Warum diese 24-Jährige in die RS einrückt
Pierina Westermann bricht mit Klischees: Die 24-Jährige will Soldatin werden. Damit gehört sie in der Schweizer Armee einer klaren Minderheit an.

Veröffentlicht am 14. Juli 2026 - 16:57 Uhr
Rund 8000 Rekruten rücken dieses Jahr in die Sommer-RS ein – darunter gerade mal 205 Frauen. Mittendrin: Pierina Westermann. Schon vor einem Jahr diskutierte die Berner Studentin am runden Tisch des Beobachters über Kriegsangst und Panzerkäufe. Darüber, dass Frauen erst dann obligatorisch einrücken sollten, wenn sich die Lohnschere endlich schliesst.
Jetzt macht die 24-Jährige Ernst. Nicht aus vaterländischem Pathos, denn für die Schweiz sterben würde sie nicht. «Aber für alle, die mir wichtig sind.» Soldatin zu sein, bedeute für sie, Teil eines grösseren Gefüges zu werden. Das stösst nicht überall auf Verständnis. Wer als Frau freiwillig Kampfstiefel anzieht, erntet auch heute noch blöde Kommentare: «Entweder bist du eine Kampflesbe oder eine Kompaniematratze», drückte es eine ihrer Bekannten aus.
94 Prozent erleiden sexualisierte Gewalt
Solche Sprüche sind das eine, die nackten Zahlen das andere: Eine VBS-Studie legte offen, dass 94 Prozent der Frauen im Militär bereits Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt gemacht haben. «Man sieht, dass das Militär nicht weiter ist als die Gesellschaft», sagt Westermann. Warum sie trotzdem einrückt? Nicht um dem System etwas zu beweisen, sondern für sich selbst. Und für zukünftige Rekrutinnen: «Jede Frau, die geht, macht es angenehmer für die nächste.»
Was Pierina Westermann in der Rekrutenschule erlebt, erfährt der Beobachter im kommenden Herbst bei einem Besuch in der Kaserne.




