«Sie kommen uns ziemlich alt vor», schrieb das Luzerner Kulturmagazin im Sommer 2017. Und meinte mich. Ich sei «wie eine alte Schachtel ohne Lebensinhalt, die im Zügel-Sommerloch Falschparkierer verzeigt». Der Beitrag war eine Strafaktion. Und sie sollte nicht die einzige bleiben.

Mein Vergehen: Ich hatte darüber berichtet, dass das Luzerner Kulturzentrum Neubad Partys in einem Keller veranstaltete, der die Brandschutzauflagen nicht erfüllte. Die feuerpolizeiliche Abnahme zeigte, dass die Notausgangsschilder im Notfall streikten. Aus den Wänden ragten alte Leitungen. Eine Treppe, über die die Besucher den Keller im Brandfall schnell verlassen könnten, fehlte. Trotzdem war der 100-Quadratmeter-Raum mehrfach voller Partygäste. Die Gastgewerbepolizei reagierte mit einer Strafanzeige auf den Artikel.

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Die Berichterstattung sorgte in Luzern für einen Aufschrei. Doch die Empörung richtete sich eben nicht gegen die Neubad-Betreiber. Sondern gegen mich. Ich erhielt mehrere anonyme Mails mit Beschimpfungen. Einer schrieb, ich sei in der Kulturszene nun eine Persona non grata. Ein anderer erteilte mir «Hausverbot». Ich solle es nicht wagen, das Neubad je wieder zu betreten. Ein Dritter erinnerte mich freundlich daran, dass ich auch schon mal in einem illegalen Club Gast gewesen sein soll – ob mein Chef davon wisse?

Beobachter ermöglicht anonyme Meldungen

Ich machte die Erfahrung: Wer vor Gefahren warnt, gilt schnell als Spielverderberin. Und gerät unter Druck. Die Katastrophe in Crans–Montana zeigt aber gerade, wie wichtig es ist, sich nicht einschüchtern zu lassen. Deshalb betreibt der Beobachter die Plattform «Sicher melden», unter der Sie uns Informationen und Dokumente absolut anonym zustellen können. Damit Missstände nicht unter dem Deckel bleiben. 

Im Neubad kam es nie zu einer Brandkatastrophe. Die Stadt Luzern – die Besitzerin des Gebäudes – stoppte den Partybetrieb vorübergehend. Das Neubad baute um. Niemand wurde verletzt. Das ist es wert, die Spielverderberin gewesen zu sein.

Quellen