Lohnfrust: Ab dem siebten Sonntag arbeiten Verkäufer ohne Zuschlag
Die Politik will Läden an zwölf statt vier Sonntagen öffnen. Das bringt das Personal an die Belastungsgrenze. Gewerkschaften und SP drohen mit dem Referendum.

Veröffentlicht am 6. März 2026 - 11:42 Uhr

Das Verkaufspersonal steht unter Druck – und trotzdem sollen die Sonntagsverkäufe ausgeweitet werden.
Shoppen zu jeder Tages- und Nachtzeit? Was sich Kunden vielleicht wünschen, ist für die Angestellten eine Qual. Denn für sie bedeuten lange Arbeitszeiten und Sonntagsverkäufe Einschränkungen. Sie müssen die Kinderbetreuung organisieren und ihr Privatleben einschränken. Dennoch stellt sich die Politik hinter den Wunsch nach mehr Sonntagsverkäufen. Geschäfte sollen bald an zwölf Sonntagen statt wie bisher an vier pro Jahr offen haben.
Die Idee geht auf eine Standesinitiative des Kantons Zürich von 2023 zurück. Im August hat die Wirtschaftskommission des Ständerats einen Gesetzesentwurf veröffentlicht. Dieser ist aktuell in der Vernehmlassung. Was für die Verkäuferinnen und Verkäufer einschneidend ist: Wenn sie an mehr als sechs Sonntagen pro Jahr arbeiten, fällt der obligatorische Lohnzuschlag von 50 Prozent weg.
Ab siebtem Sonntag kein Lohnzuschlag
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die an bis zu sechs Sonntagen im Jahr arbeiten, haben Anspruch auf einen Lohnzuschlag von 50 Prozent. Arbeitgeber müssen die Sonntagsarbeit mit Freizeit ausgleichen: Bei bis zu fünf Arbeitsstunden am Sonntag wird 1:1 kompensiert. Bei mehr als fünf Stunden besteht in der vorhergehenden oder nachfolgenden Woche Anspruch auf einen Ersatzruhetag von 24 Stunden.
Wer häufiger Sonntagsarbeit leistet, bekommt keinen Lohnzuschlag. Das Arbeitsgesetz geht dann davon aus, dass die Sonntagsarbeit bereits im Grundlohn berücksichtigt ist. Immerhin besteht Anspruch auf einen zusätzlichen freien Tag unter der Woche.
Überbelastung, Krankheitsausfälle, Stress
Die SP findet es «besonders stossend», die Sonntagsarbeit auszuweiten. Sie prüft ein Referendum, wie die SP auf Beobachter-Anfrage schriftlich mitteilt.
«Aufgrund der zunehmenden Entgrenzung der Arbeit wird der freie Sonntag immer wichtiger. Er darf nicht zum Werktag werden.»
Thomas Bauer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail Suisse
Auch die Gewerkschaften sind alarmiert: «Die Krankheitsfälle im Verkauf gehen durch die Decke. Stress, Burn-out, körperliche Beschwerden – das ist die Realität», sagte Vania Alleva, Präsidentin der Gewerkschaft Unia, Ende Oktober. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Unia zusammen mit der Gewerkschaft Syna eine Petition mit 9000 Unterschriften gegen die Ausweitung der Sonntagsverkäufe eingereicht. Die Gewerkschaften fordern das Parlament auf, die Gesundheit der Angestellten zu schützen. Der Arbeitnehmenden-Dachverband Travail Suisse droht ebenfalls mit dem Referendum.
«Das Parlament versucht, immer mehr Grenzen in der Arbeitswelt einzureissen», sagt Thomas Bauer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail Suisse. Die Folge ist eine stetig zunehmende Zahl von erschöpften Arbeitnehmenden. Der arbeitsfreie Sonntag ermöglicht ihnen zumindest einmal in der Woche eine Erholung von der Arbeit. «Aufgrund der zunehmenden Entgrenzung der Arbeit wird der freie Sonntag immer wichtiger. Er darf nicht zum Werktag werden.»
- Ch.ch: Sonntags- und Nachtarbeit
- Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco): Nacht- und Sonntagsarbeit
- Travail Suisse: Kommission will Verkaufspersonal an 12 Sonntagen arbeiten lassen – Travail.Suisse droht mit Referendum



