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Mediation

Gütlich zum Handschlag

Jörn Rynio/Plainpicture

Ob Nachbarschaftskrieg, Scheidung oder Probleme am Arbeitsplatz: Die Mediation ist eine bewährte Methode zur Lösung verschiedenartiger Konflikte.

von aktualisiert am 19. März 2018

Ein aufreibender Kampf vor Gericht? Oder lieber eine aussergericht­liche Verhandlung, bis eine von allen als fair empfundene Lösung auf dem Tisch liegt? Für Letzteres bietet sich eine Mediation an,­ vorausgesetzt, alle Beteiligten sind gewillt, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und den Konflikt zu lösen. Das klingt schwieriger, als es ist. Die Streitenden werden von einem neutralen Vermittler – dem Mediator – an­geleitet und bei der Lösungssuche unterstützt. Die Verantwortung für die Lösung liegt aber bei den Parteien selbst.

Mediation: Beispielfall

Das Beobachter-Beratungszentrum ­erhält täglich Anfragen, etwa zu Nachbarschaftskonflikten. Ein typischer Fall: In einer Reiheneinfamilienhaus­sied­lung wohnen die ­Familie Amsteg* und das Ehepaar Schütz*. Sie liegen sich seit einem Jahr in den Haaren. «Die Kinder sind laut; wenn ich um Ruhe bitte, werden sie frech», jammert Barbara Schütz. Ihr Mann ­ärgere sich auch über die Spielsachen, die auf dem gemeinsamen Weg zum Haus lägen. Die Amstegs verstehen die Aufregung nicht – im Gegenteil: Sie ärgern sich über die Hecke der Nachbarn. «Früher war unser Sitzplatz sonnig, jetzt sitzen wir in einem dunklen Loch», so Fredy Amsteg. Auch über den Standort der Grüntonne streiten sie schon länger.

Beide Seiten haben Strafanzeige wegen Beschimpfung eingereicht. Die Amstegs überlegen sich nun, gericht­liche Schritte wegen der hohen Hecke einzuleiten. Die Nachbarn können den Konflikt nicht mehr alleine lösen.

*Name geändert

Mediation: Vorteile

In einer Mediation bestimmen die Parteien das Ergebnis selbst, der Mediator hat also keine Entscheidungskompetenz. Im Vordergrund stehen nicht rechtliche Positionen, sondern die eigenen Anliegen. Deshalb können auch – anders als vor Gericht – kreative Lösungen vereinbart werden.

In der Mediation wird so lange verhandelt, bis eine für alle Beteiligte faire Lösung da ist. Das ist wichtig, denn was als gerecht empfunden wird, wird auch eingehalten. Entscheidet ein Gericht, ist allein die Rechts- und Beweislage relevant – eine Partei «siegt», die andere «verliert».

Ein weiterer Vorteil einer Media­tion: Das Verfahren ist rasch, kostengünstig und flexibel. Demgegenüber gelten vor Gericht starre Verfahrens­regeln: Entscheide sind anfechtbar, und bis ein rechtskräfti­ger Entscheid vorliegt, dauert es oft Jahre. Entsprechend hoch können die Kosten für Gericht, Anwalt und Gutachter werden.

Es braucht etwas Mut, sich auf eine Mediation einzulassen, aber es lohnt sich. Auch für die Paare Amsteg und Schütz in unserem Beispiel wäre eine friedliche Lösung ein Gewinn, denn sie wohnen weiterhin Tür an Tür. Lassen sie die Konflikte nicht hinter sich, wird es eine Frage der Zeit sein, bis ­eine Partei wegziehen muss.

Für welche Konflikte ist Mediation geeignet?

  • bei Schwierigkeiten mit Partner oder Kindern, bei einer Trennung oder Scheidung
  • bei Erbstreitigkeiten
  • beim Streit unter Nachbarn, 
  • unter Stockwerkeigentümern oder zwischen Mieter und Vermieter
  • bei Sorgen am Arbeitsplatz
  • bei Problemen in der Schule
  • bei Unklarheiten beim Bauen
  • im Umgang mit Versicherungen
  • bei Krisen in der Wirtschaft
  • nach Straftaten
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Mehr zu Mediation bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Eine Mediation hat gegenüber einem gewöhnlichen Gerichtsverfahren einige Vorteile. Mitglieder von Guider erfahren, wie eine Mediation bei verhärteten Fronten zwischen Erben helfen kann und wie Ehepaare bei einer Scheidung zu einer Lösung finden. Ebenso kann die Mediation dazu führen, eine aussergerichtliche Einigung bei Arbeitskonflikten wie Mobbing zu erreichen.

