Markus Fritzsche ist Hausarzt und Epidemiologe. Im Auftrag des Kantons Zürich betreut er seit Jahren die medizinische Versorgung von Flüchtlingen in einer Notunterkunft in Adliswil.

Anfang April schlugen er und andere Zürcher Ärzte Alarm: Die Zustände in den Asylunterkünften seien «katastrophal» und nicht ansatzweise coronatauglich. «Der Kanton reagiert extrem dilettantisch auf die Bedrohung», liess sich Markus Fritzsche zitieren. Zudem monierte er, dass in Asylunterkünften explizit nicht getestet werde.

Als eine Frau in der Notunterkunft in Adliswil an Covid-19 erkrankte, wollte er sie in ein Spital überführen. Denn der Frau drohte Lebensgefahr. Die Iranerin leidet an einer schweren rheumatischen Erkrankung und wird mit immununterdrückenden Medikamenten behandelt. Doch der Kanton lehnte die Einweisung der Frau und ihres ebenfalls erkrankten einjährigen Kindes ab.

In seiner Not wandte sich Markus Fritzsche schliesslich an die Öffentlichkeit. Kurz darauf hat ihm die Zürcher Sicherheitsdirektion das Mandat als Asylarzt entzogen, er darf seine Patienten in der Notunterkunft nicht mehr behandeln. Die Begründung: Fritzsche habe das Berufsgeheimnis verletzt.

Er habe sich von der Flüchtlingsfrau vom Berufsgeheimnis entbinden lassen, die entsprechenden Papiere lägen in seinem Safe, sagt Markus Fritzsche. Sein Anwalt bestätigt die Existenz der Dokumente.

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Statt vom Kanton für seinen Einsatz gelobt zu werden, droht Fritzsche jetzt schlimmstenfalls der Entzug seiner Praxisbewilligung.

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