Was für viele Kundinnen und Kunden ärgerlich ist, sehen andere als notwendige Konsequenz eines harten Preiskampfs. Hinter den leeren Regalen bei Coop und Migros steckt keine Panne, sondern Strategie: Stockende Preisverhandlungen zwischen Händlern und Herstellern führen dazu, dass bekannte Marken gezielt ausgelistet werden. Ein Mittel, mit dem die Detailhändler Preiserhöhungen abwehren wollen.

Auf den sozialen Kanälen des Beobachters dominiert dennoch Pragmatismus. «Viele Menschen regen sich darüber auf, dass es 15 Sorten Flocken gibt und eine davon fehlt – und schon entsteht ein Drama. Dabei steckt in den Eigenmarken meist fast das Gleiche drin, nur günstiger. Gleichzeitig wollen wir alles billiger haben, aber trotzdem die gleiche Vielfalt und am liebsten noch Markenprodukte. Das zeigt, wie sehr wir an Überfluss gewohnt und letztlich verwöhnt sind», heisst es in einem Facebook-Kommentar.

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Leere Regale werden von vielen als Teil eines harten, aber notwendigen Preiskampfs akzeptiert. Markenprodukte gelten als ersetzbar, Eigenmarken als qualitativ ebenbürtig. Entscheidend sei der Preis und nicht das Logo auf der Verpackung.
 

Wie gehen Sie damit um, dass einzelne Markenprodukte fehlen?

Greifen Sie zur Eigenmarke, wechseln Sie den Laden – oder verlieren Sie das Vertrauen? Diskutieren Sie mit in der Kommentarspalte.

«Wie ein Eingriff in den eigenen Warenkorb»

In der Kommentarspalte des Beobachter-Artikels wird der Ton persönlicher. Hier geht es weniger um grundsätzliche Marktlogik als um konkrete Erfahrungen und um die Frage, wer den Preis für den Preiskampf zahlt.

So hinterfragt Anuschka Schaub, ob Preisverhandlungen tatsächlich immer zulasten der Hersteller geführt werden müssten. Und Leserin Beatrice Callan schreibt: «Wenn ich etwas wirklich dringend brauche, wechsle ich den Laden. Es ist nicht mehr weit, dass ich der Migros ganz den Rücken kehre! Ich glaube kaum, dass nach monatelang, sogar gefühlt jahrelang fehlenden Produkten der Preis für den Kunden günstiger ist.»

Unmut löst auch der Onlineeinkauf aus. Charles Bucher vergleicht das Vorgehen bei Migros Online mit einem Eingriff in den eigenen Warenkorb. Beim virtuellen Einkauf erscheine während des Zusammenstellens immer wieder die Aufforderung, einzelne Produkte zu «überprüfen» – was häufig bedeute, dass sie nicht mehr erhältlich seien und ersetzt werden müssten. «Wie würden Sie sich fühlen, wenn ein Ihnen unbekannter Einkäufer im Laden die Ware einfach aus dem Warenkorb nimmt?», kommentiert er.

Das gemischte Stimmungsbild zeigt sich auch in der Umfrage zum Artikel. Zwar akzeptiert eine Mehrheit der Teilnehmenden leere Regale zumindest vorübergehend. Gleichzeitig zweifeln viele daran, dass der harte Preiskampf am Ende tatsächlich zu tieferen Preisen führt. Markentreue verliert dabei an Bedeutung: Entscheidend ist für viele nicht mehr, welches Produkt im Regal steht, sondern ob der Einkauf insgesamt bezahlbar bleibt.