Unter dem Mikroskop sehen sie aus wie winzige Stäbchen. Gefährlich werden Legionellen erst, wenn sie sich im Wasser stark vermehren, als feiner Sprühnebel, als sogenannte Aerosole, in die Luft gelangen und von einer anfälligen Person eingeatmet werden. In Wetzikon ZH häufen sich die Fälle von Infektionen mit Legionellen. Eine Person ist sogar verstorben. Das teilt die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich mit. Seit Anfang 2025 wurden bereits 33 Fälle gemeldet. Acht davon seit Ende Juni 2026.

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Ende Juli steckten sich bei einem Legionellenausbruch auch in Basel 28 Menschen an, eine Person starb. Als wahrscheinlichste Infektionsquelle gilt eine Kühlanlage auf einem Bürohausdach.

Aber was sind Legionellen genau? Die Umweltbakterien kommen natürlicherweise in feuchten Umgebungen, Wasser und in der Erde vor. So sind sie zum Beispiel auch in Wasserleitungen, Duschen, Zierbrunnen, Gartenschläuchen, Autowaschanlagen oder Komposterde zu finden. Daniel Mäusezahl, Professor am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut (Swiss TPH), und seine Doktorandin Melina Bigler betonen: «Wir begegnen Legionellen häufig, aber nur ein kleiner Teil der exponierten Menschen erkrankt daran.»

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Besonders gefährdet sind Personen ab 50, Raucher sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Erkrankungen. In der Schweiz registriert das Bundesamt für Gesundheit (BAG) jährlich rund 500 bis 600 Legionellose-Fälle – diese haben sich seit 2000 verfünffacht. Gemäss Mäusezahl sprechen die verfügbaren Daten dafür, dass die Erkrankung tatsächlich häufiger geworden ist. Der Anstieg liegt nicht nur an der grösseren Aufmerksamkeit und dem häufigeren Testen, sondern auch an der alternden Bevölkerung und womöglich am Klimawandel.

Ideale Bedingungen für Legionellenwachstum

Ein weiteres Problem kann eine ungenügende thermische Trennung von Warm- und Kaltwasserleitungen in Gebäuden sein. «Wird das Kaltwasser zu warm oder kühlt das Warmwasser zu stark ab, können in Teilen des Leitungssystems Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad entstehen. In diesem Bereich vermehren sich Legionellen besonders gut», erklärt der Experte.

Was ist Legionellose?

Im Sommer registriert das BAG die meisten Infektionen. Mäusezahl sagt: «Unsere Forschung zeigt: Wenn auf warmes Wetter feuchte Luft und Regen folgen, steigen zwei bis drei Wochen später die Erkrankungszahlen.» In den heissen Monaten erwärmen sich auch Leitungen, unbenutzte Gartenschläuche und Wassersysteme schneller. Ausserdem laufen Kühlanlagen im Sommer häufiger und werden intensiver benutzt.

Riskant sind also wasserführende Anlagen und Geräte, in denen sich Legionellen vermehren und von wo aus sie anschliessend über feinste Wassertröpfchen eingeatmet werden können. Dazu zählen bestimmte Kühltürme, Verdunstungskühlanlagen oder Vernebelungssysteme auf Restaurantterrassen sowie unzureichend gewartete Geräte mit Wassertanks.

So schützen Sie sich

«Im eigenen Zuhause kommen vor allem wenig genutzte Leitungen, Whirlpools, unbenutzte Gartenschläuche und Luftbefeuchter mit Wassertank als mögliche Quellen in Frage», sagt der Experte. Das Trinken von kontaminiertem Wasser ist ungefährlich, da die Magensäure die Bakterien abtötet. «Selten kann eine Infektion jedoch erfolgen, wenn das Wasser beim Verschlucken in die Lunge gelangt.» Auch die Übertragung von Mensch zu Mensch sei extrem selten.

Zu Hause schützen Sie sich mit folgenden Tipps:

  • Duschkopf reinigen: Duschkopf, Duschschlauch und Armaturen regelmässig reinigen und entkalken, um Biofilm (Schleimschicht, die von Mikroorganismen gebildet wird) vorzubeugen. Ein gelegentlicher Wechsel von Duschkopf und Schlauch ist sinnvoll.
  • Leitungen durchspülen: Nach längerer Abwesenheit Kalt- und Warmwasser an allen Hähnen so lange laufen lassen, bis die Temperatur konstant bleibt. Den Sprühnebel dabei nicht einatmen.
  • Wassertemperatur prüfen: Die Wassertemperatur am Boilerausgang sollte wenn möglich dauerhaft mindestens 60 Grad betragen und im Leitungssystem nicht unter 55 Grad fallen.
  • Geräte pflegen: Wasserbehälter von Luftbefeuchtern oder mobilen Geräten regelmässig leeren, gründlich reinigen und frisch befüllen.

Hinweis: Dies ist ein Artikel der «Schweizer Illustrierten». Er wurde auf Beobachter.ch erstmals am 24.8.2026 publiziert und am 17.9.2026 aktualisiert.