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Willkommen zu «Das war richtig wichtig». Hier ordnen wir immer freitags die wichtigsten Nachrichten der vergangenen Woche für Sie ein.

Die Themen:

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Umfrage zur Altersvorsorge: Länger arbeiten ja, Steuern rauf nein

Darum gehts: Noch ist nicht klar, wie die 13. AHV-Rente finanziert werden soll. Nun zeigt eine neue Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte: Den Ansatz des Bundesrats – eine höhere Mehrwertsteuer – lehnen zwei Drittel der Befragten ab. Wie also soll die Rentenerhöhung finanziert und die AHV langfristig gesichert werden? Generell ist der Tenor bei den Befragten: Man kann sich vorstellen, später in Rente zu gehen, ist aber dagegen, heute mehr einzuzahlen.

Warum das wichtig ist: Noch immer ist unklar, woher das Geld für die 13. AHV-Rente kommen soll, obwohl sie ab dem kommenden Jahr ausgezahlt wird. Die Umfrage gibt demjenigen Lager Auftrieb, das zusätzlich oder ausschliesslich höhere Lohnbeiträge will. Am besten kommt der Vorschlag an, das Rentenalter zu flexibilisieren. Eine wichtige Fussnote zur Studie: Deloitte ist keine neutrale Absenderin. So legt Deloitte denn auch einen grossen Fokus auf die Idee, den AHV-Fonds massiv auszubauen und das Geld am Kapitalmarkt anzulegen.

Das sagt der Beobachter: Es ist schon ein bisschen in Vergessenheit geraten, dass zeitgleich mit der AHV-Initiative auch zur Abstimmung stand, das Rentenalter schrittweise auf 66 zu erhöhen und dann an die Lebenserwartung zu koppeln. Warum es wohl gut gewesen wäre, wenn damals beide Vorlagen angenommen worden wären, lesen Sie hier:

Über «Das war richtig wichtig»

Was hat die Schweiz diese Woche gerechter, transparenter, fortschrittlicher gemacht? Und wo gings eher rückwärts? Wo weiterlesen, wenn Sie es genauer wissen möchten? Wir liefern Ihnen immer freitagmittags drei bis vier wirklich wichtige Nachrichten – kompakt, verständlich und mit Haltung aufgeschrieben. Auch als E-Mail abonnierbar.

Freiwilligenarbeit weit verbreitet: Der Gegenentwurf zur Ich-Gesellschaft

Darum gehts: Der Freiwilligenmonitor 2025 der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) zeigt, dass Gemeinsinn auch im Zeitalter der Individualisierung einen hohen Stellenwert hat. Gemäss der Untersuchung leisten 86 Prozent der Schweizer Bevölkerung in irgendeiner Form Freiwilligenarbeit. Übers Jahr gerechnet, investieren sie dafür insgesamt 590 Millionen Stunden. Das entspricht einem Gegenwert von rund 30 Milliarden Franken.

Warum das wichtig ist: Freiwillige, meist unbezahlte Arbeit hat einen ganz praktischen Nutzen. Ohne sie gäbe es viele soziale Angebote nicht, blieben wichtige Betreuungsaufgaben unerledigt, stünden Vereine still. Daneben gibt es auch einen unsichtbaren, jedoch nicht minder wichtigen Effekt: Freiwilliges Engagement für Gesellschaft und Staat steht in einer Wechselwirkung mit dem Vertrauen in die Mitmenschen, in die Demokratie und die schweizerische Konsenskultur. Je stärker das Engagement, umso stärker dieses Vertrauen. Freiwilligenarbeit erhält also zu einem guten Teil den Kitt in der Gesellschaft – ein unschätzbarer Wert.

Das sagt der Beobachter: Der gemeinnützige Einsatz so vieler Leute in unserem Land ist beeindruckend – und alles andere als selbstverständlich. Denn wenn die Belastung im Job steigt, sinkt die verfügbare Zeit dafür. Auch sind gerade jüngere Menschen heute mobiler unterwegs und scheuen längerfristige Verpflichtungen. Um auch in Zukunft das Potenzial der stillen Helferinnen und Helfer nutzen zu können, muss sich deshalb auch die Politik überlegen, wie sie die Freiwilligenarbeit fördern kann. Auf gutem Weg ist die Ausweitung des «Jugendurlaubs»: Unter 30-Jährige sollen künftig Anspruch auf zwei Wochen (statt nur eine Woche) unbezahlten Urlaub für ein ehrenamtliches Engagement haben. Die SGG und andere zivilgesellschaftliche Organisationen fordern nun einen solchen Urlaub auch für die über 30-Jährigen. Weshalb nicht?

Klimaerwärmung: Die Schweiz muss sich gegen mehr gefährliche Gewitter wappnen

Darum gehts: Forschende der Universität Bern und der ETH Zürich haben modelliert, wie eine wärmere Durchschnittstemperatur die Bildung von Gewittern beeinflusst. Ihre Studie dazu haben sie diese Woche in einer renommierten Fachzeitschrift veröffentlicht. Fazit: Bei einer Erwärmung von drei Grad werden sogenannte Superzellen-Gewitter auf der Alpennordseite anderthalbmal so oft wie bisher auftreten.

Warum das wichtig ist: Superzellen-Gewitter können enorme Zerstörung verursachen: etwa im Juli 2023, als eine solche Zelle mit Böen von über 200 km/h über La Chaux-de-Fonds fegte und Schäden in dreistelliger Millionenhöhe hinterliess. Gemäss den Forschern der Universität Bern gehören diese Gewitter sogar zu den gefährlichsten Wetterphänomenen Europas.

Das sagt der Beobachter: «Je besser wir verstehen, unter welchen Umständen diese Stürme entstehen, desto besser können wir uns dagegen wappnen», fasst es eine der Autorinnen der Studie zusammen. Doch Wissen allein reicht nicht, ohne dass auch Taten folgen.

Das Zitat der Woche

In Lausanne haben sich diese Woche in mehreren Nächten Wut und Frust über die Polizei auf der Strasse entladen. Jugendliche randalierten und lieferten sich Scharmützel mit der Polizei. Auslöser war der Tod eines 17-Jährigen, der auf der Flucht vor Polizisten mit einem Roller gegen eine Wand fuhr und sich tödlich verletzte. Tags darauf musste der Stadtpräsident Grégoire Junod bekanntgeben, dass Polizisten in Whatsapp-Chatgruppen seit Jahren rassistische, sexistische, antisemitische, islamfeindliche und weitere diskriminierende Nachrichten gepostet hatten: 

«Die Polizei muss alle Menschen gleich behandeln. Wenn man die Uniform missbraucht, zerbricht das Vertrauensverhältnis zwischen Polizei und Bevölkerung.» – Grégoire Junod

Etwa zehn Prozent des Lausanner Korps waren Mitglied in diesen Chatgruppen. In einer der Nachrichten posiert ein Polizist in Uniform neben einem Schild, auf dem das SS-Symbol und das Hakenkreuz zu sehen sind.

Geschrieben haben diesen Überblick diesmal Daniel Benz und Oliver Fuchs.

Wir bleiben für Sie dran. Bis nächste Woche.