Gemessen an der weltweiten Baumwollproduktion macht Biobaumwolle zwar erst gut ein halbes Prozent aus – doch der Anteil steigt. Denn das Geschäft mit umwelt- und sozialverträglich produzierten Textilien boomt. 2008 wurden weltweit rund 3,5 Milliarden Franken mit dem Verkauf von Textilien aus Biobaumwolle umgesetzt. Das sind gut 60 Prozent mehr als im Vorjahr.

Eine Spitzenposition nimmt die Schweiz ein: Fünf Prozent aller Baumwolltextilien, die hierzulande über die Ladentische gehen, stammen aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA). In keinem anderen Land der Welt werden pro Kopf mehr «grüne» Textilien verkauft.

Coop, die neben Wal-Mart, C&A, Nike, H&M und Zara zu den weltweit zehn grössten Händlern von Biotextilien gehört, lässt bereits 55 Prozent ihres Supermarktsortiments nach den strengen kbA-Richtlinien produzieren. Bei der Migros beläuft sich der Anteil an Kleidern und Heimtextilien aus Biobaumwolle derzeit auf fünf Prozent, das Angebot wird aber laufend ausgebaut. Und auch der Fairtrade-Pionier Switcher will den Anteil an Biobaumwolltextilien in den kommenden zwei Jahren «massiv vergrössern»; heute liegt er bei 25 Prozent. 

Lohndumping und Kinderarbeit

«Wir rechnen damit, dass mit dem Nachfragedruck neue Grossverteiler und Marken auf uns zukommen werden», sagt Matthias Herfeldt vom Hilfswerk Helvetas, das in verschiedenen Entwicklungsländern Biobaumwollprojekte betreibt. Neben Switcher, Migros und Hess Natur bezieht neuerdings auch Manor Baumwolle aus Helvetas-Projekten.

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Von der grösseren Nachfrage profitieren sollen vor allem die Bauern. «Für konventionelle Baumwolle erhält ein malischer Bauer knapp 50 Rappen pro Kilo, für fair gehandelte Biobaumwolle sind es 80 Prozent mehr», sagt Herfeldt.

Der Preiskampf ist hart. Für Baumwolle wird auf dem Weltmarkt immer weniger bezahlt. Einer der Gründe dafür sind die Agrarsubventionen in den Industriestaaten. Mit der hochsubventionierten Ware aus Europa oder den USA kann Baumwolle aus Entwicklungsländern nicht konkurrieren, und ohne Unterstützungsgelder können die Bauern kaum kostendeckend produzieren.

Besonderes Augenmerk legen Hilfsorganisationen wie Helvetas und Swissaid auf die Anbaupraktiken. Denn die herkömmliche Baumwollproduktion belastet Mensch und Umwelt massiv. Um ein Kilogramm Baumwollfasern zu produzieren, werden zwischen 7000 und 20'000 Liter Wasser benötigt, in Gebieten mit besonders verschwenderischen Systemen der Oberflächenbewässerung sind es bis zu 30'000 Liter. Gigantisch ist auch die Menge der auf den Baumwollplantagen gespritzen Pestizide: Diese machen rund ein Fünftel des jährlichen Weltverbrauchs aus. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden jedes Jahr drei Millionen Menschen durch exzessiven Chemieeinsatz auf den Plantagen vergiftet. Auch die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen und in den Kleiderfabriken lassen zu wünschen übrig: Kinderarbeit, fehlende Sozialversicherungen und Lohndumping sind an der Tagesordnung.

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Quelle: Stock-Kollektion colourbox.com

Kunden wollen Transparenz

Die entwicklungspolitische Organisation «Erklärung von Bern» hat letztes Jahr 23 Schweizer Firmen im Hinblick auf ihre soziale Verantwortung unter die Lupe genommen. Als «vorbildlich» bewertete sie Switcher und Coop Naturaline; als «Mitläufer» unter anderen Migros, Coop, Manor, Charles Vögele, Intersport und Calida; als «Ignoranten» Firmen wie Beldona, Schild und Tally Weijl. Immerhin: Jüngst haben sich Grossfirmen wie Adidas, Gap, Ikea und H&M mit dem WWF zur «Better Cotton Initiative» zusammengeschlossen - mit dem Ziel, die nachhaltige und soziale Baumwollproduktion zu fördern. Bereits 2010 soll die «bessere» Baumwolle auf den Markt kommen.

