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MigräneSport als Prophylaxe

Um Migräne effektiv vorzubeugen, sollte man drei Mal in der Woche Sport machen. Bild: Thinkstock Kollektion

Einer von sieben Menschen in der Schweiz leidet an Migräne. Die Forschung arbeitet fieberhaft an der Bereitstellung neuer Wirkmittel, und auch in der Prävention weiss man mehr als früher.

von Susanne Loackeraktualisiert am 2017 M06 07

Der Schmerz sitzt hinter dem Auge. Manchmal zuckt ein Blitz vorbei, man würde nichts lieber als sich auf der Stelle hinlegen. Dunkel soll es sein, und ruhig. Bei manchen Menschen dauert eine Migräneattacke mehrere Tage, andere kommen mit einigen Stunden davon. Alle haben den gleichen Wunsch: Der Schmerz hinter dem Auge soll verschwinden. Das Wort Migräne leitet sich vom griechischen Begriff für «halber Kopf» her – weil der fiese Schmerz sich tatsächlich meist auf eine Kopfseite konzentriert. Er kommt anfallartig und wird oft von Übelkeit, Erbrechen oder sogar Wahrnehmungsstörungen begleitet. Jede siebte Person in der Schweiz kennt Migräne, Frauen erwischt es dreimal so oft wie Männer. Schon in der Steinzeit versuchten die Menschen, der

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Migräne, die damals natürlich noch nicht so hiess, Herr zu werden. Die Methoden waren recht krud: Funde aus dem Neolithikum (vor etwa 8500 bis 7000 Jahren) belegen, dass man damals die Schädeldecke chirurgisch öffnete, um böse Geister und Dämonen hinauszujagen. Die Erfolgsquote dieser Massnahme ist nicht überliefert; immerhin haben rund die Hälfte der Patienten den Eingriff überlebt. Im zweiten Jahrhundert n. Chr. wurde der halbseitige Kopfschmerz inklusive der Begleitsymptome Schwitzen, Übelkeit und Erbrechen vom griechischen Arzt Aretaios erstmals dokumentiert und damit von anderen Kopfschmerzen abgegrenzt. Im 17. Jahrhundert therapierte man Migräne mit Brechnuss, Fingerhut oder Tollkirsche, im frühen 20. Jahrhundert isolierte man den Wirkstoff Ergotamin aus dem Mutterkorn. In der Migränebehandlung gibt es im Moment nicht viel Neues, obwohl mehr als 50 neue und möglicherweise hochwirksame Substanzen in der Entwicklung sind. Auch in der Prophylaxe gibt es kaum Bahnbrechendes. Spannend ist hier, dass das Neurotoxin Botox in den USA und in Europa zur Bekämpfung der chronischen Migräne bereits zugelassen ist. Viel geforscht wird im Moment über die sogenannten Trigger-Faktoren, die Migräne auslösen können. Die Wichtigkeit der Ernährung ist in letzter Zeit nach unten korrigiert worden: Die Vermutung, dass Schokolade oder Käse Migränetrigger sind, hat sich mehrheitlich zerstreut. Dafür weiss man heute, dass Sport, eine exzellente nicht medikamentöse Prophylaxe ist.

Tipps für Migränepatienten

  • Sport. Ideal ist aerober (also nicht sehr intensiver) Ausdauersport, drei Mal pro Woche eine Dreiviertelstunde.
  • Regelmässigkeit. Genügend Schlaf zu möglichst gleich bleibenden Zeiten. Exzessives Ausschlafen am Wochenende vermeiden.
  • Keine Belastungssituationen. Stresssituationen so weit als möglich verhindern, sich keiner übermässigen Lichteinstrahlung aussetzen.
  • Den Arzt möglichst präzise über die Umstände, die Häufigkeit, die Vorgeschichte und die Dauer von Anfällen informieren (Tagebuch!). So besteht die grösste Chance, dass Trigger erkannt werden.
  • Beim ersten Anzeichen eines Anfalls handeln. Wie bei den meisten Schmerzen braucht es umso weniger Medikamente, je früher man Tabletten nimmt.