Mediation: Regeln

Als Grundregel gilt: Die Gespräche müssen von allen vertraulich behandelt werden. Deshalb dürfen die Aussagen in einem allfälligen späteren Gerichtsverfahren nicht verwendet werden. Auch der Mediator verpflichtet sich, vor Gericht nicht auszusagen. Zentral ist auch, ehrlich und offen zu kommunizieren – anders ist eine faire Lösung nicht möglich. Dazu gehört, dass man einander ausreden lässt und Beschimpfungen unterlässt.

Im Beispiel der streitenden Nachbarn ist der Konflikt schon so weit eskaliert, dass bei der Polizei Straf­anzeige eingereicht wurde. So kann aber nicht verhandelt werden. Wollen die involvierten Paare die Anzeigen nicht zurückziehen, müssen sie zumindest die vorläufige Sistierung des Strafverfahrens verlangen.

Auch müssen die Beschimpfungen aufhören. Der Mediator stellt gezielte Fragen, so wächst das gegenseitige Verständnis. Er unterstützt die Parteien wohlwollend, bevorzugt aber keine. Wenn nötig, erinnert er an die Regeln und sorgt für einen sicheren Diskussionsrahmen.

Wichtig ist schliesslich: Die Mediation ist freiwillig. Wer die Verhandlungen nicht mehr weiterführen will, darf sie abbrechen. Empfehlenswert ist aber ein letztes gemeinsames Gespräch über mögliche Alterna­tiven und die nächsten Schritte.

Mediation: Staatliche Schlichtung

Auch wenn bereits rechtliche Schritte eingeleitet worden sind, ist eine Media­tion noch möglich: Seit Inkrafttreten der Schweizerischen Zivilprozessordnung 2011 können die Parteien zwischen staatlicher Schlichtung und Mediation wählen. Sie können auch jederzeit die Sistierung eines Gerichtsverfahrens verlangen, um eine Mediation durchzuführen.

Mediation: Kosten

Abgerechnet wird nach Aufwand. Der Stundenansatz eines Mediators beträgt in der Regel 180 bis 400 Franken. Mediatoren mit ­juristischem Grundberuf sind teurer als solche, die aus einem psychosozialen Umfeld stammen. Angeboten werden auch Co-Mediationen: Geleitet wird das Verfahren dann von zwei Fachpersonen meist unterschiedlichen Geschlechts und beruflichen Hintergrunds. Das wirkt sich auf den Preis aus, hat aber gerade in komplexen Fällen Vorteile – vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei.

Die Aufteilung der Kosten wird im Voraus ausgehandelt, meist übernehmen die Parteien ­diese je zur Hälfte. Wer eine Rechtsschutzversicherung hat, sollte vorher abklären, ob sie die Kosten übernimmt. Fehlen die finanziellen Mittel, kann im Zusammenhang mit einem gerichtlichen Verfahren gar ­eine unentgeltliche Mediation beantragt werden. Ein Rechtsstreit mit ­Anwälten vor Gericht ist oft sehr viel teurer als eine Mediation.

Mediation: Dauer

Die Dauer hängt von der Komplexität des Konflikts und von der Verhandlungsbereitschaft der Parteien ab. In den meisten Fällen reichen erfahrungsgemäss zwei bis acht Sitzungen.

Mediator/-in: Finden 

Die Berufsbezeichnung Mediator ist nicht geschützt. Daher sollte bei der Wahl auf die Zertifikation der Fachleute geachtet werden. Der Schweizerische Dachverband Mediation (SDM) hat die Anforderungen an die Ausbildung und die Pflicht zu regelmäs­siger Weiterbildung geregelt. Wer sie ­erfüllt, kann sich vom Verband zertifizieren lassen und sich «Mediator/-in SDM-FSM» nennen; ein entsprechendes Verzeichnis mit 700 Adressen ­findet sich auf der Website des SDM. Weitere zertifizierte Fachtitel sind etwa «Familienmediator SVM», «Mediator SAV» oder «Mediator SKWM».

Daneben muss aber auch das Bauchgefühl stimmen: Wer sich nach einem ersten Gespräch eine Zusammenarbeit nicht vorstellen kann, sollte absagen. Und wer unsicher ist, ob Mediation das Richtige ist, kann sich beim SDM kostenlos beraten lassen .

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