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Weder Bio- noch Fairtrade-Label sagen aber etwas über die Klimabilanz eines Kleidungsstücks aus. Richtig «sauber» sind streng genommen nur Kleider, die auch klimaneutral produziert werden. Diesen Anspruch erfüllt etwa das T-Shirt «Bao» von Switcher. Im Internet lässt sich − eine weltweite Novität – der Herstellungsprozess lückenlos verfolgen. «Die Kunden wollen Transparenz, und zwar in allen Bereichen», begründet Bruno Barth von Switcher den Schritt.

Nicht zuletzt seiner Haut zuliebe sollte man auf «grüne» Mode setzen. Denn bei der Verarbeitung der Textilien ist eine Flut von Chemikalien im Spiel: Rund 8000 Hilfsmittel und 4000 Farbstoffe werden eingesetzt. Biolabels garantieren, dass nur haut- und umweltfreundliche Stoffe verwendet werden. Bei herkömmlich produzierten Textilien besteht die Gefahr, dass Wäsche zu «Reizwäsche» wird.

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Gut gekleidet – und erst noch «sauber»

  • Kaufen Sie, wenn immer möglich, Kleider aus Biobaumwolle.
  • Fragen Sie beim Kleiderkauf nach Herkunft und Produktionsbedingungen (Fairtrade).
  • Kaufen Sie auch mal in Secondhand-Läden ein. In manchen Shops findet man attraktive Designerstücke und Raritäten.
  • Waschen Sie Ihre Kleider möglichst bei tiefen Temperaturen: 30 Grad reichen meistens aus.
  • Trocknen Sie Ihre Wäsche an der Leine.

www.wwf.ch/Lösung

Auf diese Bezeichnungen können Sie setzen

Kontrolliert biologischer Anbau (kbA): Baumwolle, die mit dem Prädikat «kbA» ausgezeichnet ist, muss nach den Kriterien der europäischen Bioverordnung angebaut werden. Die Einhaltung der Kriterien wird jährlich von einer unabhängigen Instanz kontrolliert. Die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen ist verboten.

Bio Cotton, das Label von Switcher, steht hier exemplarisch für kbA-Angebote. Kleider aus Biobaumwolle – mit jeweils eigenen Logos – gibt es unter anderem auch bei Hess Natur, Manor, H&M, C&A.

Coop Naturaline bezeichnet Coop- Kollektionen aus kontrollierter Baumwolle (kbA). Die Fasern stammen aus den Förderprojekten der Schweizer Stiftung bioRe. Entlang der gesamten Warenkette werden Umwelt- und Sozialstandards kontrolliert. Die Deklaration «fair trade» auf dem Logo ist eine Selbstdeklaration von Coop.

Die Max-Havelaar-Stiftung ist dem Netzwerk von Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) angeschlossen. Die ausgezeichneten Artikel sind aus Baumwolle aus konventionellem oder biologischem Anbau hergestellt, der den Bauern gerechte Arbeits- und Handelsbedingungen garantiert. Es gelten auch soziale Mindestanforderungen für die Beschäftigten in den Fabriken.

Migros Engagement Eco: Das Label entsprach ursprünglich dem Öko-Tex-100-Label, das ausschliesslich für einen Materialtest steht und nur garantiert, dass bestimmte krebserregende und allergene Stoffe im fertigen Kleidungsstück nicht enthalten sind. Neuerdings werden auch soziale Aspekte wie zum Beispiel Arbeitssicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz berücksichtigt. Dabei handelt es sich um eine Selbstdeklaration von Migros.

