13. Juni 2019, kurz vor Mittag. Im sonst so ruhigen Wohnquartier in Tenniken BL, in dem Melanie Tamburino mit ihrer Familie lebt, herrscht plötzlich helle Aufregung. Menschen schreien, rennen umher. Alle deuten auf ein älteres Haus in der Nachbarschaft. Die 41-jährige Tamburino geht kurz entschlossen hin – und trifft auf ein Horrorszenario: Ein Schäferhund, ausser sich vor Raserei, attackiert eine Frau, die sich schützend vor ein kleines Mädchen stellt. Überall ist Blut.

Melanie Tamburino hat selber drei Hunde und leitet sogenannte Agility-Kurse. Das Wissen über den Umgang mit den Vierbeinern hilft ihr, selbst in dieser Bedrohungssituation ruhig zu bleiben und richtig zu handeln: bloss nicht körperlich dazwischengehen, sondern Befehle erteilen, laut und bestimmt. Prompt gehorcht der Hund trotz Blutrausch schon beim ersten «Platz» und lässt von der Frau ab. Auf «Fuss» kann Tamburino das Tier am Kragen packen und wegsperren, bis Polizei und Rettungskräfte eintreffen.

Später wird das Geschehen rekonstruiert. Das Opfer wollte den Schäfer zum Gassigehen abholen, als der Hund aus heiterem Himmel auf ihre dreijährige Nichte loswollte, die sie begleitete. Die Frau erlitt durch die Bisse derart schwere Verletzungen, dass die Vermutung naheliegt: Hätte der Hund das Kleinkind erwischt, wäre die Attacke tödlich ausgegangen.

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Dank ihrem beherzten Eingreifen konnte Melanie Tamburino eine Eskalation verhindern. Obwohl sie ein, vielleicht sogar zwei Leben gerettet hat, sieht sie sich nicht als Heldin: «Ich war in diesem Moment die Fachperson. Und als solche habe ich nur meinen Job getan.»

Prix Courage 2020 – Die Nominierten im Porträt

 

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Die Stimmen der Beobachter-Lesenden und jene der Prix-Courage-Jury werden zu je 50 Prozent gewichtet. Bis Sonntag, 18. Oktober 2020, können Sie über das untenstehende Formular für Ihre Favoritin oder Ihren Favoriten abstimmen.

Der oder die Gewinnerin des Prix Courage 2020 wird am Freitag, 30. Oktober bekanntgegeben.

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