Fabrizierte Beweise, Kollusion und Folter – diese Vorwürfe hat Nils Melzer, UN-Sonderberichterstatter über Folter, gegen die Strafverfolgungsbehörden von Schweden, Grossbritannien und den USA erhoben. Denn deren Vorgehen gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange spottet jeder Rechtsstaatlichkeit.

Der Australier befindet sich seit April 2019 in London in Haft. Dem 49-Jährigen droht eine Auslieferung an die USA, weil er auf Wikileaks Geheimdokumente veröffentlicht hat. Sie dokumentieren unter anderem Kriegsverbrechen durch US-Truppen. Sollte Assange tatsächlich ausgeliefert werden, drohen ihm 175 Jahre Haft.

Assanges Verfolgung ist vor allem ein Angriff auf die Pressefreiheit. Journalisten müssen nun fürchten, ebenfalls angeklagt und an die USA ausgeliefert zu werden.

Trotzdem zögerten die meisten Medien, die Ungereimtheiten im Fall Assange zu thematisieren. Stattdessen wurde er als unbequemer Charakter karikiert, selbstherrlich und unberechenbar, womöglich ein Vergewaltiger, ein Spion, der sich dem Gesetz entziehen will.

Nils Melzer liess sich von all dem nicht abschrecken. Er machte die schweren Verfahrensverletzungen publik, obwohl er damit Reputation, Karriere und Sicherheit riskierte. Seither wird ihm vorgeworfen, er schüre Verschwörungstheorien, nehme Vergewaltigungsopfer nicht ernst und trivialisiere den Folterbegriff.

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Wären Melzers Anwürfe falsch, wäre er als UN-Sonderberichterstatter längst untragbar. Bisher gab es keine Versuche, seine Darstellungen im Fall Assange zu widerlegen.

Prix Courage 2020 – Die Nominierten im Porträt

 

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