Die Rekord-Hitzewelle vom Juni versengte Europa. Vielerorts starben während der heissesten Woche mehr Menschen als sonst, etwa in Spanien und Deutschland. In Frankreich gab es eine Übersterblichkeit von mindestens 30 Prozent. In der Schweiz waren es 15 Prozent mehr. Das sind 200 Personen. In Köln liefen die Bestatter am Limit. Viele Länder ringen mit Waldbränden. Die Gletscher schmelzen rasend schnell.

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Einmal mehr ist klar: Wir brauchen dringend effektives Handeln gegen den Klimawandel und schnelle Massnahmen zur Anpassung ans bereits veränderte Klima. Wir müssen beides tun. Und wir tun beides schockierend schlecht

Und gerade deshalb zeigt sich ein eklatanter sozialer Graben immer deutlicher – über den die Schweiz aber noch kaum spricht.

Beim Kühlen ist alles anders

Im Winter soll es bei allen zu Hause wohlig warm sein. Das stellt niemand ernsthaft in Frage, das ist selbstverständlich. Beim Kühlen ist es ganz anders. Wer reich ist, schwitzt nicht. Schmort nicht in überhitzten und feuchten Räumen. 

Wer sich ein Eigenheim im Grünen leisten kann, kann es sich auch leisten, gegen die Hitze aufzurüsten. Mit einer Wärmepumpe zu kühlen. Mit gut isolierten Wänden die Temperaturen länger zu halten. Klimaanlagen zu installieren. In den eigenen Pool zu springen oder auch mal für eine Woche ins klimatisierte Hotel oder die Zweitwohnung in den Bergen zu zügeln.

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Klar – auch unter den Mieterinnen und Mietern gibt es Privilegierte, die in gut klimatisierten Neubauten wohnen. 

Heiss haben in erster Linie diejenigen, die wenig Miete zahlen können. Eine Hitzewelle fühlt sich anders an, wenn man im schlecht isolierten alten Betonblock wohnt, direkt an der viel befahrenen Strasse. Der Asphalt glüht. In der Nacht lüften bringt kaum Linderung. Nur Lärm und schlechten Schlaf. Geringverdienende haben tendenziell auch weniger Flexibilität bei der Arbeit, sind auch dort hitzebedingten Nachteilen eher ausgeliefert.

Wer im Juni schnell genug war, deckte sich noch mit Klimaanlagen und Ventilatoren ein. Immer mehr Schläuche in Fensterspalten zeigen, wie die Hitze die Leute plagt. Gequält stossen die Rüssel die heisse Luft für einen Moment raus aus der Wohnung. Solche Anlagen sind aber nicht für alle erschwinglich und jetzt sowieso ausverkauft.

Der Hitze ausgeliefert

Für echte klimatische Verbesserungen in der Wohnung – etwa mit fix installierten effizienten Klimaanlagen oder anderen baulichen Massnahmen – sind Mietende abhängig vom Wohlwollen der Vermieter. 

Denn einen gesetzlichen Anspruch auf eine maximale Temperatur zu Hause gibt es nicht. Eine überhitzte Wohnung stellt zwar einen mietrechtlichen Mangel dar. Aber was das genau bedeutet, ist im Gesetz nicht klar geregelt. Betroffene müssten wohl einzeln vor Gericht gegen die Vermieter klagen. Dieses Risiko einzugehen, ist aber wieder eine Frage des Geldes.

Viele sind der Hitze schlicht ausgeliefert. Das wirkt sich auf alles aus, auf die Leistungsfähigkeit in der Schule und im Job, auf die physische und psychische Gesundheit. Und das verstärkt die Ungleichheiten in der Gesellschaft. 

Die Kluft zwischen den Hitze-Erfahrungen in der Bevölkerung sind ein Alarmzeichen für die Politik.

Die Kluft zwischen den Hitze-Erfahrungen in der Bevölkerung sind ein Alarmzeichen für die Politik. Der Chef der britischen Umweltorganisation «Friends of the Earth» sagte dem «Guardian» treffend über die Hitze: «It throws a grenade into every vulnerability you already have». Zu Deutsch: Sie wirft eine Granate in jede Schwachstelle, die du ohnehin schon hast.

Dieser soziale Graben beim Kühlen muss weg. Politikerinnen und Politiker in der Schweiz müssen das endlich ernst nehmen. Und nicht nur nach Klimaanlagen für alle schreien, wenn es gerade opportun ist. Sondern die Anpassung an den Klimawandel aus der Perspektive der Vulnerablen in unserer Gesellschaft denken. Konkrete, schnelle Lösungen für sie liefern. Und herausfinden, was es braucht, damit sich diese Ungleichheiten mit fortschreitendem Klimawandel nicht noch vergrössern. 

Ihre Meinung ist gefragt

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