst erlebt?

Haben Sie im Alltag auch schon Diskriminierung erlebt? Erzählen Sie es uns in den Kommentaren.

Quellen