Fairtrade: Die Fair Trade Labelling Organisationen (FLO) haben sich in Europa unter diesem Label zusammengeschlossen und bürgen für fairen und gleichberechtigten Handel. Das heisst: Existenz sichernde, kostendeckende Preise, stabile Verträge und teilweise Vorfinanzierungen. FLO erarbeitet derzeit einen Standard für die textile Verarbeitungskette, der dann von FLO-Cert überprüft werden soll. www.fairtrade.net

Global Organic Textile Standard (GOTS): Der Global Organic Textile Standard wurde von einer internationalen Arbeitsgruppe mit dem Ziel gegründet, ein weltweit gültiges Label für Biobaumwolle zu entwickeln. Der Standard regelt nicht nur den Anbau, sondern auch die gesamte Weiterverarbeitung der Naturfasern. Die Endprodukte werden durch unabhängige Kontrollstellen überprüft und zertifiziert. Der GOTS enthält auch minimale Anforderungen für eine sozialverträgliche Herstellung. www.global-standard.org

Fair Wear Foundation (FWF): Initiative aus Amsterdam, die sich für eine Verbesserung der Arbeitsstandards einsetzt und von Unternehmen, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen getragen wird. Der Verhaltenskodex basiert auf den Normen der Internationalen Arbeitsorganisation und umfasst unter anderem das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit, garantiert einen existenzsichernden Lohn und gestattet gewerkschaftliche Vereinigungsfreiheit. Künftig soll die FWF als europäische Verifizierungsstelle die Umsetzung minimaler Arbeitsrechte bei Modefirmen überprüfen. Mitglieder in der Schweiz: Switcher, Hessnatur, WWF, Mammut und Odlo. www.fairwear.ch

Öko-Tex Standard 100: Siegel für schadstoffgeprüfte Textilien, das von einer Gemeinschaft von Textilprüfungsinstituten herausgegeben wird. Das Siegel wird nur nach einer Analyse im Labor vergeben. Das ÖkoTex-100-Zertifikat regelt stichprobenartig, ob im Endprodukt bestimmte Chemikalien nicht enthalten sind beziehungsweise einen definierten Grenzwert nicht überschreiten. Primär geht es hier um die Gesundheit der Endkonsumenten. Der Standard umfasst jedoch nicht den Produktionsprozess: er berücksichtigt weder die Kriterien der Anpflanzung, der Verarbeitung der Faser noch die sozialen Bedingungen, unter denen die Baumwolle produziert und verarbeitet wird. www.oekotex.com

Naturtextil IVN best/better: Der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) hat zwei Labels: Naturtextil best und Naturtextil better. Bei Naturtextil best stammen sämtliche Naturfasern aus kbA. Produktionsbetriebe und verwendete Hilfsstoffe sind auf der Etikette ausgewiesen. Bei Naturtextil better stammt die Baumwolle aus kbA, andere Fasern auch aus konventionellem. Keine umwelt- oder gesundheitsbelastenden Chemikalien, faire Arbeitsbedingungen, artgerechte Tierhaltung. www.naturtextil.com

Euroblume: Das Eco-Label der EU garantiert eine kleinere Umweltbelastung im Vergleich zu anderen Produkten: reduzierter Einsatz gesundheitsschädigender und umweltschädlicher Substanzen bei Produkt und Produktion. Geringe Verschmutzung von Wasser und Luft im Produktionsprozess. www.eco-label.com

Respect-code: Dieses Unternehmenslabel erlaubt jedem Konsumenten, seinem Produkt Schritt für Schritt zu folgen. Es wird sozusagen die „DNA“ eines Artikels enthüllt. Bisher wird das Selbst-Monitoring-System nur von Switcher angeboten. www.respect-code.org

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Literaturtipps

Kirsten Brodde: Saubere Sachen. Wie man grüne Mode findet und sich vor Öko-Etikettenschwindel schützt. Ludwig, 2009, ca. 30.90 CHF

Alexandra Baum, Kirsten Brodde: Textil-Fibel 3. Wissenswertes über Fäden, Fasern und faire Kleidung zum Wohlfühlen. 2009, Greenpeace Magazin, ca. 15 CHF (bestellen über www.amazon.de oder www.greenpeace-magazin.de)

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