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DemenzWas man über die Krankheit weiss

Demenz ist der häufigste Grund für Pflegebedürftigkeit im Alter. Elf Fragen und Antworten zur Krankheit.

Vergesslichkeit im Alter kann mit dem Alterungsprozess zusammenhängen, aber auch ein Zeichen einer beginnenden Demenz sein.
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Wie hoch ist das Risiko, an Demenz zu erkranken?

Das lässt sich nicht exakt sagen. Die Wissenschaft geht davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenspielen. Ein bedeutender Risikofaktor ist natürlich das Alter: Mit 60 liegt das Demenzrisiko bei drei Prozent, es verdoppelt sich dann nach einer Faustregel alle fünf Jahre. Heute leiden etwa 116'000 Leute in der Schweiz an Alzheimer oder einer anderen Demenzform; jährlich kommen etwa 27'000 hinzu.

Was kann man tun, um eine Demenz zu vermeiden?

Es gibt beeinflussbare Risikofaktoren und entsprechende Empfehlungen: Verzichten Sie aufs Rauchen, ernähren Sie sich aus­gewogen, mit viel Gemüse und Fisch, aber wenig Zucker und Salz. Bleiben Sie geistig und körperlich aktiv und ver­meiden Sie Übergewicht, hohen Blutdruck und hohe Blutfettwerte. Pflegen Sie Ihren Bekanntenkreis – und je früher im Leben Sie sich daran halten, desto besser wirkt es vorbeugend.

Kann man der Demenz tatsächlich «davonlaufen»?

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie verweist auf Studien, wonach das Risiko einer Demenz bei sportlich aktiven alten Menschen um 37 Prozent sinkt, bei leichteren kognitiven Einschränkungen gar um 46 Prozent. Wenn sich eine Demenz um einige Jahre hinausschieben lässt, ist schon viel an Lebensqualität gewonnen. Je früher jemand mit den sportlichen Aktivitäten beginnt, desto besser.

Lässt sich Alzheimer heilen?

Aktuell gilt Alzheimer als nicht heilbar. Diese Demenz­erkrankung ist aber behandelbar: Die Symptome können mit medikamentösen und anderen Behandlungen sowie psychosozialen Massnahmen gemildert werden. Eine möglichst genaue und frühe Diagnose ist für ­Betroffene und ihre Angehörigen wichtig.

Wenn das Gedächtnis langsam nachlässt: Sind das Anzeichen einer beginnenden Demenz?

Dass das Gedächtnis im Alter nachlässt, ist normal. Als Alarmzeichen gelten starke Veränderungen der geistigen Funktionen oder auch des Verhaltens wie sozialer Rückzug und allgemeine Verunsicherung. Erste Abklärungen macht der Hausarzt mit Demenz-Kurztests; zudem führt er eine ausführliche körperliche Untersuchung durch, um andere Ursachen auszuschliessen. Es folgen fachübergreifende Abklärungen, beispielsweise an einer Memory-Klinik. Dabei werden alle kognitiven Funktionen genau untersucht. Auch die Fahreignung wird beurteilt. Sie ist bereits bei mittelschwerer Demenz nicht mehr gegeben. Es ist wichtig, dass Betroffene nahestehende Personen zu den Diagnosegesprächen mitnehmen.

Wenn eine Demenz festgestellt wurde: Wie geht es weiter?

Bleiben Sie so aktiv wie möglich, aber gestalten Sie Ihren Alltag ein­facher. Nutzen Sie Gedächtnisstützen, notieren Sie etwa wich­tige Termine im Kalender oder auf gut sichtbaren Merkzetteln. Die Erinnerungsfunktion des Handys kann ebenfalls helfen. Um Ihren Geist fit zu halten, nützt Gedächtnistraining. Zudem gibt es Diskussionsforen im Internet, Gesprächsgruppen für Menschen mit Demenz oder Maltherapien. Strukturieren Sie den Alltag mit einem Tages- und Wochenplan – das macht sicherer und unabhängiger. Kochen Sie nach einfachen, vertrauten Rezepten oder essen Sie auswärts, verkleinern Sie Ihren Haushalt und geben Sie einer vertrauten Person einen Wohnungsschlüssel. Ein Notruftelefon macht vor allem Allein­lebende sicherer.

Welche Medikamente helfen gegen Alzheimer?

Bei leichter bis mittelschwerer Erkrankung können Cholinesterasehemmer die Hirnleistung vorübergehend verbessern oder den Abbau verzögern. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nur, wenn ein Kurztest die Wirkung bestätigt. Cholinesterasehemmer haben teilweise Nebenwirkungen, daher müssen Bezugspersonen die Behandlung genau beobachten. Kassenzulässige Medikamente gibt es je nachdem auch für Alzheimerpatienten im mittleren bis schweren Stadium. Laut Alzheimervereinigung muss die medikamentöse Behandlung von verhaltens- und psychologischen Symptomen individuell erstellt und kritisch überprüft werden.

Gibt es auch Behandlungen ohne Medikamente?

