Das Kind mit den Locken spielt gedankenversunken mit einem Bauklötzchen aus himmelblauem Holz. Die hellen Farben des Spielzeugs seien gut für die Entwicklung der körperlichen und kognitiven Fähigkeiten, schreibt die angebliche Herstellerin auf ihrer Homepage und verspricht spektakuläre Rabatte auf «Montessori»-Spielzeug. 

Das Problem: Das Kind aus der Werbung gibt es nicht. Es ist KI-generiert. Und das Spielzeug selbst hat mit Montessori so viel zu tun wie der Papst mit Las Vegas, gar nichts also, denn das Produkt ist billigste Massenware in hübscher Verpackung. 

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Noch ein Beispiel? Ein Lendengurt mit integrierter Rotlichttherapie soll angeblich gegen Rückenschmerzen helfen. Mit kleinem, aufgesticktem Schweizerkreuz wirbt ein «Hersteller» auf Instagram für Qualität – und mit einem satten Rabatt von 45 Prozent um Kundinnen und Kunden. 

Angebliche Schweizer Lokalhandwerker sind keine

Rund 61 solcher Fakeangebote hat der Konsumentenschutz aufgedeckt und angezeigt. Es handelt sich dabei um sogenannte Dropshipping-Shops mit erfundenen Namen wie Kidzly.ch, Weberbern.ch oder Pfoties.ch. Solche Unternehmen geben beispielsweise vor, ein Schweizer Fachgeschäft für Kinderspielzeug oder Orthopädiebedarf zu sein. Tatsächlich aber werden Bestellungen zu Grosshändlern umgeleitet, die dann die Ware direkt an die Kundinnen und Kunden schicken. 

Der Beobachter hat in der Vergangenheit immer wieder über die Masche berichtet. Gefälschte positive Bewertungen, falsche Preisangaben und ein angeblicher Schweiz-Bezug («echtes Traditionshandwerk») locken Kundinnen zum Kauf. Als Gegenleistung kommt häufig minderwertige Ware – wenn überhaupt etwas ankommt. 
 

Rechtsratgeber
Dropshipping: So können Sie sich wehren

Sind Sie auf einen Onlineshop hereingefallen oder warten Sie noch immer auf Ihre Bestellung? Was rechtlich gilt und wie sich Konsumentinnen und Konsumenten wehren können, erfahren Sie hier.

Besonders aktiv sind Dropshipping-Shops in den sozialen Medien. Die Menschen sind dort häufig abgelenkt und lassen sich durch vielversprechende und optisch ansprechende Angebote leicht verführen. «Wir raten Konsumentinnen und Konsumenten, unbekannte Onlineshops genau zu prüfen und nicht voreilig ein auf Social Media beworbenes Produkt zu kaufen», empfiehlt Sara Stalder, Geschäftsleiterin beim Konsumentenschutz. 

Jetzt hat der Konsumentenschutz vier Unternehmen aus der Schweiz, den Niederlanden, Polen und den Vereinigten Arabischen Emiraten abgemahnt und angezeigt. Diese sind für mindestens 61 Dropshipping-Shops mit Domains aus zahlreichen Ländern verantwortlich. Die Staatsanwaltschaft habe derweil auf vergangene Anzeigen reagiert, so der Konsumentenschutz. Drei Strafbefehle wurden erlassen, fünf weitere Verfahren sind noch hängig.

Allerdings gleicht der Kampf einer Sisyphusarbeit, denn hinter den Shops wie zum Beispiel Orthofreund.ch stecke ein zunehmend professionell organisiertes Netzwerk, erklärt Stalder: «Wir haben 13 grössere Betreiberinnen und Betreiber ausfindig gemacht und abgemahnt, die insgesamt mindestens 96 Shops betrieben haben.» Gegen vier Unternehmen mit über 60 Shops hat der Konsumentenschutz Strafanzeige eingereicht. 

Geldstrafen und Bussen

Schon letztes Jahr gab es eine vom Konsumentenschutz initiierte Aktion. Acht Shops wurden dabei angezeigt, und die Strafanzeigen zeigten teilweise schon Wirkung: Drei Strafbefehle wurden von den Staatsanwaltschaften in Luzern (Emmen) und Bern erlassen, wobei die Unternehmen zu bedingten Geldstrafen zwischen 1000 und 2000 Franken, zu Bussen von 200 bis 300 und zu Gebühren von 400 bis 500 Franken verurteilt worden sind. Von den Strafbefehlen ist einer bereits rechtskräftig.

Die Urteile ergingen wegen mehrfachen unlauteren Wettbewerbs, darunter wegen Verletzung der Impressumspflicht, irreführender Angaben über die Geschäftsverhältnisse und Preise. Fünf weitere Verfahren sind noch hängig. 

Der Konsumentenschutz führt eine Warnliste von dubiosen Shops. Wer Verdacht schöpft, etwa weil ein Angebot zu gut klingt, kann die Seite melden.

Ihre Meinung ist gefragt

Sind Sie auch schon auf vermeintliche Schweizer Qualitäts-Shops reingefallen? Oder kennen Sie jemanden, dem das passiert ist? Schreiben Sie uns in den Kommentaren.