So verhindern Sie gefährliche Keime im Duschkopf
Ein Vorfall in Basel schreckt auf, dabei begegnen wir Legionellen ständig. In feuchtwarmem Klima vermehren sich die Bakterien rasend schnell. Warum die Ansteckungen in der Schweiz zunehmen und wie Sie sich zu Hause schützen.

Veröffentlicht am 24. August 2026 - 17:02 Uhr

Nach den Ferien am besten alle Hähne aufdrehen, bis die Wassertemperatur stabil ist. Den feinen Sprühnebel sollten Sie dabei nicht einatmen.
Unter dem Mikroskop sehen sie aus wie winzige Stäbchen. Gefährlich werden Legionellen erst, wenn sie sich im Wasser stark vermehren, als feiner Sprühnebel (Aerosole) in die Luft gelangen und von einer anfälligen Person eingeatmet werden. Ende Juli steckten sich bei einem Legionellenausbruch in Basel 28 Menschen an, eine Person starb. Als wahrscheinlichste Infektionsquelle steht eine Kühlanlage auf einem Bürohausdach im Verdacht.
Aber was sind Legionellen genau? Die Umweltbakterien kommen natürlicherweise in feuchten Umgebungen, Wasser und in der Erde vor. So können sie zum Beispiel auch in Wasserleitungen, Duschen, Zierbrunnen, Gartenschläuchen, Autowaschanlagen oder Komposterde zu finden sein. Daniel Mäusezahl, Professor am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut (Swiss TPH), und seine Doktorandin Melina Bigler betonen: «Wir begegnen Legionellen häufig, aber nur ein kleiner Teil der exponierten Menschen erkrankt.»
Besonders gefährdet sind Personen ab 50, Raucher sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Erkrankungen. In der Schweiz registriert das Bundesamt für Gesundheit (BAG) jährlich rund 500 bis 600 Legionellose-Fälle – diese haben sich seit 2000 verfünffacht. Gemäss Mäusezahl sprechen die verfügbaren Daten dafür, dass die Erkrankung tatsächlich häufiger geworden ist. Der Anstieg liegt nicht nur an der grösseren Aufmerksamkeit und dem häufigeren Testen, sondern auch an der alternden Bevölkerung und womöglich am Klimawandel.
Ideale Bedingungen für Legionellenwachstum
Ein weiteres Problem kann eine ungenügende thermische Trennung von Warm- und Kaltwasserleitungen in Gebäuden sein. «Wird das Kaltwasser zu warm oder kühlt das Warmwasser zu stark ab, können in Teilen des Leitungssystems Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad entstehen. In diesem Bereich vermehren sich Legionellen besonders gut», erklärt der Experte.
Was ist Legionellose?
Im Sommer registriert das BAG die meisten Infektionen. Mäusezahl sagt: «Unsere Forschung zeigt: Wenn auf warmes Wetter feuchte Luft und Regen folgen, steigen zwei bis drei Wochen später die Erkrankungszahlen.» In den heissen Monaten erwärmen sich auch Leitungen, unbenutzte Gartenschläuche und Wassersysteme schneller. Ausserdem laufen Kühlanlagen im Sommer häufiger und werden intensiver benutzt.
Riskant sind also wasserführende Anlagen und Geräte, in denen sich Legionellen vermehren und anschliessend über feinste Wassertröpfchen eingeatmet werden können. Dazu zählen bestimmte Kühltürme, Verdunstungskühlanlagen oder Vernebelungssysteme auf Restaurantterrassen sowie unzureichend gewartete Geräte mit Wassertanks.
So schützen Sie sich
«Im eigenen Zuhause kommen vor allem wenig genutzte Leitungen, Whirlpools, unbenutzte Gartenschläuche und Luftbefeuchter mit Wassertank als mögliche Quellen infrage», sagt der Experte. Das Trinken von kontaminiertem Wasser ist ungefährlich, da die Magensäure die Bakterien abtötet. «Selten kann eine Infektion jedoch erfolgen, wenn das Wasser beim Verschlucken in die Lunge gelangt.» Auch die Übertragung von Mensch zu Mensch sei extrem selten.
Zu Hause schützen Sie sich mit folgenden Tipps:
- Duschkopf reinigen: Duschkopf, Duschschlauch und Armaturen regelmässig reinigen und entkalken, um Biofilm (Schleimschicht, die von Mikroorganismen gebildet wird) vorzubeugen. Ein gelegentlicher Wechsel von Duschkopf und Schlauch ist sinnvoll.
- Wasser durchspülen: Nach längerer Abwesenheit Kalt- und Warmwasser an allen Hähnen so lange laufen lassen, bis die Temperatur konstant bleibt. Den Sprühnebel dabei nicht einatmen.
- Wassertemperatur prüfen: Die Wassertemperatur am Boilerausgang sollte wenn möglich dauerhaft mindestens 60 °C betragen und im Leitungssystem nicht unter 55 °C fallen.
- Geräte pflegen: Wasserbehälter von Luftbefeuchtern oder mobilen Geräten regelmässig leeren, gründlich reinigen und frisch befüllen.
Hinweis: Dies ist ein Artikel der «Schweizer Illustrierten».




