Comparis sperrt Inserat für günstige Wohnung
Ein Vermieter inseriert eine Wohnung etwas unter dem Marktpreis. Comparis blockiert das Inserat mehrfach – wegen Verdachts auf Betrug. Das liege auch an den immer raffinierteren Fakeinseraten mittels KI, begründet die Immobilienplattform.

Veröffentlicht am 26. Juni 2026 - 13:58 Uhr

Comparis-Algorithmus: Inserate werden gelöscht, wenn der Quadratmeterpreis ausserhalb von 95 Prozent der marktüblichen Inserate liegt.
Ein privater Eigentümer wollte eine 4,5-Zimmer-Dachwohnung in der Region Willisau im Kanton Luzern auf dem Online-Marktplatz Comparis ausschreiben. Er verlangte gut 2000 Franken exklusive Nebenkosten, die rund 300 Franken betragen sollten. In der unmittelbaren Umgebung würden neue Häuser gebaut, und er habe sich bei seinem Mietzins daran orientiert, sagt der Hausbesitzer, der anonym bleiben möchte. Für diese werde leicht mehr verlangt, es seien aber auch Neubauten. «Ich kann ja nicht einfach Fantasiepreise verlangen. Ich will weder zu hoch noch zu tief reingehen. Es muss einfach ein bisschen was herausschauen für mich», so der Eigentümer.
«Erfahrungsgemäss kann ein niedriger Preis bei Interessenten Fragen aufwerfen oder zu Unsicherheiten führen.»
Automatischer Warnhinweis Comparis
Direkt nach der Einreichung erhielt er eine automatisierte E-Mail von Comparis. Darin hiess es, das Inserat werde «vorerst nicht veröffentlicht». Die Begründung: «Der aktuell angegebene Preis liegt etwas unter dem Durchschnitt vergleichbarer Objekte in Ihrer Region. Erfahrungsgemäss kann ein niedriger Preis bei Interessenten Fragen aufwerfen oder zu Unsicherheiten führen.» Dem Eigentümer wurde empfohlen, den Preis zu überprüfen und gegebenenfalls nach oben anzupassen.
«Ich war irritiert und habe es dann noch mehrfach probiert», sagt der Eigentümer. Insgesamt rund viermal wurde sein Inserat von Comparis gesperrt – auch als er testweise versuchte, den Mietzins leicht zu erhöhen. Schlussendlich wurde die Anzeige nach einiger Zeit und ohne weitere inhaltliche Begründung doch noch aufgeschaltet. In einer Infobox verwies Comparis darauf, dass Inserate vom Algorithmus verworfen würden, wenn der Quadratmeterpreis ausserhalb von 95 Prozent der marktüblichen Inserate liege.
Comparis rechtfertigt Prüfmechanismus
Comparis schreibt auf Anfrage, man könne den «Einzelfall» ohne URL oder die verwendete E-Mail-Adresse nicht konkret nachvollziehen. Grundsätzlich habe der Prüfmechanismus das Ziel, Nutzerinnen und Nutzer vor betrügerischen oder irreführenden Inseraten zu schützen. Neu eingereichte Inserate würden automatisiert «anhand verschiedener Plausibilitätskriterien» geprüft.
Ein ungewöhnlich tiefer Preis im Vergleich zu ähnlichen Objekten in der Region könne eines von mehreren Signalen sein, die eine zusätzliche manuelle Prüfung durch Mitarbeitende auslösen, so Comparis-Sprecher Andreas Müller. «Die genaue Gewichtung und Funktionsweise unserer Algorithmen können wir aus Sicherheitsgründen nicht offenlegen.» Da solche Missbrauchsversuche – auch durch den Einsatz von KI – immer raffinierter würden, würden die Prüfprozesse laufend überprüft und weiterentwickelt.
Inserate, die nicht unmittelbar freigegeben würden, überprüfe man manuell. Das könne bis zu einen Arbeitstag in Anspruch nehmen. Comparis wehrt sich auch gegen den Vorwurf, man habe den Vermieter aufgefordert, einen höheren Mietzins zu verlangen. Man weise lediglich darauf hin, dass der angegebene Preis im Vergleich zu ähnlichen Inseraten auffällig ist und deshalb überprüft werden sollte, so Mediensprecher Müller. Ziel sei ausschliesslich der Schutz vor Missbrauch und nicht die Beeinflussung des Mietpreisniveaus.
So schützen Sie sich gegen Missbrauch
Die Schweizerische Kriminalprävention warnt seit längerem vor Wohnungsinseraten, die besonders attraktiv klingen. Seien Sie skeptisch, wenn zu Vorauszahlungen vor einer Besichtigung aufgefordert wird, keine Besichtigungsmöglichkeiten bestehen oder auf die Weitergabe sensibler persönlicher Daten gedrängt wird.
- Inserat und Mailverkehr Hausbesitzer und Comparis-Kundendienst
- Stellungnahme Comparis
- Warnhinweis der Schweizerischen Kriminalprävention: Betrug bei der Wohnungssuche




