Nur bei einer Zucker-Alternative gibt der Experte Entwarnung
Die Auswahl an Zuckeralternativen ist riesig. Einen gesunden Ersatz stellen allerdings die Wenigsten davon dar. Zwei Diabetes-Fachleute kennen die Vorteile und Risiken von Honig, Xylit oder Stevia.

Veröffentlicht am 19. Oktober 2026 - 05:00 Uhr

Honig soll gesünder sein als raffinierter Zucker, weil es ein Naturprodukt ist, heisst es oft.
Süsse, aber kalorienarme Alternativen zu Zucker haben in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen. Es gibt drei Arten von Zuckerersatzprodukten, die sich in der Zusammensetzung und der Wirkung auf den Körper unterscheiden – und von denen eine besonders gut ist.
1. «Natürlicher» Zucker
Honig, Ahornsirup, Agavendicksaft oder Kokosblütenzucker gelten oft als gesunde Alternativen zu Kristallzucker – auch Haushaltszucker oder Saccharose genannt. Vergleicht man allerdings den chemischen Aufbau all dieser Stoffe, erkennt man, dass die Basis dieselbe ist. Sowohl Kristallzucker als auch Honig, Kokosblütenzucker oder Ahornsirup bestehen aus Glukose (Traubenzucker) und Fruktose (Fruchtzucker). Die deutsche Medizinerin Susanna Hofmann (42), die an metabolischen Erkrankungen forscht, sagt: «Auch ‹natürlicher› Zucker schadet den Zähnen, lässt den Blutzuckerspiegel ansteigen und enthält viele Kalorien.» Der Unterschied zwischen Kristallzucker und beispielsweise Honig sei lediglich, dass Honig zusätzlich Mineralstoffe enthalte und anders schmecke.
2. Zuckeralkohole
Ein Vorteil von sogenannten Zuckeralkoholen ist, dass der Körper sie ohne Insulin im Körper verarbeitet und sie deshalb keinen rapiden Blutzuckeranstieg verursachen. Ausserdem enthalten sie weniger Kalorien als Kristallzucker und fördern keine Karies. Deshalb sind sie oft in zuckerfreien Kaugummis enthalten. Folgende zwei Zuckeralkohole sind besonders bekannt:
- Xylit: Der aus Birkenholz hergestellte Zucker sieht ähnlich aus wie Kristallzucker und ist fast ebenso süss, enthält aber etwa 50 Prozent weniger Kalorien als Kristallzucker. Bei hohem Konsum kann Xylit abführend wirken.
- Erythrit: Auch dieser Zuckeralkohol sieht ähnlich aus wie Kristallzucker, er ist aber nur etwa halb so süss. Erythrit wird in der Regel aus Mais hergestellt. Er enthält sehr wenige Kalorien und wirkt in grossen Mengen abführend.
Wissenschaftler hätten im Zusammenhang mit Zuckeralkoholen gewisse Risiken entdeckt, sagt Hofmann. «Neue Studien deuten darauf hin, dass sie Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen können.» Es brauche noch weitere Untersuchungen, um das eindeutig zu bestätigen, sagt die Expertin, aber die Ergebnisse seien ernst zu nehmen.
Matthias Riedl (60), deutscher Ernährungsmediziner und Diabetologe, sagt: «Andere Untersuchungen zeigen, dass Erythrit die Darmbakterien negativ beeinflussen kann.» Es handle sich dabei um erste Studien, deren Ergebnisse man mit Vorsicht geniessen müsse. Bei Xylit gibt es gemäss des Experten aktuell noch keine Hinweise auf einen negativen Einfluss auf die Darmflora. «Deshalb ist Xylit nach aktuellem Wissensstand eine gesunde Alternative zu Kristallzucker.»
3. Süssstoffe
Aspartam, Sucralose, Saccharin oder Stevia zählen zu den sogenannten Süssstoffen. Riedl: «Sie schmecken sehr süss und sind in vielen zuckerfreien Getränken, Cocktails oder Lebensmitteln wie Ketchup enthalten.» Sie sind kalorienarm und fördern weder Karies noch führen sie zu einer Insulinausschüttung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Süssstoffe aber als «möglicherweise krebserregend für den Menschen» ein.
Ausserdem könnten sie die Darmflora verändern und dadurch das Risiko für Diabetes-Typ-2 erhöhen, sagt Riedl. «Sie sind also sehr kritisch zu bewerten und wer sich gesund ernähren möchte, sollte auf Süssstoffe verzichten.» Im direkten Vergleich mit Kristallzucker sind sie gemäss Experte aber gesünder. Am Beispiel von Cola sei die Zero-Variante mit Süssstoffen also die bessere Option als die normale Cola mit Kristallzucker.




