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MedikamenteAbgelaufen, aber immer noch gut

Medikamente gehören nicht in den Ausguss oder den Kehrichtsack. Man gibt sie in der Apotheke ab. Die sorgt dann für eine fachgerechte Entsorgung. Bild: Thinkstock Kollektion

Pharmaexperten sind sich einig: Die meisten Medikamente kann man bedenkenlos über das Verfallsdatum hinaus konsumieren. Wann gehören welche Arzneimittel entsorgt?

von Martin Vetterli

Jedes Jahr landen Millionen abgelaufener Medikamente im Müll. Wie viel, weiss in der Schweiz niemand genau. Der Heilmittelbehörde Swissmedic liegen dazu «keine Angaben» vor. Gegenüber dem Beobachter verwies sie vergangenes Jahr auf eine Schätzung des Krankenkassenverband Santésuisse. Danach wandern jährlich Arzneimittel im Wert von 500 Millionen Franken in den Abfall. Diese Schätzung ist allerdings schon 14 Jahre alt.

Verfallsdatum sagt nichts über Verderblichkeit

Anders als bei Lebensmitteln gibt das Verfallsdatum bei Medikamenten nicht an, wann sie verderblich sind, sondern nur, wie lange ein Hersteller garantieren will, dass sein Mittel 100-prozentig wirksam ist.

Die meisten Medikamente könne man bedenkenlos über das Verfallsdatum hinaus einnehmen, sagt denn auch der Wiler Arzt und Herausgeber der «Pharma-Kritik» Etzel Gysling. «Nur bei einigen eindeutig definierten Substanzen und Präparaten ist ein Verfallsdatum möglicherweise sinnvoll.»

Noch einen Schritt weiter geht der deutsche Pharmaprofessor Gerd Glaeske. «Heute werden Medikamente dank ausgebuffter Technologie so sauber hergestellt und verpackt, dass sie deutlich länger stabil bleiben als früher.» Abgelaufene Medikamente seien heute weitgehend gefahrlos. «Erst wenn Tabletten zu bröseln beginnen und der Tablettenrand nicht mehr scharf ist, wenn bei Dragées die Oberfläche gerissen ist und bei Flüssigkeiten sich vielleicht etwas absetzt, sollte man zurückhaltend sein.»

Wirksamkeit testen statt wegwerfen

Am meisten betroffen von zu kurzen Verfallsdaten sind nicht etwa Patienten, sondern jene staatlichen Institutionen, die Medikamente in grossen Mengen lagern: das Militär und der Katastrophenschutz. Auch für sie hat Glaeske ein wirksames Sparrezept auf Lager: Statt die abgelaufenen Medikamente unbesehen zu vernichten, sollten sie ein paar Tausend Franken für Wirksamkeitstests investieren. Was wirkt, bleibt dann im Lager. So lasse sich viel Geld sparen.

Wann Medikamente entsorgt gehören

Man sollte Arzneimittel gar nicht erst lange aufbewahren – erst recht nicht, wenn sie irgendwann einmal verschrieben wurden und man nicht mehr weiss, für wen und warum.

Entsorgen muss man:

  • Tabletten oder Dragées, wenn sie eine ungleichmässige Färbung, dunkle Flecken und Risse haben.

  • Salben und Cremes, wenn sie eingetrocknet sind, Bestandteile sich separieren oder ranzig riechen.

  • Flüssigkeiten, wenn sich verfärben, trübe werden oder sich Bodenablagerungen bilden.

  • Zäpfchen, wenn sie glitzernde, kristalline Auflagerungen haben.

  • Medikamente gehören nicht in den Ausguss oder den Kehrichtsack. Man gibt sie in der Apotheke ab. Die sorgt dann für eine fachgerechte Entsorgung.
Veröffentlicht am 2014 M03 25