Schenkt einem das Leben Zitronen, soll man Limonade daraus machen. Dieser Rat ist anscheinend auch auf zu grosse Karotten übertragbar. 35 Tonnen davon fanden letzten Herbst keinen Abnehmer, weil sie nicht in die Standardverpackungen Lebensmittel Das Wegwerf-System passten. Der Zürcher Verein Grassrooted nahm sich des Problems an und organisierte eine Zusammenarbeit mit dem betroffenen Bauer, dem Safthersteller Biotta und Coop. Eigentlich eine gute Tat. Nur: Dass der Saft aus den vermeintlichen «Abfallrüebli» teurer ist als der normale Biotta-Rüeblisaft, stösst manchen sauer auf.

Coop-Kundin Susi Steiner gehört zu ihnen. Dass eine Halbliterflasche 50 Rappen mehr kostet, kann sie nicht verstehen – schliesslich waren die Karotten ja schon quasi abgeschrieben. «Das ‘Gute’, dass man dabei tut, ist dann eben schlecht: dem Grossverteiler die Kasse füllen statt dem Produzenten», findet sie.

Keine Lösung für Foodwaste

Diesem Eindruck widerspricht Grassrooted-Gründer Dominik Waser. «Bei den Karotten handelt es sich halt nicht um eigentliche Saftrüebli. Diese wären günstiger und gäben mehr Saft. Wir wollten aber, dass der Bauer trotzdem einen fairen Preis dafür bekommt.» Für alles andere als eine Verarbeitung zu Saft sei die Menge zu gross gewesen.

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Auch bei Biotta erklärt man den höheren Preis damit. «Konsumrüebli sind etwas teurer als Saftrüebli. Zudem handelt es sich um eine Sonderabfüllung mit kleinerem Volumen. Das drückt den Preis nach oben. Um den Profit ging es uns dabei auf jeden Fall nicht – das Engagement für eine gute Sache stand an erster Stelle», sagt Geschäftsführer Clemens Rüttimann. Coop erklärt ebenfalls, man vertreibe den Saft zum Selbstkostenpreis. Finanziell profitiert hat demnach nur der Bauer.

Trotzdem räumt Dominik Waser ein: Lösen lässt sich das Problem der Lebensmittelverschwendung Foodwaste Save the Rüebli & Co. so nicht vollständig. «Zum Teil wird Gemüse entsorgt, das noch sinnvoll verarbeitet werden könnte – eben zum Beispiel als Saft. Für eine langfristige Lösung braucht es aber vor allem eine Anpassung der Normen. Früchte und Gemüse sollten auch dann verkauft werden können, wenn sie nicht einem genauen Standard an Grösse und Form entsprechen.»