Es gibt dazu kaum aussagekräftige wissenschaftliche Studien. Nichtmedikamentöse Therapien gelten aber als nebenwirkungsarm und sollten laut Experten die Medikation idealerweise ergänzen. Je nach persönlichen Vor­lieben und Krankheitsstadium sind Gruppen- oder Einzeltherapien mit kognitiver, psychotherapeutischer, körperorientierter, musischer oder kreativer Ausrichtung die richtige Wahl.

Wo findet man Hilfe bei der Pflege eines demenzkranken Partners?

Es gibt Mahlzeiten- und Fahrdienste, Haushaltshilfe und administrative Unterstützung, Betreuung, Tages- und Nachtstätten, Besucherdienste oder Alzheimer­ferien.

Wie verkraftet man, wenn der Partner ein völlig anderer Mensch geworden ist?

Wenn Sie jemanden mit Demenz gernhaben, ist das Ziel nicht Perfektion. Der neue Standard Ihrer Beziehung sollte nur genügend gut sein. Leben mit Demenz ist alles andere als ideal, kann aber trotzdem noch ganz gut sein – Sie selbst bestimmen Ihre Wahrnehmung.

Was, wenn der Demente immer aggressiver gegen Angehörige wird?

Ausgelöst wird Aggressivität meist durch Überforderung – ob beim Kranken oder beim Betreuer. Wer sich unverstanden fühlt, kann auch handgreiflich werden. Wiederum gilt der Rat: nicht zu lange zuwarten. Denn wenn eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung nötig wird oder der Kranke sich selbst oder Sie gefährdet, ist ein Pflegeheim die bessere Lösung als die Pflege zu Hause – ohne dass Sie ein schlechtes Gewissen haben müssen! Es gibt Heime mit eigenen Demenzstationen.

Fakten zur Demenz

  • In der Schweiz sind etwa 116'000 Personen an Demenz oder Alzheimer oder einer anderen Demenzform erkrankt.
  • Betroffen sind etwa acht Prozent der über 65-Jährigen und mehr als 30 Prozent der über 90-Jährigen.
  • Aufgrund der demografischen Entwicklung werden im Jahr 2030 in der Schweiz geschätzte 200'000 Leute mit Demenz leben, im Jahr 2050 rund 300'000.
  • Im Jahr 2050 wird jede achte Person über 65 an Demenz erkrankt sein, sofern keine klaren Fortschritte bei Prävention oder Heilung gemacht werden.
  • Demenz ist bereits heute der häufigste Grund für Pflegebedürftigkeit im Alter, und Demenzerkrankungen sind die dritthäufigste Todesursache nach Herz-Kreislauf-Leiden und Krebs.

Formen und Ursachen von Demenz

Demenz ist ein Oberbegriff für mehr als 50 neurodegenerative Krankheiten, von denen Alzheimer mit Abstand die häufigste ist. Acht Prozent der Menschen über 65 und fast ein Drittel aller über 90-Jährigen sind von einer Form von Demenz betroffen; insgesamt sind es laut Schätzung der Alzheimervereinigung 120'000 in der Schweiz – wobei weniger als die Hälfte von ihnen eine formelle Demenzdiagnose habe. Und weil wir immer älter werden, rechnen Fachleute für das Jahr 2030 mit 200'000 Menschen, die dement sein werden; 2050 könnten es gar 300'000 sein. Demenz ist der häufigste Grund dafür, dass alte Menschen nicht mehr selbständig wohnen und leben können. Ausserdem sind Demenzerkrankungen die dritthäufigste Todesursache in der Schweiz. Gemeinsam ist ihnen der Abbau von Gehirnzellen. Deshalb ist bei allen die Leistungsfähigkeit des Gehirns (Gedächtnis, Orientierung, Sprache) beeinträchtigt. Ursachen für Demenz können schädliche Eiweissablagerungen im Gehirn, Durchblutungsstörungen oder in selteneren Fällen Veränderungen im Erbgut sein. Alzheimer und andere Demenzformen sind im Moment noch nicht heilbar, aber Therapien und Medikamente können den Verlauf verlangsamen. Deshalb ist es wichtig, beim Verdacht auf Demenz rasch zum Arzt zu gehen, weil die Krankheit so bereits in einem frühen Stadium abgemildert werden kann. 

Beratung für Erkrankte und Angehörige

Hotline der Schweizerischen
Alzheimervereinigung:

Telefon 024426 06 06

Informationen und Test für Betroffene und Angehörige:
www.memo-info.ch

Verzeichnis der Beratungsstellen:

www.alz.ch

Bei finanziellen Fragen:
www.proinfirmis.ch
www.procap.ch
www.pro-senectute.ch

Weitere Infos:

www.gedaechtnistraining.ch
www.deutsche-alzheimer.de

Entlastungsangebote:
www.alz.ch
www.spitex.ch
www.spitexprivee.ch
www.pro-senectute.ch
www.redcross.ch

Veröffentlicht am 10. November 2015